Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0405/31337.html    Veröffentlicht: 18.05.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/31337

Spieletest: Port Royale 2 - Handel & Piraten auf hoher See

Fortsetzung der populären, aber Bug-geplagten Wirtschaftssimulation

Die Wirtschaftssimulation Port Royale war dem guten Ruf der Entwicklerschmiede Ascaron sowohl zu- als auch abträglich - viele Spieler freuten sich über die komplexen Handelsmöglichkeiten auf hoher See, andere verzweifelten an den zahlreichen Bugs und wollten zukünftig nie wieder ein Spiel des Gütersloher Publishers erwerben. Die herbe Kritik hat man sich bei Ascaron aber offensichtlich zu Herzen genommen: Port Royale 2 überzeugt nicht nur spielerisch, sondern auch technisch.

Wer den Vorgänger gespielt hat, wird auf den ersten Blick gar nicht allzu viele Unterschiede zwischen dem ersten und zweiten Teil feststellen - das grundsätzliche Gameplay, aber auch die Menüstruktur und die Grafiken wurden weitestgehend beibehalten. Wieder geht es also darum, in der Karibik des 17. Jahrhunderts lukrative Handelswege zu etablieren und dabei in bester "Pirates"-Manier auch öfter mal Schiffe von Piraten oder verfeindeten Nationen zu versenken.

Screenshot #1
Screenshot #1
Da der Handelspart recht komplex ist, empfiehlt sich vor allem für Einsteiger das sehr liebevolle und fast schon zu detaillierte Tutorial, in dem wirklich jede Kleinigkeit erklärt wird. Danach beginnt man dann mit einem recht kleinen Schiff, die ersten Güter hin- und herzuschippern - immer auf der Suche nach gewinnbringenden Handelsrouten. Den Entwicklern ist es dabei gelungen, recht realistisch Angebot und Nachfrage zu modellieren - die Preise von Gütern verändern sich also über die Zeit und an unterschiedlichen Orten, so dass man sich nicht unbedingt immer auf dieselben Aktionen verlassen kann. Trotzdem ist es hilfreich, im späteren Spielverlauf automatische Handelsrouten etablieren zu können, da einem so doch einige Arbeit abgenommen wird.

Screenshot #2
Screenshot #2
Hat man einen gewissen Rang erreicht, erhält man von Gouverneuren die ersten Aufträge, so dass man sich auf See auch an Gefechten beteiligen darf. Die Steuerung dieser Kämpfe hat sich praktisch seit "Pirates" nicht geändert - die gegnerischen Schiffe werden beständig umkreist und im richtigen Moment muss die Feuertaste gedrückt werden, um dem Gegner mit einer Ladung Kanonenkugeln das Boot zu perforieren. Ärgerlich: Während die KI immer die ganze Flotte steuert, kontrolliert man als Spieler immer nur ein Boot nach dem anderen.

Screenshot #3
Screenshot #3
Neu hinzugekommen sind kleinere, recht simple Fechtkämpfe, in denen man sich zum Abschluss der Schlacht mit dem feindlichen Kapitän duelliert - eine nette, aber nicht wirklich entscheidende Spielerei.

Im späteren Spielverlauf kann man, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, auch erste eigene Produktionsanlagen bauen, was dem Handel eine zusätzliche Tiefe verleiht - nun ist man nicht mehr nur beim Kaufen und Verkaufen, sondern auch bei der Produktion auf die Marktgegebenheiten angewiesen. Zum Zeitvertreib empfiehlt sich ein Besuch der Kneipen in den Städten - hier werden neue Mitglieder für die Crew angeheuert und das eigene Kleingeld durch Kartenspiele aufgebessert.

Screenshot #4
Screenshot #4
Auf Grund des alles andere als niedrigen Schwierigkeitsgrades werden auch Handelsprofis viel Zeit mit Port Royale 2 verbringen können - eine Kampagne hat man sich zwar gespart, dafür sorgt das Endlosspiel mit seinen zahlreichen Missionsaufgaben aber für lang anhaltende Beschäftigung. Trotzdem schade, dass kein Multiplayer-Modus integriert wurde - vor allem die See- und Fechtduelle hätten mit menschlichen Kontrahenten sicher recht viel Spaß gemacht.

Rein optisch ist Port Royale 2 solide Wertarbeit - im Vergleich zum Vorgänger wurden kleinere Details wie das Wasser oder die Übersichtskarten etwas hübscher gestaltet, zudem sind die Icons bei den Warenlisten nun übersichtlicher. Im Großen und Ganzen hat man sich spektakuläre Effekte aber eher gespart und dafür die Hardwareanforderungen recht niedrig gehalten. Mit technischen Problemen mussten wir uns glücklicherweise nicht herumschlagen - unsere Testversion lief absolut fehlerfrei.

Fazit:
Port Royale 2 hätte durchaus noch besser werden können - die See- und Fechtduelle lassen spielerische Tiefe vermissen, die optischen Verbesserungen sind eher marginal als wirklich beeindruckend. Für Handelsprofis mit Hang zum Karibik-Flair dürfte Port Royale 2 aber trotzdem für die nächsten Monate die neue Lieblingsbeschäftigung werden, denn eine derart komplexe und dennoch leicht zugängliche Wirtschaftssimulation mit so schöner Atmosphäre ist seit längerem nicht erschienen.  (tw)


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