Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0405/31165.html    Veröffentlicht: 06.05.2004 14:02    Kurz-URL: https://glm.io/31165

Spieletest: Painkiller - Shooter in den Fußstapfen von Doom

Plumpes, aber immens unterhaltsames Monster-Gemetzel für PC

Am Stealth-Genre führt derzeit kaum mehr ein Weg vorbei - egal ob Hitman, Splinter Cell oder irgendein anderer Action-Titel, plumpes Geballer bringt bei fast keinem Spiel mehr den Sieg, fast immer ist langsames Vorgehen gefragt. Nicht so bei Painkiller: Bei den Horden von Monstern, die hier auf den Spieler losgelassen werden, hat man zum Versteckspielen überhaupt keine Zeit - hier regiert die kompromisslose Action.

Eines vorweg: Painkiller ist nichts für Spieler, die von einem PC-Titel intelligente Unterhaltung und raffinierte Gegner erwarten. Schon die - eigentlich überflüssige und auch immer nur selten in dafür aber sehr schönen Zwischensequenzen erzählte - Hintergrundgeschichte steckt nur so voller Klischees und plumpem Macho-Gehabe. Der Spieler übernimmt die Rolle von Daniel Garner, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Anstelle friedlich im Himmel aufzuwachen, findet sich Garner aber plötzlich in einer mysteriösen Zwischenwelt wieder, wo ihm dann seine weitere Bestimmung verraten wird.

Screenshot #1
Screenshot #1
Da Luzifer plant, den ewigen Kampf zwischen Himmel und Hölle endlich für sich zu entscheiden, drohen Massen von satanischen Kreaturen, die Erde zu überrennen. Und anstelle dass der Himmel dem Ansturm entsprechend eine ganze Armee zur Verteidigung schickt, ist die Wahl auf Garner gefallen: Er soll sich der bösen Brut nun in den Weg stellen, um so letztendlich die Freikarte für den Himmel zu lösen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Was folgt, sind fünf Kapitel mit zahlreichen Unter-Leveln, in denen man die linke Maustaste praktisch nicht mehr loslassen wird. Denn von Beginn an rennen unzählige Monster auf den Spieler ein - wer da nicht schnell reagiert und sobald wie möglich sein Magazin leer feuert, hat kaum eine Chance, im Spiel vorwärts zu kommen. Während schon eine ganze Reihe Spiele in der Tradition von Serious Sam versucht haben, den Spieler mit unkomplizierter Dauerballerei bei Laune zu halten, ist dies den meisten Titeln nicht gelungen; das beständige Gegner-Recycling und die eintönigen Level ließen die Motivation schnell sinken. Bei Painkiller ist dies allerdings anders - und dafür gibt es gleich eine ganze Reihe guter Gründe.

Screenshot #3
Screenshot #3
Zunächst einmal sind die Gegner immens einfallsreich gestaltet. Man kämpft gegen Hexen, die sich nach ihrem Ableben in Raben verwandeln, muss Skelette in ihre Knochenteile zerlegen, Vampiren einen Pfahl durch den Leib rammen und Mönchen mit großen Äxten die Kutte perforieren. Dabei ist für wohliges Gruseln und beständige Schockmomente gesorgt - wenn man etwa ein Irrenhaus betritt und ausgemergelte Zombies, die an der Decke entlangkraxeln, plötzlich von oben auf den Spieler fallen, wird kaum jemand ungerührt und ohne erhöhten Herzschlag weiterspielen können.

Screenshot #4
Screenshot #4
Neben den nicht sonderlich intelligenten Standardgegnern, von denen in den einzelnen Levels gleich immer mehrere Dutzend warten, gilt es am Ende jedes Kapitels natürlich noch, Bosskämpfe auszutragen - und die haben es wirklich in sich. Während im normalen Spiel simples Dauerfeuer reicht, um weiterzukommen, muss man für die Bosse fast immer einen Trick finden, um sie zu besiegen - zumindest ein bisschen Gehirnschmalz wird dem Spieler also doch abverlangt. Ansonsten begeistern die Kontrahenten allein schon durch ihre Größe: Wer gegen den riesigen Thor oder das große Schlamm-Monster gekämpft hat, wird über andere, gerade mal bildschirmfüllende Endgegner nur noch schmunzeln können.

Screenshot #5
Screenshot #5
Ähnlich abwechslungsreich und beeindruckend gestaltet wie die Gegner sind auch die Schauplätze, an denen man für die Mächte des Himmels antritt. Mal wird auf einem alten Friedhof und einer mittelalterlichen Stadt gekämpft, dann wieder ballert man sich durch ein prunkvolles Operngebäude, einen Verladebahnhof, verschneite Berglandschaften oder einen Venedig-Verschnitt.

Screenshot #6
Screenshot #6
Was die eigens vom polnischen Entwicklerteam programmierte Pain-Engine dabei für Grafiken hervorzaubert ist beeindruckend - selten hat man so große Areale gesehen, die gleichzeitig mit so unglaublich vielen detaillierten Gegnern gefüllt waren. Ein zusätzliches Schmankerl ist die verwendete Physik-Engine von Havok, die beeindruckende Effekte zulässt - etwa Gegner, die nach einem gezielten Schuss des Spielers durch die Gegend fliegen oder realistisch in sich zusammen stürzende Gebäude.

Screenshot #7
Screenshot #7
Waffen gibt es gerade mal fünf, die haben allerdings sehr unterschiedliche Primär- und Sekundär-Feuer - da schießt etwa ein Maschinengewehr auch Granaten, und das Lasergeschütz kann auch Eisstrahlen aussenden. Hat man sämtliche Munition verbraucht, steht immer noch die einfachste Waffe - ein großes Häckselwerkzeug - mit unbegrenzter Munition zur Verfügung, um sich den Gegnern entgegenzuwerfen. Besiegte Gegner hinterlassen übrigens Seelen, die man dann auch einsammeln sollte - einerseits päppeln sie die Gesundheit des Spielers wieder auf, andererseits erreicht man nach 100 gesammelten Lebensgeistern den Dämonen-Modus: Hier ist die Grafik plötzlich schwarz-weiß, und für einen begrenzten Zeitraum lassen sich Kontrahenten hier recht problemlos vom Bildschirm fegen.

Screenshot #8
Screenshot #8
Neben der Einzelspieler-Kampagne wartet Painkiller auch mit einem Multiplayer-Modus auf, der allerdings nur Standardkost - also diverse Deathmatch-Optionen - bietet.

Die in Deutschland veröffentlichte Version des Spiels, die von der USK mit dem Siegel "Keine Jugendfreigabe" versehen wurde und daher nur an Spieler ab 18 Jahren abgegeben werden darf, wurde gegenüber der US-Fassung deutlich verändert. Während man im Original regelmäßig ein Blutbad an Wänden und Objekten hinterlässt und Körperteile durch die Luft fliegen lässt, kommt die deutsche Fassung ohne größere Splatter-Effekte aus und hat zudem auch kein rotes, sondern grünes Blut zu bieten.

Fazit:
Painkiller ist ein extrem lineares, simples und prinzipiell sehr plumpes Action-Spiel. Und trotzdem macht es immens viel Spaß - die großartige düstere Atmosphäre, die beeindruckenden Grafiken oder die faszinierenden Gegner sorgen dafür, dass man Painkiller zum Abreagieren zwischendurch immer wieder gerne hervorholt. Das Spiel orientiert sich eben ganz klassisch an frühen Shooter-Highlights wie den ersten Doom- und Quake-Titeln - und wer immer noch mit Genuss an diese Spiele zurückdenkt, wird auch Painkiller mögen.  (tw)


Verwandte Artikel:
Egoshooter Painkiller: Demo ist indiziert   
(05.04.2004, https://glm.io/30661 )
Demo zum Horror-Shooter Painkiller ist da   
(17.02.2004, https://glm.io/29785 )
SOS: Pubg plus Dschungelcamp   
(24.01.2018, https://glm.io/132351 )
Gaming: Über 3 Millionen deutsche Spieler treiben regelmäßig E-Sport   
(22.01.2018, https://glm.io/132296 )
Neuer James-Bond-Shooter GoldenEye: Rogue Agent kommt   
(06.05.2004, https://glm.io/31155 )

Links zum Artikel:
DreamCatcher Games (.com): http://www.dcegames.com

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/