Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0401/29217.html    Veröffentlicht: 12.01.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/29217

Spieletest: Trainz - Railroad Simulator 2004

Zugsimulation für Enthusiasten

Mit dem dritten Sprössling der Trainz-Reihe - Trainz Railroad Simulator 2004 - geben Pointsoft und die australischen Entwickler Auran dem Spieler ein Werkzeug mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten an die Hand. Der Spieler kann mit Trainz 2004 seine eigene Welt rund um die Eisenbahn detailliert entwerfen, konstruieren und anschließend befahren. Als direkter Konkurrent zu Microsofts Train Simulator hat Trainz 2004 es allerdings nicht leicht.

Als Lokführer steuert der Spieler mehr als 50 authentische Lokomotiven und sorgt dafür, dass Industrien mit Rohstoffen beliefert werden und Fahrgäste pünktlich ihr Ziel erreichen. Fünf Tutorials führen den Spieler in die grundlegenden Funktionen des Spiels ein. Neben der vereinfachten Steuerung aus der Vogelperspektive lernt er so auch das dreidimensionale Führerhaus einer E-Lok oder einer Dampflok mit all seinen Schaltern und Hebeln von innen kennen.

Screenshot #1
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In weiteren sieben freien Spielen und acht Szenarien auf unterschiedlichsten Strecken kann der Spieler sein Geschick beweisen, indem er darauf achtet, dass Fahrpläne eingehalten werden und der Zugverkehr reibungslos vonstatten geht. Die realistische Fahrphysik und schlechtes Wetter sorgen unter Umständen dafür, dass nicht alles auf Anhieb nach Plan läuft. Als Fahrdienstleiter kann der Spieler auch Pläne für mehrere Fahrer erstellen, die dann selbstständig rangieren und voll beladene Güterzüge durch bergiges Gelände führen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Funktionen des Railroad Simulator 2004 sind so vielfältig, dass die Einführungsmissionen nicht alles abdecken können und ein Blick ins Handbuch ratsam ist. Leider liegt keines der insgesamt sechs Handbücher in gedruckter Form vor.

Screenshot #3
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Herzstück von Trainz Railroad Simulator 2004 ist der intuitive 3D-Editor, mit dem der Spieler eigene Strecken samt dynamischer Umgebung erstellen kann. In der theoretisch unendlichen großen Spielwelt kreiert der Spieler eigene Landschaften oder formt sie nach realistischem Vorbild. Zu diesem Zweck können Graustufenbilder als Höhenbitmap geladen werden.

Screenshot #4
Screenshot #4
Im Gegensatz zu Microsofts Train Simulator geht das Verlegen der Schienen samt Brücken, Signalen, Dreiwegeweichen und Tunneln recht leicht von der Hand und selbst Einsteiger erzielen nach kurzer Zeit brauchbare Ergebnisse. Trotzdem nimmt eine realistisch anmutende Strecke von nur wenigen Kilometern einige Stunden wenn nicht sogar Tage in Anspruch. Scripte steuern die Interaktion in der Spielwelt und beleben Städte, Bahnhöfe und Fabriken.

Screenshot #5
Screenshot #5
Von den zahlreichen Loks und Wagons stammen nur vier Frachtwagons und zwei der im Fuhrpark vorhandenen Loks aus Deutschland: die 218 und die V200 jeweils in Blau und Rot. Der ICE oder andere europäische Hochgeschwindigkeitszüge fehlen und die mitgelieferten Strecken wären auch nicht weitläufig genug, um dort länger mit 300 km/h zu fahren. Sämtliche Objekte kann der Spieler mit der kostenlosen Software GMax von Discreet selbst erstellen. Auran bietet dazu das so genannte ContentCreation Kit und ein passendes PDF-Handbuch an. Zudem können Objekte aus Microsofts Train Simulator übernommen werden.

Screenshot #6
Screenshot #6
Hier zeigt sich, dass ein solches Spiel von der Community lebt. Ein klarer Vorteil des drei Jahre alten Train Simulators, während die Welt in Trainz 2004 erst noch entsteht. Ein integrierter Download Assistent erleichtert das Herunterladen und die Installation von Erweiterungen anderer Spieler.

Screenshot #7
Screenshot #7
Optisch geben die Züge zumindest von außen eine gute Figur ab, doch die Fahrerstände sind leider etwas dürftig gestaltet. Landschaftlich kann Trainz Railroad Simulator 2004 überzeugen, auch wenn nicht jedes Detail animiert ist. Die schönen Wettereffekte wie Nebel, Regen und Schnee sowie Tag- und Nachtwechsel lassen über die gelegentlich eintönigen Texturen hinwegsehen. Ziemlich eintönig geht es auch im Klangbereich zu, denn Musik und Sprachausgabe gibt es keine. Die Fahrgeräusche sind nicht sehr abwechslungsreich und viele der Züge geben das gleiche Signal von sich. Zum Glück hat der Spieler auch hier freie Hand beim Import eigener Sounds.

Die minimale Systemvoraussetzung ist ein Pentium 3 ab 733 MHz, 256 MByte Arbeitsspeicher und DirectX-9-Grafikkarte mit 32 MByte. Das Spiel läuft unter Windows 98/Me/2000/XP. Auran bietet auf der Website bereits das erste ServicePack zum Download an, das hauptsächlich die Dampfphysik und -effekte verbessert.

Fazit:
Trainz Railroad Simulator 2004 ist ein gelungener Mix aus realistischer Zugsimulation und Modellbau. Es ist nicht direkt als fertiges Spiel zu verstehen, sondern vielmehr als Plattform für Bahnfans, die Züge, Strecken und Szenarien selbst erstellen möchten.

Gegenüber Microsofts Train Simulator kann es sich durchaus sehen lassen, nur hat der Train Simulator auf Grund des zeitlichen Vorsprungs ein breiteres Angebot an Strecken und Objekten. Spieler, die lieber konsumieren und einfach nur ein paar Kilometer fahren wollen, sind mit Microsofts Train Simulator besser bedient. [Von Alexander Vock]  (tw)


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Links zum Artikel:
Trainz 2004 (.com): http://www.auran.com/TRS2004/languages/de/default.php

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