Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0405/31090.html    Veröffentlicht: 03.05.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/31090

Spieletest: Project Zero 2 - Survival-Horror mit Fotokamera

Fortsetzung des ungewöhnlichen Gruseltitels

Survival-Horror-Spiele funktionieren meist nach dem gleichen Schema: Völlig auf sich allein gestellt muss der Spieler in einem verlassenen, düsteren Dorf unzählige Monster oder Zombies mit roher Waffengewalt ins endgültige Jenseits befördern. Project Zero bot da vor knapp zwei Jahren eine wohlige Abwechslung: Anstelle mit Eisenstange oder Pistole war man hier nur mit einem Fotoapparat ausgerüstet, um das eigene Leben zu retten. Der zweite Teil des ungewöhnlichen PlayStation-2-Thrillers wartet nun mit einem ähnlichen Gameplay, aber dafür deutlich dichterer Atmosphäre und besserer Story auf.

Eine ähnliche Geschichte hat man sicherlich schon öfter als nötig gehört: Zwei Teenager-Mädchen - in diesem Fall auch noch ein Zwillingspaar - verirren sich bei einem Waldspaziergang, entdecken irgendwann ein zunächst verlassen wirkendes Dorf und durchstreifen dessen dunkle Gassen. Natürlich hat das Dorf ein düsteres Geheimnis, natürlich geraten die beiden Mädchen schon bald in Gefahr, und natürlich kommt man hier auch nur dann lebend wieder raus, wenn alle Rätsel gelöst und die Einwohner von einem bösen Fluch befreit wurden - so weit, so bekannt.

Screenshot #1
Screenshot #1
Ungewöhnlich ist allerdings, wie die jungen Damen sich der schon bald auf sie lauernden Gespenster, Zombies und Skelette erwehren. Denn schon kurz nachdem man das Dörfchen betreten hat, findet man die bereits aus dem ersten Teil bekannte Kamera - und fortan ist man bemüht, die böse Brut vor die Linse zu bekommen und ihnen so den Garaus zu machen. Das Fotografieren funktioniert dabei recht simpel: Per Knopfdruck gelangt man in die Ego-Perspektive, aus der heraus man die bedrohlichen Gestalten anvisieren kann. Dann gilt es, möglichst dicht an die Geister heranzukommen und so lange wie nötig auf sie zu fokussierenn - natürlich ohne dabei von ihnen erwischt zu werden.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Kamera verfügt über einen Standardfilm, der praktisch unbegrenzt Fotos erlaubt und so auch für Schnappschüsse von Erinnerungsstücken oder Hinweisen geeignet ist. Zudem findet man allerdings im Spielverlauf auch bessere Filmrollen und andere Kamera-Upgrades - so kann den Spukgestalten, die einem vor die Linsen laufen, schneller oder auch über größere Entfernungen hinweg der Rest Lebensgeist ausgesaugt werden. Vereinfacht wird das Ganze dadurch, dass die Geister nicht unbedingt über eine ausgeprägte KI verfügen - meist folgen sie stur vorgegebenen Wegpfaden, so dass eine kurze Beobachtung ausreicht, um ihnen nicht in die Arme zu laufen.

Screenshot #3
Screenshot #3
Im Spiel steuert man fast die ganze Zeit das Mädchen Mio, während ihre Schwester Mayu brav hinterhertrottet. Das nervt von Zeit zu Zeit, da man öfter auf das Geschwisterchen warten muss. Andererseits tut sich Mayu aber auch immer wieder durch hilfreiche Tipps hervor, indem sie etwa an bestimmten Stellen stehen bleibt und so auf das Vorhandensein wichtiger Gegenstände oder Geheimgänge hinweist. Ohnehin wartet Project Zero 2 mit einigen Rätseln auf, die allerdings allesamt recht einfach zu lösen sind - mal müssen Schlüssel gefunden werden, ein anderes Mal darf an einem recht simpeln Verschiebe-Puzzle geknobelt werden.

Eigentliches Highlight von Project Zero 2 ist sicherlich die hervorragende Atmosphäre, die beständig für ein angenehmes Kribbeln sorgt. Auch wenn nicht alle Schauplätze unbedingt mit großartig gestalteten Grafiken aufwarten, sorgen nette Licht- und Schatteneffekte, die stimmungsvolle Sprachausgabe, hervorragende Zwischensequenzen und die mit vielen Überraschungen gespickte Story doch für ein Gruselvergnügen der nicht alltäglichen Art. Hat man den Titel das erste Mal erfolgreich beendet, schaltet man übrigens noch höhere Schwierigkeitsgrade frei, so dass durchaus ein Anreiz zum nochmaligen Durchspielen besteht.

Project Zero 2 ist - zunächst exklusiv für PlayStation 2 - bereits im Handel erhältlich. Die USK-Freigabe liegt bei 16 Jahren.

Fazit:
Schöner, spannender, atmosphärischer - Project Zero 2 weiß noch einmal deutlich besser zu gefallen als der ohnehin schon gelungene Vorgänger. An das ungewöhnliche Spielkonzept muss man sich sicherlich erst gewöhnen, wer düstere und spannende Grusel-Thriller mag und auch die Inszenierung japanischer Survival-Horror-Streifen schätzt, dürfte aber begeistert sein - wenn auch der niedrige Schwierigkeitsgrad eher Einsteigern zugute kommt und die Spielzeit mit etwa zehn Stunden etwas knapp bemessen ist.  (tw)


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