Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0403/30264.html    Veröffentlicht: 17.03.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/30264

Spieletest: The Westerner - Nächstes Adventure-Highlight

PC-Abenteuer der spanischen Entwickler Revistronic

Der Hamburger Publisher dtp tut derzeit alles, um in den Herzen von Adventure-Freunden einen Sonderplatz eingeräumt zu bekommen - nach Runaway und Tony Tough wird mit The Westerner in Zusammenarbeit mit Crimson Cow schon das nächste klassische Point&Click-Adventure veröffentlicht. Die Besonderheit: Das Spiel ist zwar komplett in 3D gehalten - auf eine hakelige Tastatursteuerung wie in Monkey Island 4 muss man aber dennoch nicht zurückgreifen.

Im Zentrum des Spiels steht Fenimore Fillmore, ein mutiger und teilweise etwas ungeschickter Cowboy, der vor allem äußerlich stark an den Pixar-Helden Woody aus Toy Story erinnert. Als Fillmore eines Tages beobachtet, wie harmlose Farmer von einem Banditen und seinen Schergen tyrannisiert werden, entschließt er sich, ihnen zu Hilfe zu kommen - und herauszufinden, warum in dem kleinen Westernstädtchen, in dem all dies geschieht, offensichtlich ein einziger Mann ganz allein das Sagen hat.

Screenshot #1
Screenshot #1
The Westerner bietet prinzipiell typische Adventure-Kost, wobei sich die spanischen Entwickler von Revistronic von vielen früheren Adventure-Hits haben beeinflussen lassen. Man sucht diverse Orte im Städtchen wie Farmen, Saloons, die Bank oder das Büro des Sheriffs auf und klaubt zahlreiche Gegenstände auf, die dann später an anderer Stelle wieder eingesammelt werden müssen. Zudem führt man oftmals recht witzige Multiple-Choice-Gespräche, um mehr über die mysteriösen Geschehnisse herauszufinden. Die meisten kleineren Rätsel sind Teile größerer Aufgaben wie etwa die Sprengung einer Brücke oder der Überfall einer Bank, deren Lösung man so Schritt für Schritt näher kommt.

Screenshot #2
Screenshot #2
Auch wenn die Stadt und die diversen Orte eher klein und übersichtlich sind - schon nach kurzer Zeit hat man die meisten Orte, an denen sich das komplette Geschehen abspielt, zu Gesicht bekommen - legt man die Wege zwischen den Orten nicht zu Fuß, sondern mit dem eigenen Pferd zurück. Ein simples Klicken auf der Karte reicht zum Erreichen des gewünschten Zielortes, der eigene Klepper will aber für jede Strecke mit Mohrrüben gefüttert werden - eine zu Beginn vielleicht noch witzige, auf Dauer aber immens nervtötende Angelegenheit. Denn hat man gerade keine Möhren mehr in der Tasche, muss man erst ein Feld ausfindig machen, dieses dann gießen und einen Moment warten, bis neues Gemüse aus dem Boden sprießt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Recht witzig sind die gelegentlichen Trink-Duelle, die man sich mit anderen Western-Helden liefert - und die recht offensichtlich an die Fechtwettkämpfe aus Monkey Island erinnern. Auch hier siegt die frechste Zunge: Man bekommt von seinem Kontrahenten einen fiesen Spruch an den Kopf geworfen und muss aus einer vorgegebenen Liste mit einem mindestens ebenso gemeinen und sich darauf reimenden Satz antworten. Für weitere Abwechslung sorgen gelegentliche Mini-Games wie eine Art Moorhun-Klon - allesamt nichts Besonderes, aber zwischendrin immer wieder eine nette Auflockerung.

Screenshot #4
Screenshot #4
Für Adventure-Spieler zunächst ungewohnt ist zweifelsohne die 3D-Optik, die zudem gerade zu Beginn für ein wenig Verwirrung sorgt - beim Durchqueren größerer Räume wechselt öfter mal die Perspektive und sorgt so für einige Orientierungslosigkeit. Trotz 3D behielt man aber die aus der 2D-Welt gewohnte Point&Click-Steuerung bei, was hervorragend funktioniert - sämtliche Aktionen lassen sich also bequem mit der Maus steuern. Der Mauszeiger ändert dabei sofort seine Form, sobald ein Objekt zum Aufnehmen oder Benutzen geeignet ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Adventures sorgt der "Betrachte"-Befehl allerdings hier nicht für einen Kommentar oder eine nähere Beschreibung seitens Fenimore Fillmore - stattdessen bekommt man immer nur eine Großansicht des betreffenden Objekts geboten.

Screenshot #5
Screenshot #5
Trotz einiger Clipping-Fehler wirkt die Präsentation insgesamt wie aus einem Guss, die Sprünge zwischen den schönen Zwischensequenzen und der Spielgrafik sind oft kaum wahrzunehmen. Auch die komplett deutsche Sprachausgabe überzeugt durch sehr gute und passende Stimmen, die Western-Musik ist passend und nervt auch nach längerer Spieldauer nicht.

The Westerner ist ab sofort für PC im Handel erhältlich. Der Preis liegt bei etwa 40,- Euro. Genre-Fans sei übrigens noch gesagt, dass es sich bei The Westerner prinzipiell um eine Fortsetzung des Klassikers "3 Skulls of the Toltecs" handelt, der als Bonus der Vollversion von The Westerner beigelegt wird.

Fazit:
Sicher, The Westerner hat ein paar Macken: Die Western-Stadt ist recht klein, das beständige Füttern des eigenen Kleppers nervt schon bald und die Wechsel der 3D-Perspektiven sorgen stellenweise für etwas Verwirrung. Im Gegenzug bekommt man hier allerdings eine sehr liebevoll präsentierte Geschichte mit logischen Rätseln, viel Humor und beständiger spielerischer Abwechslung geboten - wer Adventures liebt, kann und sollte zugreifen.  (tw)


Verwandte Artikel:
Neue Screenshots zum Point&Click-Adventure "The Westerner"   
(13.10.2003, https://glm.io/27885 )
The Beast Inside: Photogrammetrie plus Horror   
(01.03.2018, https://glm.io/133087 )
Deponia: Daedalic Entertainment eröffnet Niederlassung in München   
(14.02.2018, https://glm.io/132778 )
'Sam & Max'-Erfinder wütend über Lucas Arts   
(08.03.2004, https://glm.io/30120 )
Aus für Kult-Adventure: Sam & Max 2 wird eingestellt (Upd.)   
(04.03.2004, https://glm.io/30082 )

Links zum Artikel:
dtp digital tainment pool GmbH: http://www.dtp-ag.com/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/