Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0402/29632.html    Veröffentlicht: 06.02.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/29632

Spieletest: Legacy of Kain Defiance - Düstere Vampir-Action

Spiel erscheint für Xbox, PlayStation 2 und PC

Kain und Raziel genießen unter Fans von Action-Spielen einen recht guten Ruf - schließlich konnten die beiden Helden aus der Legacy-of-Kain-Reihe in der Vergangenheit immer wieder mit faszinierendem Gameplay und ansehnlicher Grafik aufwarten. In Legacy of Kain - Defiance darf man nun erstmals beide Charaktere steuern.

Abwechselnd tritt man mit Vampir Kain und dem Dämon Raziel an, nach jedem absolvierten Level wechselt die Perspektive. Schließlich soll im Spielverlauf das Schicksal der beiden geklärt werden - und wieweit ihre Geschichten miteinander verbunden sind. Interessant dürfte das vor allem für Fans der Reihe sein, die alle vorherigen Teile gespielt haben - schließlich werden hier viele in der Vergangenheit angeschnittene Handlungsfäden aufgelöst. Für Neulinge hingegen werden die zahlreichen Zwischensequenzen immer mehr neue Fragen aufwerfen; die Hintergrundgeschichte gehört eben nicht nur zu den einfallsreichsten im Videospielgenre, sondern auch zu den kompliziertesten.

Screenshot #1
Screenshot #1
Obwohl Kain und Raziel von ihrer Art her komplett unterschiedliche Charaktere sind, steuern sie sich prinzipiell identisch - der große Unterschied, dass Kain seinen Gegnern das Blut aussaugt und Raziel die Seelen der Kontrahenten benötigt, um zu überleben, macht sich kaum bemerkbar. Schließlich muss sowohl zum Blutsaugen als auch zum Seelen fangen die gleiche Taste gedrückt werden, und kümmert man sich zu lange nicht um das auf diese Weise erfolgende Auffrischen der eigenen Energie, hauchen die ja eigentlich unsterblichen Kreaturen gleichermaßen ihr Leben aus.

Screenshot #2
Screenshot #2
Den zahlreichen Angreifern rückt man meist mit dem eigenen Schwert - dem Reaver - zuleibe, gleichzeitig sind aber auch Fernangriffe per Telekinese möglich: Per magischer Kraft hebt man Gegner hoch und lässt sie durch die Luft fliegen. Die nett anzuschauenden Combos können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kampfsystem sehr rudimentär gestaltet wurde - einfaches Knöpfe-Drücken reicht fast immer, um die Angreifer niederzustrecken, besonders taktisches Vorgehen ist im Gefecht nicht gefragt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Der Schwerpunkt liegt einmal mehr auf den Rätseln, und die sind im Schwierigkeitsgrad äußerst unterschiedlich: Mal muss eine bröckelige Stelle in der Mauer gefunden werden, ein anderes Mal reicht es, Schalter umzulegen oder Kisten zu verschieben. Zudem muss man als Raziel oft von der Möglichkeit Gebrauch machen, von der realen Welt in eine Parallel-Ansicht zu wechseln, in der alles mysteriös verschwimmt - Säulen, die eben noch weit voneinander entfernt standen, sind dann plötzlich dicht genug beieinander, um mit ein paar beherzten Sprüngen passiert zu werden. Kain und Raziel sind beim Erklimmen von Palästen oder Höhlen dabei gewohnt wendig und können nicht nur einfach springen oder klettern, sondern sich zum Beispiel auch für einen Moment in der Luft halten und so zu optisch recht schönen Bewegungsmanövern ansetzen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Optisch ist Legacy of Kain: Defiance auf der PlayStation 2 ein absoluter Genuss: Hochauflösende Texturen, zahlreiche Details und sehr stimmungsvolle Szenarien lassen die Vampir- und Damönen-Welt immens lebendig erscheinen. Auch die deutsche Sprachausgabe begeistert und begleitet die zahlreichen Zwischensequenzen grandios. Prinzipiell könnte also alles perfekt sein - wenn die unglaublich schlechte Kamera nicht vieles zunichte machen würde.

Screenshot #5
Screenshot #5
Offensichtlich wollte man den cineastischen Effekt des Spiels vergrößern und wählte daher eine fixe, auf den Helden ausgerichtete Kameraposition. Die Folge davon ist allerdings, dass man beständig ungünstig steht - Sprünge werden zur absoluten Glückssache und Feinden läuft man immer mal wieder in die Arme, da man sie nicht sieht. Da man die Kamera kaum nachjustieren kann, stirbt man so zahlreiche unnötige Tode. Auch die Übersichtlichkeit leidet, da man auf keinen Kompass zurückgreifen kann und so oft in den weitläufigen Arealen herumirrt. Glücklicherweise gibt es zumindest zahlreiche Speicherpunkte, so dass man nach einem der oft nicht selbst verschuldeten Ableben keine allzu großen Strecken des Spiels wiederholen muss.

Legacy of Kain: Defiance ist ab sofort im Handel erhältlich. Neben der uns vorliegenden und hier getesteten PS2-Version ist das Spiel auch für Xbox und PC verfügbar.

Fazit:
Grandiose Präsentation und eine ungemein dichte Atmosphäre - das neue Legacy of Kain hätte das ultimative Action-Adventure für Freunde düsterer Vampir-Szenarien werden können. Leider sorgt die miserable Kamera für viel Frust, und die verworrene Geschichte wird wohl auch nur Kennern der Serie wirklich Freude bereiten. Ein sehr gutes Spiel bleibt Defiance allemal - nur leider mit dem negativen Beigeschmack, dass hier durchaus noch mehr drin gewesen wäre.  (tw)


Verwandte Artikel:
Spieletest: "Soul Reaver 2" - Seelensauger mit Schwächen   
(17.12.2001, https://glm.io/17474 )
Vampire: Bloodlines kommt mit Half-Life-2-Engine   
(07.05.2003, https://glm.io/25370 )
Monster Hunter World im Test: Das Viecher-Fleisch ist jetzt gut durch   
(26.01.2018, https://glm.io/132389 )
Spieletest: Condemned 2 - mehr Gewalt, mehr Grusel   
(07.04.2008, https://glm.io/58817 )
True Crime: Streets of L.A. - Spiel kommt für PC   
(30.01.2004, https://glm.io/29533 )

Links zum Artikel:
Eidos Interactive: http://www.eidos.de

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/