Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28445.html    Veröffentlicht: 12.11.2003 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/28445

Spieletest: Grabbed By The Ghoulies - Rare-Titel für Xbox

Erstes Spiel der ehemaligen Nintendo-Entwickler für Microsoft

Als Mitte 2002 bekannt wurde, dass Microsoft den britischen Spiele-Entwickler Rare aufkauft, herrschte Trauer in der Nintendo-Fangemeinde - schließlich hatte das Team zuvor zahlreiche erstklassige Titel wie Bajo-Kazooie, Perfect Dark oder Conker exklusiv für Nintendo-Plattformen entwickelt. Mit Grabbed By The Ghoulies präsentieren die Entwickler nun ihre erste Arbeit für Microsoft, können mit dem Xbox-Spiel allerdings nicht an frühere Glanztaten anknüpfen.

Auf den ersten Blick scheint Grabbed By The Ghoulies ähnlich wie frühere Rare-Titel eine Meisterleistung in Sachen Präsentation zu sein: Animierte Bilder in einem großen Buch erzählen die Geschichte von einem jungen Liebespaar, das sich irgendwo im Niemandsland verläuft, in ein heftiges Unwetter gerät und Schutz bei einem unheimlich aussehenden riesigen Schloss sucht. Natürlich wird schon bald klar, dass mit dem Haus irgendwas nicht stimmt - spätestens, als seine Freundin von einem Monster entführt wird, ahnt Held Cooper, dass da wohl einige Probleme auf ihn zukommen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Zum Glück kommt ihm ein Butler zu Hilfe, der ihn auch darüber aufklärt, wer in dem großen Anwesenden so alles herumspukt - und wie man mit den zahlreichen Kreaturen und dem garstigen Hausherren am besten fertig wird. Was folgt, ist recht simple Beat'em-Up-Action: Cooper prügelt sich von Raum zu Raum, durchforstet Keller und Gänge, Lager- und Speiseräume sowie große Säle, Bibliotheken, angrenzende Schuppen und den Innenhof.

Screenshot #2
Screenshot #2
Überall wird er schon von einer ganzen Schar von Gegnern erwartet, die oft sehr fantasievoll gestaltet sind. Neben Zombie-Piraten, tanzenden Party-Skeletten und Ninja-Kobolden gilt es auch, wildgewordene Vampir-Hühner oder verwunschene Fernseher auszuschalten. Das Kampfsystem ist dabei recht simpel: Anstelle mit diversen Buttons malträtiert man die Angreifer ganz einfach mit dem rechten Analog-Stick - drückt man ihn in eine Richtung, führt Cooper eine Attacke dorthin aus, hält man ihn gedrückt, folgen ganze Reihen von Combos.

Screenshot #3
Screenshot #3
Neben Schlägen und Tritten lassen sich zahlreiche Objekte für die Attacken einsetzen, unter anderem sind Bilderrahmen, Billard-Stöcke, Stühle oder Vasen für ein paar Schläge gut. In manchen Räumen bekommt man zudem vorübergehend wiederaufladbare Waffen in die Hand gedrückt, etwa ein mit Weihwasser gefülltes Maschinengewehr. Zudem variieren die Aufgaben von Raum zu Raum: Ist es am Anfang meist einfach nur das Ziel, alle Gegner zu besiegen, warten in späteren Zimmern ausgefeiltere Aufgaben. So darf man mal nur mit Waffen die Gegner erledigen und muss auf Schläge und Tritte verzichten, ein anderes Mal soll nur eine bestimmte Gegnerart ausgeschaltet und die andere in Ruhe gelassen werden, und stellenweise gilt es auch, eine bestimmte Zeit trotz massiver Angriffe am Leben zu bleiben.

Screenshot #4
Screenshot #4
Das alles sieht zwar famos aus - neben den schönen Zwischensequenzen wirkt auch die Gestaltung des Schlosses sowie der einzelnen Räume und Gegner einfalls- und abwechslungsreich. Spielerisch ist das Ganze aber nach spätestens 30 Minuten nur noch dröge und eintönig, da man prinzipiell immer das Gleiche tun muss. In einem neuen Raum warten neue Gegner, die zu vermöbeln sind, dann folgt der nächste Raum mit weiteren Gegnern und so weiter. Das Kampfsystem ändert sich - sieht man mal von den neuen Waffen ab - eigentlich nie. Wirkliche Rätsel gibt es auch nicht, sieht man mal davon ab, dass manchmal eine Vase kaputtgeschlagen werden muss, um darin einen Schlüssel zu finden. Zudem ist das Gameplay vollständig linear: Es steht immer nur eine offene Tür zur Auswahl, und die Karte, die man zu Spielbeginn bekommt, ist an sich vollkommen sinnlos - verlaufen kann man sich hier sowieso nicht.

Grabbed By The Ghoulies ist voraussichtlich ab dem 21. November 2003 exklusiv für die Xbox erhältlich. Die USK-Einstufung liegt bei zwölf Jahren.

Fazit:
Mit Grabbed By The Ghoulies kann Rare leider nicht wirklich an frühere Glanztaten anknüpfen. Präsentation und Inszenierung des Titels sind zwar grandios, und auch das Charakter-Design strotzt nur so vor kreativen Einfällen. Spielerisch hingegen ist der Titel nicht viel mehr als eine dröge Dauer-Prügelei - da hätte man sich von einem so legendären Team wirklich mehr versprochen.  (tw)


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