Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28657.html    Veröffentlicht: 26.11.2003 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/28657

Spieletest: Ratchet & Clank 2 - Abgedrehte Plattform-Action

Weltraumabenteuer für PS2 geht in die nächste Runde

Bereits im letzten Jahr stürmten der vorlaute Mechaniker Ratchet und sein introvertierter Mini-Roboter Clank die PlayStation 2, rechtzeitig zum anstehenden Weihnachtsgeschäft ist nun Teil 2 des Action-Adventures im Handel - und überzeugt ebenfalls mit einem witzigen und abgedrehten Mix aus Action, Adventure und Jump&Run-Elementen.

Eigentlich wollten es Ratchet und Clank ja ganz ruhig angehen lassen - der Oberbösewicht Drek war schließlich am Ende des ersten Teils besiegt worden, und ansonsten gab es für das Superhelden-Duo erst mal nicht besonders viel zu tun. Kaum haben es sich die beiden allerdings auf dem heimischen Sofa bequem gemacht, werden sie auch schon vom Geschäftsmann Fizzwidget - Chef der riesigen Firma Megacorp - für seine Machenschaften eingespannt. Eine der wichtigsten neuen Erfindungen von Megacorp ist schließlich von einem mysteriösen maskierten Gauner gestohlen worden, und wer könnte besser auf eine Reise zu über 20 Planeten geschickt werden als Ratchet & Clank?

Screenshot #1
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Prinzipiell ist das Gameplay sehr eng am Vorgänger orientiert - man hüpft also wieder über diverse unterschiedliche Eis-, Wüsten- und Lava-Planeten, erklimmt Plattformen in riesigen Laborkomplexen und bahnt sich seinen Weg durch dunkle Höhlen. Neben kleinen Denkaufgaben und kniffligen Geschicklichkeitspassagen stellen sich einem aber wie gewohnt auch unzählige abstruse Gegner in den Weg, so dass man mit Schraubenschlüssel, Plasma-Gewehr oder Bomben beständig auf kleine und große Aliens, Spinnen, Roboter und anderes unfreundliches Getier zielt.

Screenshot #2
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Die Waffen lassen sich dabei aufrüsten, so dass beispielsweise die eigene Kanone im Spielverlauf eine deutlich größere Durchschlagkraft bekommt. Neue Waffen wie Wurfsterne oder auch Munition können dann unter anderem bei den beständig in den Leveln platzierten elektronischen Händlern erworben werden, bezahlt wird dabei wieder mit Muttern und Schrauben, die man durch das Besiegen von Gegnern oder in Kisten versteckt in wahren Massen findet.

Screenshot #3
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Wie schon im Vorgänger ist eine der Besonderheiten auch hier wieder die Masse an Gadgets, die man nach und nach bekommt, um damit diverse Aufgaben zu lösen. So gibt es unter anderem einen Traktor-Strahl, mit dem man etwa Säulen umherschieben und so platzieren kann, dass sie als Treppe zu einer hoch gelegenen Plattform dienen. Der Dynamo ist unter anderem nützlich, um Maschinen anzuschmeißen, die dann ihrerseits neue Plattformen erzeugen. Und mit dem Schwunghaken lassen sich problemlos auch große Abgründe überwinden.

Auf jeder Welt warten meist mehrere Missionen, die nach und nach abgearbeitet werden müssen; trotzdem ist das Spiel nicht vollkommen linear, da man zum Teil auch zu bereits besuchten Planeten zurückmuss und dann dort Aufgaben erfüllt, die beim ersten Besuch auf Grund fehlender Gadgets oder Fähigkeiten noch nicht lösbar waren.

Screenshot #4
Screenshot #4
Bei den Reisen zwischen den Planeten gibt es übrigens auch von Zeit zu Zeit mal außergewöhnliche Vorkommnisse; dann kann man sich nicht damit begnügen, die netten Zwischensequenzen anzusehen, sondern muss sich in bester Wing-Commander-Manier durch Horden gegnerischer Raumschiffe ballern und feindliche Angriffe durch den geschickten Einsatz des Turbos und von Flugrollen abwehren. Auch wenn diese Shooter-Passagen recht simpel sind, lockern sie das ohnehin schon ungemein abwechslungsreiche Gameplay nochmals zusätzlich auf. Ähnliches gilt für die zahlreichen Mini-Spiele wie etwa die spaßigen Hovercraft-Rennen.

Die meiste Zeit steuert man Ratchet aus der Third-Person-Perspektive, von Zeit zu Zeit schlüpft man aber auch mal in die Rolle von Clank und kann so Minibots dirigieren oder gar selbst als Riesenroboter umherwandeln. Die Kamera dreht sich von Zeit zu Zeit etwas ungünstig, kann aber zu jedem Zeitpunkt manuell nachjustiert werden.

War der erste Teil noch relativ simpel, dürfte Ratchet & Clank 2 vor allem im späteren Spielverlauf Einsteigern doch ganz schön zu schaffen machen. Da Ratchet mit der Zeit seine Fähigkeiten und Waffen verbessert und somit mehr Durchschlagskraft besitzt, werden natürlich auch die Gegner immer stärker und raffinierter - ohne überlegten Einsatz der unterschiedlichen Waffen kommt man hier nicht weit. Gespeichert wird zudem immer nur an bestimmten Punkten, die oft weit auseinander liegen - da ist gelegentlicher Frust unausweichlich.

Die Präsentation ähnelt dem ersten Teil - vor allem die witzigen und abgedrehten, zahlreichen Zwischensequenzen überzeugen, aber auch die ungemein abwechslungsreich gestalteten Level, die witzige deutsche Sprachausgabe und die passende Soundkulisse sind gelungen. Trotz teilweise wirklich immens viel Action auf dem Screen bleibt auch die Framerate konstant - ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zum hier nicht immer ganz überzeugenden Vorgänger. Der Umfang gibt ebenfalls keinen Grund zur Klage: Unter 25 Stunden wird man es kaum schaffen, die Endsequenz zu Gesicht zu bekommen.

Fazit:
Auch wenn das grundsätzliche Gameplay im Vergleich zum ersten Teil nicht verändert wurde, ist Ratchet & Clank 2 mehr als nur ein bloßer Aufguss - unzählige neue Waffen, Gadgets, Mini-Spiele und Szenerien lassen das Spiel zu einem der abwechslungsreichsten und spaßigsten Action-Adventure für die PlayStation 2 werden. Zusammen mit dem ähnlich grandiosen und soeben veröffentlichten Jak II ist Ratchet & Clank 2 eines der Spiele, die man sich als Besitzer einer PS2 eigentlich nicht entgehen lassen darf.  (tw)


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