Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/9903/2826.html    Veröffentlicht: 12.03.1999 11:49    Kurz-URL: https://glm.io/2826

Smarte U-Bahnen aus Berlin

digitaler Fahrschein im Test
digitaler Fahrschein im Test
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Worldwide Smartcard Solutions Division (WSSD) von Motorola haben einen Vertrag zur Realisierung eines Feldversuches zum "Elektronischen Ticketing" in Berlin unterzeichnet.

Der elektronische Fahrschein soll ab 2002 in Berlin eingeführt werden und langsam den Papierfahrschein ablösen. Die Benutzer der Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und S-Bahn Berlin GmbH können dann ihre Fahrten mit einer Chipkarte bezahlen, die beim Ein- und Aussteigen bzw. in den Bahnhofsanlagen lediglich an einem Lesegerät vorbeigeführt wird (Check-In, Check-Out).

Der entsprechende Fahrpreis wird dabei automatisch von der Karte abgebucht. Das vollelektronische System macht die Kenntnis des Tarifsystems überflüssig und erleichtert gerade Neu- oder Gelegenheitskunden einen komplikationslosen Einstieg ohne große Probleme mit Tariftabellen und Streckenabschnitten.

Zudem bietet das papierlose Verfahren dem Nahverkehrsunternehmen vereinfachte Abrechnungsmöglichkeiten. Man hofft durch zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten die Akzeptanz der Karte zu erweitern und die Attraktivität des ÖPNV noch zu steigern.

Rund 25.000 Testpersonen werden ab Herbst 1999 auf bestimmten Linien von BVG und S-Bahn die Möglichkeit haben, erste Erfahrungen mit dem elektronischen Ticketing zu machen. Als Teststrecken sind vorgesehen: Die U-Bahnlinien U2 und U4; die Buslinien 100 und 348, die Straßenbahnlinie 5 und die Stadtbahnstrecke der S-Bahn zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Alexanderplatz.

Ein weiterer, noch breiter angelegter Feldversuch folgt dann voraussichtlich zum Jahresende 2000. Die Vereinbarung mit Motorola beinhaltet den Aufbau der kompletten Systemlösung sowie die Durchführung des Testbetriebs.

Kommentar:
Die BVG geht mit dem elektronischen Ticket zwar neue Wege, aber ob man auf diesem Wege die Akzeptanz des ÖPNV steigern, bleibt fraglich. Ob der Kunde noch eine zusätzliche Karte im Portemonnaie akzeptiert oder lieber eine Multifunktionskarte, wünscht, die wesentlich mehr als nur ÖPNV-Ticket ist, wird der Versuch zeigen. Zudem ist zu befürchten, daß das System genutzt wird, um von den Pauschalpreisen abzurücken und die tatsächlich gefahrenen Strecke abgerechnet wird. Für viele Langstreckenfahrer könnte die Verwendung des ÖPNV teurer werden.  (ji)


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