Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28378.html    Veröffentlicht: 06.11.2003 16:25    Kurz-URL: https://glm.io/28378

SCO: 50 Mio. US-Dollar für die Anwälte auch bei Niederlage

Anwaltskanzlei wird auch bei Unternehmensübernahme mit 20 Prozent beteiligt

Die Rechtsanwaltskanzlei Boies Schiller & Flexner, die SCO im Streit mit IBM vertritt, könnte bis zu 50 Millionen US-Dollar erhalten, auch wenn SCO in dem Rechtsstreit unterliegen sollte. Das geht aus Unterlagen hervor, die SCO jetzt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.

Demnach steht den Beratern von SCO im Erfolgsfall 20 Prozent des von SCO erstrittenen Geldes zu. Im Falle einer Übernahme von SCO während des gesamten Verfahrens wären die SCO-Anwälte mit 20 Prozent am Kaufpreis des Unternehmens beteiligt. Ausgehend vom aktuellen Marktwert von SCO wären dies derzeit knapp 50 Millionen US-Dollar für Boies Schiller & Flexner, die sie auch dann erhalten, wenn sie vor Gericht unterliegen.

Darüber hinaus verdienen die Anwälte aber auch, wenn SCO in dieser Zeit Geld in Form von Eigenkapital zufließt. Hinzu kommt in jedem Fall eine Million US-Dollar sowie 400.000 SCO-Aktien mit einem Wert von rund 7,2 Millionen US-Dollar.

SCO wirft IBM vor, unerlaubt Code-Teile das Unix System V, die unter dem Urheberrecht von SCO stehen, in Linux integriert zu haben. Damit habe IBM mit SCO bestehende Verträge gebrochen. Zugleich geht SCO mit dieser Argumentation gegen Linux vor und erklärte das freie Betriebssystem Linux kurzerhand zu einem unerlaubten und damit illegalen Derivat von Unix. Von Unternehmen und Nutzern, die Linux einsetzen, verlangt SCO den Kauf einer speziellen Lizenz für mehrere Hundert US-Dollar.

Beweise dafür, dass Linux wirklich unerlaubt Code enthält, an dem SCO die Urheberrechte hat, konnte SCO bislang nicht vorlegen. Lediglich im Rahmen seiner Hausmesse präsentierte SCO einige Code-Fragmente, was sich aber als Schlag ins Wasser erwies. Zum einen wurden die Code-Fragmente nicht von IBM, sondern von SCO in Linux integriert, zum anderen wurden sie mehrfach, auch von SCO, unter freien Lizenzen veröffentlicht. Auch die Tatsache, dass SCO Linux selbst unter der GPL vertrieb, ziehen Open-Source-Verfechter heran, um zu zeigen, dass SCOs Vorwürfe haltlos sind.

Derweil greift SCO die GPL an und bezeichnet diese als verfassungswidrig.  (ji)


© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/