Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0312/28737.html    Veröffentlicht: 01.12.2003 16:43    Kurz-URL: https://glm.io/28737

SPD gegen "Raubkopierer sind Verbrecher"-Kampagne

Virtueller Ortsverein der SPD bezieht kritisch Stellung

Der Virtuelle Ortsverein der SPD (VOV) hat sich entsetzt über eine neue Werbekampagne der Filmwirtschaft gezeigt, in der Raubkopierer als Verbrecher bezeichnet werden. Laut Arne Brand, Pressesprecher des VOV, würde die Filmbranche mit ihrer neuen Kampagne ein "menschenverachtendes Weltbild" vertreten.

Grund für die Entrüstung des VOV: In einem Werbespot der Kampagne werden zwei Inhaftierte gezeigt, die sich sichtlich auf die Vergewaltigung neu eingelieferter Raubkopierer freuen. Dies wird im Film ausdrücklich als "hart aber gerecht" bezeichnet. Die in Artikel 1 des Grundgesetzes niedergelegten Worte "Die Würde des Menschen ist unantastbar" und die körperliche Unversehrtheit nach Artikel 2 würden laut VOV nach Meinung der Filmindustrie somit wohl nicht für Raubkopierer gelten. "Hier wird den Kopierern, ob rechtmäßig oder nicht, ihre menschliche Würde genommen, indem sie zum Freiwild für Verbrecher erklärt werden. Allein schon die Bezeichnung 'Verbrecher' ist in ihrer Pauschalität und juristischen Unhaltbarkeit mehr als erschreckend!", so Brand.

Ein weiterer Kritkpunkt des VOV ist die durch den Film erfolgende Verhöhnung von Vergewaltigungsopfern: "Vergewaltigungsopfer leiden oft noch jahrelang unter den Auswirkungen der schrecklichen Tat. Genauso werden Opfer von Raubüberfällen (gegen Leib und Leben gerichtete Schwerstverbrechen) verhöhnt, indem die Gewalttäter mit denen gleichgestellt werden, die eine nicht legale Kopie anfertigen. Das ist keineswegs humorvoll provokant, sondern empörend!", so Brand weiter.

Motiv der Raubkopiererkampagne
Motiv der Raubkopiererkampagne
Auch würde es die Filmindustrie in ihrer neuen Kampagne nicht allzu genau mit den rechtlichen Grundlagen nehmen. So ist auf der Homepage der Werbekampagne zu finden, dass der Käufer einer DVD "nicht das Recht erwirbt, Dritten den Inhalt zugänglich zu machen". Brand hierzu: "Kann der Eigentümer einer DVD diese nur dann gucken, wenn sichergestellt ist, dass niemand mitschaut? Muss bei einem DVD-Abend jeder Zuschauer die DVD kaufen, um mitschauen zu dürfen? Die Kampagne macht sich mit so nachlässigen Ausdrucksweise schlicht und ergreifend lächerlich."

"Als Fazit der Kampagne bleibt festzuhalten, dass mit brutalen Methoden Konsumenten verunsichert werden sollen und die Menschenwürde auf der Strecke bleibt", so Brand abschließend.  (tw)


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