Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0401/29048.html    Veröffentlicht: 01.01.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/29048

Spieletest: Against Rome - Strategie in der Antike

Hunnen, Römer und Germanen hauen sich die Köpfe ein

JoWooD erlaubt im Strategiespiel Against Rome die Steuerung von Heeren der Germanen, Kelten und Hunnen aus der Vogelflugperspektive gegen Rom. Um die Steuerung des sowohl als Aufbaustrategiespiel als auch als reine Schlachtsimulation nutzbaren Spiels zu lernen, gibt es vier Lehrstücke.

Das Spiel ist in 25 Missionen unterteilt und kann zudem eine Reihe historischer Schlachten nachahmen. In der nicht linear aufgebauten Kampagne personifiziert man einen Germanenführer, einen Keltenhäuptling oder befehligt die Hunnen.

Besonders differenziert sind die drei (bzw. im Multiplayer- und Schlachten-Modus vier) kriegsführenden Parteien nicht - immer wieder findet man Einheiten, die besonders für den Nahkampf geeignet sind und andere, die beispielsweise mit Speeren und Pfeilen aus größerer Entfernung eingesetzt werden können. Nach einiger Zeit bekommt man heraus, welche Einheiten besonders wirksam und verlustarm gegen den Gegner eingesetzt werden können.

Screenshot #1
Screenshot #1
Das Spielprinzip unterscheidet sich kaum von den typischen Genrevertretern: Zuerst muss man sich eine produktive Siedlung aufbauen, Armeen ausbilden, dem Feind trotzen und in eine Entscheidungsschlacht verwickeln, während man seine Infrastruktur schwächt.

Die Gruppierung und Auswahl von zusammengefassten Truppenteilen erfolgt per Tastaturkürzeln und der Maus. Es empfielt sich wie bei den allermeisten Spielen dieser Art, die Einheiten schon vor dem Kampf sinnvoll zu gruppieren, um beispielsweise im Verteidigungsfall schnell reagieren zu können.

Screenshot #2
Screenshot #2
Um die militärische Überlegenheit der Römer etwas zu mindern, wurden den benachteiligten Völkern allerlei Spezialfähigkeiten mitgegeben. Die dazugehörigen Priester, Schamanen sowie Druiden sind deshalb besonders wichtig und das Haushalten mit den Magiepunkten überlebenswichtig.

Screenshot #3
Screenshot #3
Konnte dem Gegner erfolgreich Schäden zugefügt werden, gibt es zur Belohnung Erfahrungspunkte, mit denen der Kommandoradius erweitert wird. Mannschaften, die sich innerhalb dieser Fläche befinden, sind agressiver, haben höhere Überlebenschancen und erzielen größere Schäden beim Gegner. Deshalb ist es sinnvoll, den eigenen Feldherren nahe der Front zu platzieren, was allerdings Risiken birgt.

Zudem gibt es Technologiestufen, mit denen eine Aufwertung bestimmter Gebäudetypen und -Eigenschaften erzielt werden kann und die ebenfalls über ein Punktesystem organisiert werden - einen Rohstoff- und Produktionskreislauf gibt es hingegen nicht. Die Zivilisten in den Dörfern können zu den Waffen gerufen werden, so dass relativ flexibel auf Angriffe reagiert werden kann.

Screenshot #4
Screenshot #4
Besonders innovativ ist der 2D-/3D-Grafik-Mix des Spiels nicht - die Landschaft, die Wettereffekte und die Vegetation sehen zwar prächtig aus, die Einheiten in ihrer zweidimensionalen Tristesse machen hingegen den ansonsten guten optischen Eindruck mit leidlicher Animation schon fast zunichte. Dazu kommt, dass man bei großen Schlachten schnell den Überblick verliert und eine Zoomfunktion vermisst. Die Übersichtskarte kann allerdings bei der ungefähren Positionsbestimmung einzelner versprengter Haufen recht gut helfen.

Die Geräuschkulisse sowie die gesprochenen Texte und Zwischenrufe sind qualitativ gediegen und vermitteln ein wenig Atmosphäre. Die nicht gerade durch Vielfalt glänzenden Bestätigungsmeldungen der Einheiten nerven jedoch nach kurzer Zeit. Ein Griff zum Tonregler beseitigt diesen Kritikpunkt. Auch die Untermalung mit theatralischer Gladiatorenfilmmusik ist Geschmackssache.

Screenshot #5
Screenshot #5
Besonders überzeugen können auch die Hand voll, als historisch angepriesenen Schlachten nicht - meist geht es so aus, dass gerade einmal ein paar Einheiten mehr lebend aus der Schlacht herausführt werden als beim Gegner. Die wirkungsvollste Taktik ist hier das Umgehen des Gegners mit anschließendem Einsatz von Fernwaffen gegen die Flanken.

Screenshot #6
Screenshot #6
Die Nutzung der Geländetopographie ist ebenfalls sinnvoll: So kann man beispielsweise den Gegner in eine Schlucht oder an den Rand einer Hügelkette locken und dann relativ leicht bekämpfen. Die ansonsten recht agressiv agierende künstliche Intelligenz agiert dabei hilflos, versucht erst gar nicht, der Gefahr zu entgehen und lässt Kohorte für Kohorte aufreiben.

Bei großen Schlachten geht die Selektierung einzelner Einheiten mit der Maus merklich zögerlicher voran - teilweise ist es dann sogar schlicht unmöglich, Individuen auszuwählen. Kämpfe epischer Breite zwingen auch langsamere Rechner spürbar in die Knie - ein PC mit 1,6 GHz und 64 MByte Grafikkarte sollten es schon sein.

Screenshot #7
Screenshot #7
Im Mehrspielermodus können sich bis zu acht menschliche Gegner miteinander messen und die Schwächen der Computerintelligenz vergessen. Nur im Mehrspielermodus können auch die Römer gespielt werden, die in den Einzelspielermissionen, der Kampagne und den Endlosszenarien nur als Gegner vorzufinden sind. Dennoch flaut auch hier der Spaß an Massenschlachten nach den ersten Stunden rasch ab.

Fazit:
Against Rome ist ein recht durchschnittliches, aber solides Spiel ohne hervorhebenswerte frische Ideen. Die Strategiefähigkeiten des Spielers sind, obwohl die Massenschlachten etwas anderes suggerieren, kaum gefragt. Wer einmal begriffen hat, welche Einheiten effektiv gegen welche Gegner eingesetzt werden müssen und eine gut funktionierende und verteidigte eigene Infrastruktur besitzt, muss kaum mehr tun als die Truppen zweckmäßig aufzustellen.  (ad)


Verwandte Artikel:
Into the Breach im Test: Strategiespaß im Quadrat   
(02.03.2018, https://glm.io/133111 )
Spieletest: Frontline Attack - kriegerisches Strategiespiel   
(23.09.2002, https://glm.io/21775 )
Spieletest: Final Fantasy X - Fantasy-Knaller für die PS 2   
(20.06.2002, https://glm.io/20415 )
Spieletest: Sudden Strike II - Fortsetzung mit Schwächen   
(10.06.2002, https://glm.io/20229 )
Spieletest: Stronghold - Strategischer Burgen-Bau   
(16.11.2001, https://glm.io/16985 )

Links zum Artikel:
Against Rome (.com): http://www.against-rome.com/
JoWooD Productions (.com): http://www.jowood.com/

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/