Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0405/31078.html    Veröffentlicht: 03.05.2004 09:46    Kurz-URL: https://glm.io/31078

Sasser: Automatische Wurm-Verbreitung per Sicherheitsloch

Bereits drei Varianten von Sasser im Umlauf; starke Verbreitung der Würmer

Die Hersteller von Antiviren-Software warnen vor dem Internet-Wurm Sasser, der eine im April 2004 bekannt gewordene Sicherheitslücke in Windows 2000, XP und Server 2003 für eine sehr starke Verbreitung ausnutzt. Wurde dieses Sicherheitsleck nicht geschlossen und wird auch keine Firewall verwendet, befällt der Wurm automatisch fremde Systeme, um sich von diesen weiter zu verbreiten. Kurz nachdem Sasser.A auftauchte, erschienen bereits zwei weitere Ableger des Unholds.

Der Sasser-Wurm macht sich eine Sicherheitslücke im Windows-Dienst LSASS zu Nutze, worüber ein Angreifer beliebigen Programmcode auf einem fremden Rechner ausführen kann. Findet der Sasser-Wurm ein geeignetes System, befällt er dieses, lädt eine Datei per ftp aus dem Internet und kopiert sich als avserve.exe oder avserve2.exe in das Windows-System-Verzeichnis, ohne dass der Nutzer dafür irgendetwas tun muss. Nachdem das System befallen ist, führt der Wurm einen Neustart des Betriebssystems aus und gibt vorher eine Fehlermeldung aus.

Von einem derart befallenen System versendet sich der Schädling an weitere Systeme, indem er auf 128 Verbindungen über zufällig gewählte IP-Adressen über den TCP-Port 445 nach verwundbaren Systemen sucht. Zudem öffnet der Wurm den TCP-Port 5554 und lässt darüber einen FTP-Server laufen, um darüber die Wurm-Datei per FTP auf nicht befallene Systeme zu übertragen. Da der Wurm 128 aktive Verbindungen aufbaut, kostet dies viel Rechenkraft und kann ein System nahezu unbedienbar machen.

Die Sicherheitslücke in Windows 2000, XP und Server 2003 wurde von Microsoft erst Mitte April 2004 geschlossen. Der mit dem Security Bulletin MS04-011 bereitgestellte Patch sollte unverzüglich installiert werden, sollte dies noch nicht geschehen sein. Alternativ kann auch die Windows-Update-Funktion des Betriebssystems zur Einspielung des Patches genutzt werden. Die kurze Zeitspanne zwischen Bekanntwerden der Sicherheitslücken respektive Bereitstellung des Patches und dem Erscheinen des Wurm-Codes sowie die Art der automatisierten Verbreitung erinnert an den Blaster-Wurm, der im Sommer 2003 im Internet wütete.

Bislang wurde der Sasser-Wurm in den Varianten A, B und C entdeckt, wovon sich die B-Variante besonders stark verbreitet haben soll. Sasser.C ist der jüngste Spross und konnte bisher keine sonderlich starke Verbreitung vorweisen.

Microsoft gab bekannt, dass das Unternehmen unter anderem mit Herstellern von Antiviren-Lösungen zusammenarbeiten will, um Kunden bei der Wurm-Bekämpfung zu helfen. Außerdem kooperiert Redmond mit Strafverfolgern, um den Verursacher dingfest zu machen. Microsoft hat zudem ein Tool zur Entfernung des Sasser-Wurms veröffentlicht, das kostenlos per Download angeboten wird.  (ip)


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Links zum Artikel:
Microsoft: http://www.microsoft.de
Microsoft (.com): http://www.microsoft.com
Microsoft - Sasser-Removal-Tool (.com): http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyID=76c6de7e-1b6b-4fc3-90d4-9fa42d14cc17&DisplayLang=en
Microsoft Security Bulletin MS04-011: http://www.microsoft.com/germany/ms/technetservicedesk/bulletin/bulletinms04-011.htm

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