Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0402/29702.html    Veröffentlicht: 12.02.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/29702

IMHO: Spieler wollen keine kreativen Spiele

Wer experimentiert, wird bestraft

Befragt man PC- und Konsolenspieler, was sie am derzeit erhältlichen Programmangebot bemängeln, bekommt man oft die gleichen Antworten zu hören: "Es gibt keine kreativen Spiel-Ideen mehr" oder "Die Firmen produzieren nur noch einfallslose 3D-Shooter und Echtzeitstrategiespiele" sind zwei der am häufigsten genannten Kritikpunkte. Offensichtlich haben die Firmen, die Videospiele veröffentlichen, aber auch guten Grund für diese Release-Politik: Versuchen sie sich nämlich an etwas Neuem, werden sie regelmäßig dafür bestraft - und zwar fast immer von den Spielern selbst.

XIII
XIII
Derzeit bestes - aber längst nicht einziges - Beispiel ist Ubi Soft: Bei der Vorlage der aktuellen Geschäftszahlen musste der Publisher einräumen, dass die im Weihnachtsgeschäft erzielten Umsätze deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Schuld daran waren allerdings keine verheerenden Testergebnisse oder die schlechte Produktqualität aktueller Titel. Im Gegenteil: Spiele wie der ungewöhnliche Comic-Shooter XIII, der mit seiner Cel-Shading-Technologie für frischen Wind im Action-Genre sorgte, oder das immens abwechslungsreiche Beyond Good & Evil wussten mit Einfallsreichtum zu begeistern und bekamen reihenweise Awards und Auszeichnungen. Gekauft wurden sie deshalb aber noch lange nicht.

Beyond Good & Evil
Beyond Good & Evil
Ganz im Gegenteil: Beyond Good & Evil wird schon wenige Wochen nach Veröffentlichung zum Mid-Price verramscht und ist weit davon entfernt, die Entwicklungskosten wieder einzuspielen. Ubi Soft will infolgedessen nach eigenen Angaben zwar weiterhin auch spielerische Experimente wagen, aber im besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft doch lieber auf bekannte Marken wie Splinter Cell oder Prince of Persia setzen.

Viewtiful Joe
Viewtiful Joe
Ähnliches durfte auch Capcom mit seinem GameCube-Titel Viewtiful Joe erleben: Das ungewöhnliche Superhelden-Beat'em Up avancierte schnell zum Kritikerliebling und gehört zu den Spiel-Highlights 2003 unter all jenen, die es sich zugelegt haben - nur waren das kaum mehr als eine Hand voll Käufer in Europa. Die Verkaufshits waren im Gegenzug entweder Fortsetzungen bekannter Reihen wie etwa der neue Need-For-Speed-Teil oder große Lizenzspiele wie Herr der Ringe - zweifellos keine schlechten Titel, sicherlich aber auch alles andere als innovative Programme. Ein Publisher wie Electronic Arts, der hauptsächlich auf solche Spiele setzt, konnte im Weihnachtsgeschäft einmal mehr satte Gewinne einfahren.

Zukünftig wird man wohl immer mehr dieser vermeintlich sicheren Verkaufshits in den Läden sehen, gewagte Experimente hingegen werden immer seltener werden, da für die Publisher das Finanzierungsrisiko schlicht und ergreifend zu groß ist. Nur soll hinterher keiner behaupten, die Spielefirmen seien alleine schuld an der Misere - Programme, die kaum jemand kauft, können auf Dauer eben nicht produziert werden.  (tw)


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