Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0403/30500.html    Veröffentlicht: 24.03.2004 14:46    Kurz-URL: https://glm.io/30500

Microsoft zur EU: Noch ist nichts entschieden

EU-Entscheidung schade Kunden und Entwicklern

Microsoft hat die Entscheidung der EU im Missbrauchsverfahren gegen den Software-Konzern hart kritisiert und will diese nicht hinnehmen. Die Entscheidung der Kommission schade Konsumenten und Entwicklern.

Microsoft-Justiziar Brad Smith kündigte an, dass sich Microsoft per Gericht gegen die Entscheidung der EU zur Wehr setzen werde. Man werde eine Aussetzung zumindest eines Teils der von der Kommission geforderten Auflagen beantragen. Dies gelte insbesondere für die Forderung der EU, dass Microsoft eine Windows-Version ohne Media-Player anbieten sowie Schnittstellen veröffentlichen muss.

Die EU beschneide die Urheberrechte von Microsoft und greife auch die Markenrechte des Unternehmens an, schließlich stehe Windows als Marke für ein "State of the Art"-Betriebssystem, was es ohne Media-Player nicht mehr wäre.

Die Entscheidung der EU, Windows-Versionen ohne Media-Player zu fordern, sei zudem nicht im Sinne von Kunden und Entwicklern, da einem Windows ohne Media-Player auch mit installiertem Real-Player rund 20 Funktionen fehlen würden. Zudem würden diverse Applikationen von Drittherstellern den Media-Player-Code in Microsoft einbinden.

Microsoft selbst hatte in Verhandlungen mit der EU angeboten, Windows zusammen mit drei weiteren Media-Playern von Konkurrenten auszuliefern. Dies hätte die Wahlmöglichkeiten der Konsumenten erhöht statt den Wert von Windows zu beschneiden. Auch führe die Forderung der EU auf Seiten der Kunden zu Verwirrung, müsse doch nur für Europa eine beschnittene Version von Windows angeboten werden.

Man müsse zwar zunächst die Entscheidung der EU genau prüfen, werde aber mit großer Wahrscheinlichkeit eine Aussetzung der geforderten Maßnahmen bei Gericht beantragen. Das Verfahren werde sich so noch vier bis fünf Jahre hinziehen, so Smith. Wäre die EU auf die Vorschläge Microsofts eingegangen, hätte man diese umgehend umsetzen können.

In Bezug auf die geforderte Offenlegung von Schnittstelleninformationen sieht Smith zudem eine Verletzung internationaler Abkommen der EU, da die Kommission in die Urheberrechte von Microsoft in einer Form eingreife, die auch über Europa hinaus Auswirkungen hätte.  (ji)


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Links zum Artikel:
Europäische Kommission: http://europa.eu.int/comm/index_de.htm
Microsoft (.com): http://www.microsoft.com

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