Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28646.html    Veröffentlicht: 25.11.2003 09:19    Kurz-URL: https://glm.io/28646

Fünf Jahre Deregulierung: Telekom dominiert weiter den Markt

Kleinere Telekommunikationsanbieter mit Nachholbedarf

Die kleineren Telekommunikationsanbieter haben auch nach einem halben Jahrzehnt der Deregulierung großen Nachholbedarf. Die Deutsche Telekom dominiert fast alle Felder unangefochten: Sie betreibt 96 Prozent der Haushaltsanschlüsse, 97 Prozent der DSL-Anschlüsse und wickelt 68 Prozent der Festnetzverbindungen ab. Das ist ein Ergebnis der Studie "Branchenkompass Telekommunikation" von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut.

Selbst beim Mobilfunk, wo die Konkurrenz immerhin den Anschluss gefunden hat, liegt T-Mobile mit einem Anteil von 42 Prozent vorn. Als Folge haben die kleineren Anbieter der Telekommunikationsbranche zahlreiche Wünsche an die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Sie werfen ihr und der Telekom vor, die Liberalisierung des Marktes aufzuhalten. Auf vielen Feldern haben sie jedoch selbst Nachholbedarf.

Die Telekom-Konkurrenten haben nach Angaben der Studienautoren sogar manche Entwicklung verschlafen. Beispiel Rechnungsstellung: Die Deutsche Telekom will spätestens von 2006 an nicht mehr die Verbindungsentgelte für andere Anbieter mit ihren Rechnungen einziehen. Die Mehrheit der Entscheider rechnet sogar damit, dass der T-Konzern schon vorher das Forderungsmanagement aufgibt. 56 Prozent halten dies für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, 22 Prozent für möglich.

Obwohl diese Entwicklung erwartet wird, sind die Anbieter nach der Studie schlecht vorbereitet: Mehr als jeder dritte Festnetzanbieter und sogar acht von zehn Festnetzdiensten haben sich noch keine Gedanken über die eigene Rechnungsstellung gemacht. Unter den Internetanbietern sind es 56 Prozent. Im Schnitt denkt nur ein Drittel der Unternehmen vorausschauend. Mehr als die Hälfte davon will die Rechnungen künftig selbst erstellen und versenden, der Rest setzt auf Kooperationen und Outsourcing.

Trotz eigener Fehler richtet sich die Kritik weiterhin gegen die Reg TP und die Telekom: Nur jeder zehnte Top-Entscheider der Branche hält die Deregulierung für wirksam. Knapp zwei Drittel gehen davon aus, dass die Führungsposition des Marktführers Deutsche Telekom kaum schwächer wird. Von den Managern der Festnetzbetreiber und Mobilfunkanbieter meinen dies sogar drei Viertel. Im Meinungsbild der Top-Manager kommt die Regulierungsbehörde sogar schlechter weg als der Exmonopolist selbst: 16 Prozent der Befragten sehen in ihr eines der größten Probleme der Branche. Die Telekom selbst kommt im Ranking der größten Branchensorgen auf zwölf Prozent. Mancherorts haben die privaten Anbieter jedoch bereits beachtliche Marktanteile erlangt. So hat zum Beispiel der Kölner Anbieter NetCologne in der Stadt einen Marktanteil von rund 20 Prozent erreichen können. Der Erfolg zeigt: Hindernisse sind überwindbar, wenn die Anbieter ihr Angebot richtig ausrichten.

Die Mehrheit der befragten Entscheider rechnet damit, dass sich die Interconnection-Gebühren - Gelder, die Festnetzdienste für Verbindungen über die Leitungen des Exmonopolisten zahlen müssen - weiter erhöhen werden. Vor allem die direkt betroffenen Festnetzdienste und Internetanbieter rechnen mit teureren Verbindungen. Die Folge: Die Anbieter müssen ihr Angebot von Anfang an möglichst kostengünstig aufbauen. Auch hier besteht zum Teil noch Nachholbedarf.  (ad)


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