Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0406/31812.html    Veröffentlicht: 18.06.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/31812

Spieletest: Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Zauberspiel zum Dritten

Die Vermarktungsmaschinerie rund um Harry Potter läuft nach anderthalbjähriger Unterbrechung wieder auf Hochtouren, und natürlich veröffentlichte Electronic Arts pünktlich zum Kinostart des dritten Films wieder ein neues Spiel für praktisch alle Plattformen. Dabei war man durchaus bemüht, diesmal neue Spielelemente einzubauen; das Endergebnis ist nichtsdestotrotz aber wieder recht zwiespältig.

Da der größte Teil der Menschheit die Harry-Potter-Bücher mittlerweile kennt, muss zum Inhalt wohl nicht viel verraten werden - letztendlich geht es im Spiel darum, dass der vermeintlich gefährliche Sirius Black aus dem Gefängnis in Askaban ausgebrochen ist und nun angeblich dem stets verfolgten Harry Potter nach dem Leben trachtet. Natürlich kommt alles ganz anders als zunächst angenommen, wer die Story allerdings tatsächlich noch nicht kennen sollte, dürfte mit der Erzählweise im Spiel so seine Probleme haben - ein richtiger Zusammenhang besteht zwischen vielen Szenen leider nicht, einiges wirkt einfach nur abgehackt und etwas lieblos zusammengeklatscht.

Screenshot #1
Screenshot #1
Größter Unterschied zwischen dem dritten und den ersten beiden Spielen ist sicherlich der, dass man nun nicht mehr nur Harry steuert, sondern per simplem Knopfdruck auch in die Rolle von Hermine oder Ron schlüpfen kann. Nötig wird dies, da jeder Charakter über ganz eigene Fähigkeiten verfügt - so entdeckt Ron beispielsweise als Einziger Geheimgänge, Hermine kann sich als schlankes Mädel durch enge Gassen quetschen und Harry erklimmt größere Vorsprünge oder hangelt sich an Seilen hoch. Ein wenig erinnert das Ganze an den Klassiker Lost Vikings: Während man mit einer Person die jeweils zu erledigende Aufgabe bewältigt, stehen die anderen beiden unnütz herum und warten, dass man ihnen eine Tür öffnet oder den Weg zeigt.

Screenshot #2
Screenshot #2
Unterschiede gibt es aber auch bei den Zaubersprüchen, die die drei Zauberlehrlinge beherrschen. Während der Standard-Angriffszauber "Flipendo" allen gelingt, kann Ron mit "Lumos" im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkel bringen. Hermine hingegen lässt mit ihren Fähigkeiten Kontrahenten auch mal zu Eis erstarren. Die Zauber lassen sich sehr einfach auf Xbox, GameCube und PlayStation 2 auf eine der Funktionstasten legen, mit Hilfe der Schultertasten muss dann nur noch der jeweils ausgewählte Gegner anvisiert werden.

Screenshot #3
Screenshot #3
Der grundsätzliche Schwierigkeitsgrad ist offensichtlich bewusst sehr niedrig angesetzt, damit auch junge Spieler wenig Probleme bei der Lösung des Action-Adventures haben. So erschließen sich alle Aufgaben eigentlich immer direkt jeweils aus der Szenerie: Mal müssen Kisten verschoben oder Gegenstände eingesammelt werden, dann wieder soll man sich an Wachen vorbeischleichen oder kurze Zeit auf einem Hippogreif reiten. PlayStation-2-Besitzer freuen sich zudem darüber, dass ihnen ein paar zusätzliche Eyetoy-Minispiele geboten werden - wer im Besitz der USB-Kamera für die Sony-Konsole ist, darf also auch selbst mit seinen Händen ein wenig den Zauberer mimen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Ärgerlich sind allerdings die vielen kleinen technischen Probleme, die das Spielvergnügen doch erheblich beeinträchtigen. Mal ärgert man sich über die zwar durchaus ansehnliche, aber unangenehm ruckelnde Grafik, dann über schlecht zusammengeschnittene Szenen oder eine schlampige Synchronisation. An vielen Stellen wird man so das Gefühl einfach nicht los, dass Harry Potter und der Gefangene von Askaban unbedingt zum Filmstart fertig werden musste - die Entwickler aber besser daran getan hätten, noch etwas mehr Zeit mit dem Programm zu verbringen.

Dieser Test bezieht sich auf die weitgehend identischen Versionen von Harry Potter und der Gefangene von Askaban für Xbox, PlayStation 2 und GameCube. Das Spiel ist zudem auch für PC und GBA erhältlich; diese Titel sind inhaltlich allerdings etwas anders gestaltet.

Fazit:
Auch für das dritte Harry-Potter-Spiel gilt im Grunde das, was man schon über die Vorgänger sagen konnte: Es gibt sicherlich schlechtere Filmumsetzungen und die Atmosphäre im virtuellen Hogwarts wurde von den Entwicklern schon recht stimmig eingefangen. Die kleineren technischen Schlampereien und das simple Gameplay sorgen aber dafür, dass wohl wieder nur sehr junge Spieler wirklich ihren Spaß mit diesem Titel haben werden.  (tw)


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