Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0407/32196.html    Veröffentlicht: 07.07.2004 09:14    Kurz-URL: https://glm.io/32196

Schädigt Handy-Nutzung Spermien?

Negative Wirkung von Handys auf die männliche Spermaproduktion?

Auf dem Kongress der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) am 29. Juni 2004 in Berlin stellte ein ungarisches Forscherteam um Imre Fejes von der Universität Szeged die Ergebnisse seiner Studie zur Wechselwirkung zwischen männlicher Fruchtbarkeit und Handy-Nutzung vor. Danach ist bei Männern, die häufig Mobiltelefone nutzen oder das Handy am Gürtel tragen, die Anzahl der Samenzellen um 30 Prozent reduziert und auch die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt. Die Ergebnisse widersprechen dem bisherigen Stand der Wissenschaft.

451 Männer wurden über 13 Monate hinweg beobachtet. Verglichen wurde die Samenproduktion von intensiven Handy-Nutzern mit Nichtnutzern. Die Studien selbst sind bislang noch nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht worden. Eine wissenschaftliche Bewertung konnte deshalb noch nicht vorgenommen werden. Vor diesem Hintergrund sei eine abschließende Stellungnahme nach Ansicht des Branchenverbandes Informationszentrum Mobilfunk noch nicht möglich.

Diese Ansicht vertritt Prof. Hans Evers, früherer ESHRE-Vorsitzender und Professor an der Universitätsklinik in Maastricht. Nach Bekanntgabe der Studienergebnisse kam er zu der Einschätzung, dass diese Studie "mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt". Die Wissenschaftler müssten sich deshalb zunächst intensiv mit den Ergebnissen auseinander setzen, da zahlreiche Einflussfaktoren die Spermienqualität beeinflussen. Dazu zählen u.a. Stress, Alter, Alkoholkonsum und Rauchen. Inwieweit auch diese Faktoren in der Fejes-Studie berücksichtigt wurden, steht noch nicht fest.

Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben unabhängig von dieser Studie gemeinsam mit der Bundesregierung das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF) ins Leben gerufen. Bis voraussichtlich 2006 sollen unter der Leitung des Bundesamtes für Strahlenschutz mehr als 50 Forschungsprojekte durchgeführt werden. Ziel ist es, Wissenslücken über die biologischen Wirkungen und Mechanismen elektromagnetischer Felder zu schließen.  (ad)


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Links zum Artikel:
European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) (.com): http://www.eshre.com
Informationszentrum Mobilfunk (IZM): http://www.izmf.de

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