Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0310/28248.html    Veröffentlicht: 30.10.2003 17:48    Kurz-URL: https://glm.io/28248

PortableDSL - Erste Internet-Flatrate auf UMTS-Basis

Airdata und NGI starten Dienst in Stuttgart - weitere Städte sollen folgen

Die Stuttgarter Airdata AG hat gemeinsam mit dem Internet-Provider NGI einen nicht nur für mobile Nutzer interessanten Internet-Zugang wahlweise mit ISDN- oder DSL-Datenraten gestartet. Für das sehr günstige Angebot setzt Airdata auf 3G-Funktechnik im 2,6-GHz-Frequenzband und plant bereits die Vernetzung weiterer deutscher Städte.

Getestet wurde der neue Internet-Zugang in den letzten Monaten, seit dem offiziellen Start am 29. Oktober 2003 soll er nun fast im gesamten Bereich der Stadt Stuttgart genutzt werden können - wahlweise mit ISDN-Geschwindigkeit (128 KBit/s Downstream, 64 KBit/s Upstream) oder mit DSL-Geschwindigkeit (768 KBit/s Downstream, 128 KBit/s Upstream). Im Gegensatz zu WLAN sollen wesentlich größere Reichweiten und eine deutlich sicherere Datenübertragung dank von Hause aus aktiver 128-Bit-"Kasumi"-UMTS-Verschlüsselung möglich sein.

Ins Netz können Nutzer an jedem Punkt mit Empfang gelangen, allerdings ist der Dienst nicht für in Bewegung befindliche Nutzer gedacht, die über Funk-Sektorgrenzen hinaus wechseln wollen. Hier wird dann die Verbindung gekappt und ein neues Einbuchen nötig, da das Hand-Over zwischen Sektoren seitens Airdata im Einvernehmen mit der Reg TP bewusst deaktiviert wurde. Damit soll etwa verhindert werden, dass sich plötzlich zu viele Nutzer in einen Bereich hineinbewegen und die Datenraten einbrechen.

Die nötige Infrastruktur, ein so genanntes WLL (Wireless Local Loop) mit derzeit 16 Sendestationen, hat Alcatel für Airdata aufgebaut, wobei Systeme von www.ipwireless.com genutzt werden. Airdata verrät zwar keine technischen Details, IPWireless nutzt jedoch in seinen Produkten paketbasiertes UMTS-TDD (Time-Division-Duplex), welches im Gegensatz zum von Mobilfunkanbietern favorisierten UMTS-FTD stärker auf Datenübertragung ohne begrenzte Teilnehmerzahlen ausgelegt ist und keine "Datenleitungen" reserviert. Die Bandbreite pro UMTS-Station - IPWireless spricht von 16 Mbps - soll für die zu erwartende Nutzerzahl mehr als ausreichend sein, so Airdata gegenüber Golem.de. Auch Filesharing-Nutzer würden kein Problem darstellen, zumal man nicht in Konkurrenz mit herkömmlichen DSL-Anbindungen trete, die von PortableDSL-Nutzern voraussichtlich zusätzlich genutzt würden.

Die Inbetriebnahme soll für PortableDSL-Kunden recht einfach sein: SIM-Karte in das spezielle 3G-Modem einlegen, selbiges an den Rechner anschließen, Benutzername und Kennwort bei den Netzwerkeinstellungen eingeben und loslegen. Eine Installationsroutione erledigt auf Wunsch das meiste für Computer-Laien. Das Funk-Modem ist nicht größer als ein schnurloses Telefon und wird einfach an die Ethernet-Schnittstelle angeschlossen und per PPPoE angesprochen. Weitere Hard- und Software soll nicht nötig sein, zudem kann das PortableDSL-Modem auch an Router, WLAN-Access-Points und andere Ethernet-fähige Geräte gehängt werden.

Next Generation Internet (NGI) bietet PortableDSL als erster Airdata-Partner in Stuttgart an. Zielgruppe des Dienstes sind, dank der recht ordentlichen Bandbreite, sowohl private Anwender als auch Freiberufler und Unternehmen: So kostet die Internet-Flatrate "NGI PortableDSL 128" mit 128 Kbps rund um die Uhr ohne Volumen-Gebühren lediglich 9,95 Euro im Monat und der dazugehörige "Anschluss" schlägt mit monatlichen 14,95 Euro zu Buche. Etwas teurer, aber für einen drahtlosen Internet-Zugang immer noch vergleichsweise günstig ist die 768-Kbps-Internet-Flatrate "NGI PortableDSL 768" mit 19,95 Euro/Monat zzgl. monatlichen 24,95 Euro für den Anschluss. Die IP-Adressen werden dynamisch vergeben.

PortableDSL-Modem
PortableDSL-Modem
Die Einrichtungsgebühr liegt bei rund 100,- Euro, die Mindestvertragslaufzeit bei zwölf Monaten, das Ethernet-Funkmodem kostet bei Vertragsabschluss 149,- Euro (ohne: 390,- Euro). Das 108 x 84x 24 mm kompakte und 288 g wiegende Modem kann entweder mittels Netzteil oder internem Lithium-Ionen-Akku versorgt werden, wobei die Laufzeit leider nicht genannt wurde. Ein von IPWireless gefertigtes PCMCIA-Modem bieten AirData und NGI derzeit nicht an, das soll sich jedoch bald ändern.

Ein großer Vorteil von PortableDSL wird erst dann zum Tragen kommen, wenn weitere Partner die Airdata-Technik nutzen: Es muss nur bei einem der Airdata-Partner der Anschluss bezahlt werden und PortableDSL kann bundesweit über die PortableDSL-Netze der anderen Airdata-Partner genutzt werden. Airdata hat bereits weitere Partner im Boot, nennt diese aber noch nicht und sucht auch noch weitere. Die Funklizenz von Airdata erlaubt es dem Unternehmen, bundesweit in 30 Ballungsräumen, also den 120 größten deutschen Städten, seinen Datenfunkdienst aufzubauen.

Das Ziel ist hoch gesteckt: Bis Ende 2004/Anfang 2005 plant Airdata, ca. 60 bis 75 Prozent der Bevölkerung in den 30 Ballungsräumen gemeinsam mit Partnern versorgen zu können. Vorrang hätten dabei in den Städten vor allem Stadtteile mit Glasfaser- (OPAL), aber ohne Kupferkabel-Versorgung, denn hier hat es die Telekom bis heute nicht geschafft, DSL-Angebote einzuführen, was PortableDSL dort besonders attraktiv macht.  (ck)


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