Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28553.html    Veröffentlicht: 19.11.2003 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/28553

Spieletest: Beyond Good & Evil - Action-Adventure-Hit

Neues Spiel vom Rayman-Entwickler für PC und PS2

Über drei Jahre haben die Ubi-Soft-Entwickler - unter ihnen Rayman-Erfinder Michel Ancel - an Beyond Good & Evil gearbeitet, jetzt endlich sind die Arbeiten am ungewöhnlichen Action-Adventure abgeschlossen. Die fertige Version belegt eindrucksvoll, dass die zahlreichen Vorschusslorbeeren für den Titel durchaus gerechtfertigt waren.

Die Geschichte spielt auf dem eigentlich idyllischen Planeten Hyllis, der allerdings seit Jahren von der feindlichen Alien-Rasse DomZ belagert wird. Komplexe Verteidigungsanlagen - so genannte Alpha-Sektionen - schützen die Bevölkerung vor der außerirdischen Gefahr. Die Reporterin Jade, die mit ihrem Freund, dem humanoiden Hausschwein Pey'j, in einem Leuchtturm auf Hyllis wohnt, gerät allerdings eines Tages in das Netzwerk der Geheimorganisation Iris - und muss schon bald erfahren, dass hinter den Alpha-Sektionen und den bösen Aliens nicht unbedingt zwei verschiedene Parteien stehen.

Screenshot #1
Screenshot #1
In zahlreichen Missionen macht sich Jade fortan daran, eine riesige Verschwörung aufzudecken. Ihre Waffen sind dabei allerdings recht ungewöhnlich: Zum einen hat sie jederzeit einen Fotoapparat dabei, mit dem sie unauffällig Beweisfotos von Geheimagenten und verbotenen Machenschaften anfertigt. Der Fotoapparat hat allerdings noch einen weiteren Nutzen: Da Jade von der lokalen Forschungsorganisation den Auftrag bekommen hat, sämtliche Lebewesen zu katalogisieren, muss sie jedes Mal, wenn sie ein neues Tier in den weitläufigen Arealen von Hyllis erblickt, den Auslöser drücken - und bekommt dafür dann direkt Bargeld ausgezahlt. Die Bedienung der Kamera inklusive Zoom ist prinzipiell recht einfach, manchmal wird der "Nebenjob" aber trotzdem etwas stressig - unter anderem dann, wenn man während des Kampfes gegen den riesigen Endgegner mal kurz pausieren muss, um ein nettes Portrait von ihm zu knipsen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Zweites Werkzeug im Kampf gegen die Verschwörung ist ein Aikido-Stab, mit dem sich recht einfach, aber durchaus wirksam und optisch hübsch anzuschauen auf Bösewichte einschlagen lässt. Allerdings sind nicht immer schnelle Reaktionen und ein schlagkräftiges Vorgehen gefragt: Oft gibt es auch kleinere Schleichpassagen, in denen man möglichst unauffällig an Wachen vorbeikommen muss.

Screenshot #3
Screenshot #3
Zahlreiche Rätsel sorgen dafür, dass auch mal ein wenig Gehirnakrobatik betrieben werden muss, um vorwärts zu kommen; allerdings sind die Aufgaben meist recht einfach zu lösen. Mal müssen Kisten verschoben oder Lunten zusammengelegt werden, dann soll ein Passwort erlernt oder ein Knopf beschossen werden. Häufig muss auch der Begleiter, der Jade meist zur Seite steht, herangezogen werden. Ist man etwa mit dem humanoiden Schwein unterwegs, gibt man ihm per simplem Knopfdruck die Aufgabe, seine Sprungattacke auszuführen - und schon stürzt er sich beispielsweise auf einen riesigen Gegner, der dadurch zeitweilig außer Gefecht gesetzt ist und so von Jade gefahrlos attackiert werden kann.

Screenshot #4
Screenshot #4
Sämtliche Missionen sind fließend miteinander verbunden, wobei der heimatliche Leuchtturm meist Ausgangspunkt aller Aktionen ist. Um die Wege innerhalb Hyllis zurückzulegen, geht man entweder zu Fuß oder nutzt das eigene Hoverboard, mit dem man die Kanäle der Stadt bequem durchqueren kann und sich von Zeit zu Zeit auch mal ein Rennen mit anderen Bootsbesitzern liefert. Hat man durch erfolgreiche Bosskämpfe eine der seltenen Perlen eingesammelt, kann man diese in Shops zudem gegen Zubehör fürs Boot eintauschen - so erhält man nicht nur leistungsfähigere Motoren, sondern auch bessere Schusswaffen, was einem den Weg zu vorher verschlossenen Bereichen öffnet.

Screenshot #5
Screenshot #5
Die schöne und detailreiche Grafik trägt einen Großteil dazu bei, die ungewöhnlichen, aber liebenswerten Hauptcharaktere sowie die Welt von Hyllis noch faszinierender und atmosphärischer werden zu lassen; auch die Sprachausgabe und die Hintergrundmusik sind äußerst stimmungsvoll geraten. Der relativ moderate Schwierigkeitsgrad - wirklich knifflig sind eigentlich nur einige der Bosskämpfe und manche Stealth-Passagen - machen das Spiel auch und besonders für Einsteiger interessant.

Screenshot #6
Screenshot #6
Ein wenig schade ist allerdings der etwas knappe Spielumfang; zwischen 12 und 15 Stunden braucht man etwa, um sämtliche Tierarten zu fotografieren, das komplette Inselreich zu erforschen und die Verschwörung mit all ihren überraschenden Wendungen aufzuklären.

Beyond Good Evil ist ab dem 27. November 2003 für PlayStation im Handel zu bekommen; die PC-Version folgt dann voraussichtlich am 4. Dezember. 2004 sollen dann noch Umsetzungen für die Xbox und den Gamecube erscheinen; da Ubi Soft einen Exklusiv-Deal mit Sony abgeschlossen hat, müssen sich Besitzer von Nintendo- oder Microsoft-Konsolen also noch ein wenig gedulden. Die USK-Freigabe liegt bei zwölf Jahren.

Fazit:
Auch wenn Beyond Good & Evil prinzipiell keine wirklich innovativen Spielideen bietet, weiß der Genre-Mix von Beginn an zu gefallen - die gelungene Kombination aus Action, Rätseln, Schleichpassagen und freien Fahrten mit dem Hoverboard garantiert ein abwechslungsreiches Spielvergnügen, die Idee mit der Kamera und die für ein Spiel dieser Art wirklich recht einfallsreiche Story überzeugen ebenso. Nach Rayman hat Michel Ancel also auch mit Beyond Good & Evil wieder einen sicheren Hit abgeliefert.  (tw)


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