Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0405/31390.html    Veröffentlicht: 24.05.2004 09:23    Kurz-URL: https://glm.io/31390

Kapitulation vor Spam-Fluten

Universitäten schränken E-Mail-Dienste ein

Nachdem tagelang eine "riesige Spam- und Viren-Flut" die Mailserver der Technischen Universität Braunschweig lahm legte, griffen die Administratoren der Rechner am Freitag durch und schalteten kurzerhand die Spam- und Virenprüfung ab. Auch an der Freien Universität Berlin und der Albert-Ludwigs Universität Freiburg meldet man "Mail der Uni unter Beschuss", und Presseberichten zufolge kann sich auch die Bundesregierung der Spam-Flut kaum noch erwehren.

In Braunschweig hat man einen Server-Park von rund 20 Systemen, die alleine für den E-Mail-Verkehr verantwortlich sind. Eine "Grundlast" von zunächst 30.000 unbearbeiteten E-Mails am Dienstag habe sich bis zum Freitag auf etwa 100.000 E-Mails ausgeweitet. Dabei seien die Zustellzeiten von E-Mails enorm angewachsen.

Zwar würden pro Stunde bis zu 10.000 E-Mails von den Spam- und Virenscannern bearbeitet, da 98 Prozent davon aber Spam und Viren seien, entstehe leicht der Eindruck, es würden gar keine E-Mails ankommen. Dennoch bestehe eine gesetzliche Zustellpflicht, so dass man sich an der TU-Braunschweig entschlossen hat, die Spam- und Virenfilter vorübergehend abzuschalten. "Um den Dienst 'E-Mail' vor einem totalen Kollaps zu retten, kapitulieren wir vor der massiven Flut, die derzeit über uns hereinbricht", entschuldigen sich die Administratoren bei ihren Nutzern.

Auch die Universität Freiburg wird von Spam-E-Mails und Viren "bombardiert", wie es in einer Meldung des dortigen Rechenzentrums heißt. Ensprechend könne sich auch dort die Mailauslieferung verzögern. "Wir warnen in diesem Zusammenhang vor allem Mails zu öffnen, die einen Vermerk tragen, dass sie in der Universität auf Viren geprüft wurden! Diese enthalten mit Sicherheit einen Virus", heißt es dort weiter.

Drastischer fallen hingegen die Maßnahmen an der FU-Berlin aus. Auch dort stoßen die Mailserver auf Grund von Viren- und Spam-E-Mails an ihre Kapazitäts- und Performance-Grenzen. Das Universitäts-Rechenzentrum ZEDAT hat sich daher entschlossen, E-Mails mit bestimmten Datei-Typen als Anhang nicht mehr zu transportieren. Dabei handelt es sich um Dateien mit den Endungen ".bat", ".cmd", ".exe", ".pif" und ".zip", die besonders oft verseucht seien. Absendern stellt man eine Fehlermeldung zu, die den Dateinamen nennt und den Grund der Ablehnung beschreibt.

"Obwohl es durchaus sinnvolle Anwendungen des Versands von Dateien per E-Mail-Attachment - insbesondere zip-Archive - gibt, sah sich die ZEDAT zu dieser Maßnahme gezwungen, um den E-Mail-Dienst aufrecht erhalten zu können", heißt es auch dort entschuldigend. Die ZEDAT setzt auf die Anschaffung neuer, leistungsfähigerer Hardware.  (ji)


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Links zum Artikel:
Freie Universität Berlin: http://www.fu-berlin.de
TU Braunschweig: http://www.tu-braunschweig.de
Universität Freiburg: http://www.uni-Freiburg.de

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