Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0407/32159.html    Veröffentlicht: 05.07.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/32159

Spieletest: Driv3r - Action-Rennspiel mit Macken

Neuer Reflections-Titel mit deutlichen GTA-Anleihen

Finanziell scheint sich der massive Werbeaufwand, den Atari derzeit für den dritten Teil der Driver-Reihe betreibt, bereits auszuzahlen - in Deutschland zumindest stürmte der Titel kurz nach Veröffentlichung an die Spitze der Verkaufscharts für Xbox und PlayStation 2. Ob der Großteil der Käufer die Entscheidung im Nachhinein aber nicht doch ein bisschen bereut, kann zumindest nicht ausgeschlossen werden - vor allem in technischer Hinsicht bleibt das Spiel in vielen Belangen leider hinter den Erwartungen zurück.

Rennspiele mit Action-Einlagen haben weiterhin Hochkonjunktur - der große Erfolg der GTA-Reihe hat nicht nur für gelungene Nachahmer-Projekte wie True Crime gesorgt, sondern ganz offensichtlich auch die Entwickler bei Reflections dazu veranlasst, neue Elemente in die Driver-Reihe zu integrieren. War man in den ersten beiden Spielen nämlich im Grunde nur hinter dem Steuer seines Fahrzeugs unterwegs, muss Undercover-Agent Tanner diesmal auch zu Fuß Aufgaben lösen. Etwa ein Drittel der gesamten Spielzeit, in der man versucht, einen Auto-Schieber-Ring zu sprengen, spielt sich daher eher wie ein Shooter.

Screenshot #1
Screenshot #1
Was zunächst nach spielerischer Abwechslung klingt, entpuppt sich schnell als Achilles-Verse von Driv3r - leider sind die Passagen außerhalb des Autos alles andere als gelungen. Das beginnt schon bei der schlecht gelösten Steuerung: Tanner lässt sich nur sehr träge dirigieren, bleibt ständig an Ecken und Autos hängen und besticht nicht gerade durch ausgefeilte Motorik - die Sprünge und Rollen, die man ausführen kann, sehen seltsam unbeholfen aus.

Screenshot #2
Screenshot #2
Zudem sind die Schießereien, die man sich mit diversen Kontrahenten liefert, in puncto KI äußerst unbefriedigend - das Ganze läuft immer wieder darauf hinaus, dass man sich gegenübersteht und versucht, so schnell wie möglich sein Magazin leer zu pumpen, da die Gegner sich nur selten raffiniert ducken oder verstecken. Auch selbst verspürt man dank der Bedienungsprobleme schon bald keine Lust mehr, Schutz hinter Wänden und Vorsprüngen zu suchen.

Screenshot #3
Screenshot #3
Hinter dem Steuer kommt hingegen schon bald deutlich bessere Stimmung auf, wenn - fast immer unter Zeitdruck - durch die belebten Innenstädte von Miami, Nizza und Istanbul gerast werden darf. Mal gilt es, mit einer Polizei-Wagenkolonne Schritt zu halten, dann sollen Autos in einem fahrenden Truck platziert oder ein Gangster unter Missachtung aller Verkehrsregeln verfolgt werden. Die Steuerung der Autos ist leicht zugänglich, allerdings fast schon zu Arcade-lastig - es ist fast unmöglich, eine Kurve ohne quietschende und durchdrehende Räder zu nehmen. Kommt man aber erst mal mit der Bedienung der Bremse zurecht, lässt auch schon bald das Gefühl nach, den Wagen nicht kontrollieren zu können.

Screenshot #4
Screenshot #4
Ein paar technische Mankos fallen auch bei den Fahrpassagen auf: Zwar sind die Städte, Fahrzeuge und Passanten recht ansehnlich gestaltet, dafür trüben aber auch beständige Pop-Ups (z.B. aus dem Nichts auftauchende Gebäude und Autos) das Rennvergnügen - unverständlich, zumal die Frame-Rate oftmals dennoch nicht konstant bleibt. Zudem reicht es meist, einen Wagen oder eine Laterne ungünstig zu rammen - und schon muss die Mission komplett von vorne gespielt werden. Am recht hohen Schwierigkeitsgrad dürften sich gerade Einsteiger daher die Zähne ausbeißen, unfaire Stellen gibt es jedoch glücklicherweise kaum. Die Story wird in sehr gelungenen Render-Sequenzen zwischen den einzelnen Missionen erzählt, die deutsche Synchronisation klingt allerdings leider recht demotiviert und dem Handlungsstrang nicht angemessen.

Screenshot #5
Screenshot #5
Während der Missionen bleibt auf Grund des sehr linearen Spielablaufs und des beständigen Zeitdrucks praktisch keine Möglichkeit, frei die drei Städte zu erkunden, neben der Kampagne lässt sich im Menü aber auch eine Freifahrt-Option anwählen, so dass auch gemächliche Rundfahrten möglich sind. Darüber hinaus gibt es noch ein paar recht kurzweilige Rennaufgaben wie Sprints oder Slalom-Fahrten, die sich ebenfalls "zwischendurch" anwählen und erledigen lassen.

Driv3r ist für PlayStation 2 und Xbox im Handel erhältlich. Die angesprochenen technischen Probleme sind bei beiden Versionen nahezu identisch; vor allem bei der Xbox hätte man sich daher eine bessere Ausnutzung der technischen Möglichkeiten gewünscht.

Fazit:
Wer kam nur auf die Idee, Tanner das Auto wegzunehmen? Die Missionen, die man in Driv3r zu Fuß zurücklegen muss, sind definitiv ein Spielspaßkiller - und können auch durch die Zeit im Auto nicht komplett wieder gutgemacht werden, zumal einige technische Mankos dem Titel einen faden "Noch-nicht-ganz-fertig"-Beigeschmack anhaften lassen. Im Großen und Ganzen bietet Div3r schon für etwa zehn bis zwölf Stunden recht gute Unterhaltung, das uns von Atari im Vorfeld versprochene Highlight ist der Titel aber definitiv nicht geworden.  (tw)


Verwandte Artikel:
Üble Gerüchte um Driv3r - Hat Atari Tester bestochen? (Upd.)   
(29.06.2004, https://glm.io/32031 )
Atari liefert 2,5 Millionen Driv3r-Spiele aus   
(25.06.2004, https://glm.io/31962 )
Driv3r - Bilder zum potenziellen Rennspiel-Highlight   
(15.01.2004, https://glm.io/29289 )
Burnout Paradise Remastered: Hochaufgelöste Wettrennen in Paradise City   
(21.02.2018, https://glm.io/132894 )
Playstation Network: Sony schaltet Server von Gran Turismo 6 ab   
(29.12.2017, https://glm.io/131903 )

Links zum Artikel:
Atari: http://www.atari.de

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/