Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0311/28279.html    Veröffentlicht: 03.11.2003 09:41    Kurz-URL: https://glm.io/28279

Jobbörsen befürchten Existenzbedrohung durch Arbeitsamt

Branche protestiert gegen Internet-Pläne der Bundesanstalt für Arbeit

Gegen die geplanten Reform-Projekte der Bundesanstalt für Arbeit regt sich massiver Widerstand aus der Online-Branche. Konkret geht es um den so genannten "virtuellen Arbeitsmarkt", den die Behörde nach Informationen des Werbefachblattes "Der Kontakter" am 1. Dezember 2003 im Internet einführen wird. Dabei handelt es sich um eine Online-Stellenvermittlung.

Die vier großen Internet-Jobportale Jobscout 24, Jobpilot, Monster Deutschland und Stepstone sehen sich in ihrer Existenz gefährdet. "Der Wettbewerb der Jobbörsen in Deutschland lief bisher gut", sagt Rolf Baumann, Vorstand von Stepstone gegenüber dem Kontakter, "jetzt kommt das Arbeitsamt und macht den Markt kaputt".

Der virtuelle Arbeitsmarkt enthält eine zentrale Plattform mit unterschiedlichen Zugriffsberechtigungen für alle am Arbeitsmarktgeschehen beteiligten Personengruppen. Das System durchsucht wie eine gewöhnliche Suchmaschine Internetseiten von Unternehmen, Innungen und Verbänden. Wird der Job-Roboter fündig, übernimmt er das Stellenangebot in eine Liste, die u.a. der Arbeitsvermittler nutzen kann.

Mit einem Gegenkonzept wollen die vier Anbieter nach Kontakter-Informationen am 14. November 2003 an die Öffentlichkeit gehen. Ihre Forderung: Das Arbeitsamt berät und leitet Arbeit Suchende an die privaten Online-Jobbörsen weiter. Eine solche Kooperation zwischen der Bundesanstalt für Arbeit und den kommerziellen Jobbörsen würde die Steuerzahler um 54 Millionen Euro entlasten, heißt es dazu bei Jobpilot.

Gespräche über eine ursprünglich geplante Zusammenarbeit zwischen den professionellen Online-Stellenmärkten und dem neu gestalteten "Virtuellen Arbeitsmarkt" (VAM) der Bundesanstalt für Arbeit (BA) wurden im August 2003 ergebnislos abgebrochen. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) steht eigenen Angaben zufolge Kooperationen mit den Online-Stellenmärkten von Zeitungen und Zeitschriften sowie den insgesamt rund 400 Internet-Jobbörsen weiterhin aufgeschlossen gegenüber.

Die Bundesanstalt für Arbeit will nach Angaben der Fachzeitschrift den Start ihres virtuellen Arbeitsmarktes ab Januar 2004 mit einer rund 20 Millionen Euro teuren Kampagne begleiten. Die verantwortliche Werbeagentur sei Scholz & Friends in Hamburg.  (ad)


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