Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0310/27699.html    Veröffentlicht: 01.10.2003 09:06    Kurz-URL: https://glm.io/27699

Angetestet: Einstiegs-PDA Tungsten E mit Farbdisplay

Tungsten E mit 32 MByte RAM, PalmOS 5.1.2 und neuen PIM-Funktionen

Mit dem Tungsten E bringt Palm ein neues PalmOS-Modell mit Farbdisplay für Einsteiger auf den Markt. Das Gerät mit PalmOS 5.2.1 erhielt zum Teil deutlich überarbeitete PIM-Applikationen zur Termin-, Adress- und Aufgaben-Verwaltung. Zur Erweiterung des Hauptspeichers von 32 MByte lassen sich SD-Karten und MultMediaCards (MMC) nutzen. Golem.de konnte den Tungsten E am Rande der PalmSource-Entwicklerkonferenz etwas näher unter die Lupe nehmen.

Tungsten E
Tungsten E
Im Tungsten E arbeitet ein ARM-Prozessor vom Typ OMAP 311 von Texas Instruments mit einer Taktrate von 126 MHz. Als Betriebssystem kommt ein von Palm angepasstes PalmOS mit der Versionsnummer 5.2.1 zum Einsatz, das in einem 8-MByte-ROM steckt. So wurden besonders die PIM-Applikationen (PIM = Personal Information Management) Kalender, Aufgaben, Merkzettel und die ehemals als Adressbuch bezeichneten Kontakte stark überarbeitet. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf eine bessere Zusammenarbeit mit Outlook gelegt, was sich auch in einem speziell angepassten HotSync-Conduit niederschlägt.

Besonders starke Veränderungen gab es am Kalender und dem Adressbuch, aber auch in den Merkzetteln sowie bei den Aufgaben. So lassen sich in den Kontakten nun Internet-Adressen, Instant-Messenger-Kennungen, mehrere Wohnorte sowie Geburtstage verwalten. Beim Eintrag neuer Geburtsdaten lassen sich diese auf Wunsch gleich mit einem Alarm als Termin in den Kalender eintragen. Schließlich lassen sich nun mehr Telefonnummern und E-Mail-Adressen einem Kontakt zuweisen, wobei sich die Einträge besonders bequem mit Outlook abgleichen lassen sollen.

Aber auch der interne Kalender wurde überarbeitet. So bietet er eine an die Heute-Funktion von WindowsCE angelehnte Übersichtsseite, auf der fällige Termine, Aufgaben und ungelesene E-Mails aufgelistet werden. Als weitere große Neuerung lassen sich Termine in Kategorien anordnen, so dass sich diese farblich kennzeichnen lassen, um etwa private und berufliche Termine bequem auseinander halten zu können. Dabei bietet sowohl die Tages- als auch die Wochenansicht die Möglichkeit, über ein Pulldown-Menü zu bestimmen, welche Kategorien angezeigt werden sollen. Als Weiteres lassen sich Details zum Ort eines Termins hinzufügen. Aber auch bei der Verwaltung von Terminen wurde Hand angelegt, so dass sich mehrere Einträge nun bequem in einem Rutsch übertragen lassen sollen.

Tungsten E
Tungsten E
Besonders langjährige Palm-Nutzer wird es freuen, dass Palm mit dem Tungsten E endlich die lästige 4-KByte-Grenze der Merkzettel hinter sich lässt. So dürfen diese Notizen nun maximal 32 KByte groß sein, was auch für längere Notizen unterwegs ausreichen sollte. Schließlich wurde auch die Aufgabenliste überarbeitet, die nun mit einer leicht veränderten Oberfläche daherkommt und wiederkehrende Aufgaben verarbeitet. Um die neuen Fähigkeiten der PIM-Anwendungen auch auf PC-Seite nutzen zu können, wurde nicht nur ein passender Outlook-Conduit für den HotSync-Manager programmiert. Auch der PalmDesktop erhielt entsprechende Anpassungen und soll die Änderungen auch auf dem PC widerspiegeln.

An Speicher stehen 32 MByte zur Wahl, wovon 28,3 MByte frei verwendet werden können. Bei einer Auflösung von 320 x 320 Bildpunkten zeigt das transflektive Farbdisplay 65.536 Farben an. Durch den Einsatz von Graffiti 2 können Buchstaben auch auf dem Display gemalt werden, so dass man nicht auf das Graffiti-Feld zur Texteingabe beschränkt ist. Über eine zuschaltbare Tastensperre wird endlich verhindert, dass sich das Gerät versehentlich in einer Tasche einschalten kann.

Tungsten E
Tungsten E
Zur Steuerung besitzt der 11,4 x 7,9 x 1,2 cm messende Tungsten E einen Fünf-Wege-Navigator, womit sich das Gerät im Grunde umfassend bedienen lässt, ohne den im Gehäuse zu findenden Stift zu verwenden. Neben der Navigationstaste befinden sich vier weitere Knöpfe, womit sich bequem vier Applikationen aufrufen lassen. Über den Steckplatz für SD-Karten und MultiMediaCards (MMC) lässt sich der integrierte Speicher ergänzen, wobei durch Unterstützung des SDIO-Standards auch Funktionserweiterungen möglich sind. Als Weiteres verfügt der Tungsten E über eine Infrarot-Schnittstelle und einen Kopfhörer-Anschluss.

Der Tungsten E besitzt nur eine Mini-USB-Buchse zum Anschluss an den PC anstatt der bei den übrigen Tungsten-Modellen üblichen Schnittstelle "Universal Connector", worüber sich auch Zubehör anschließen ließe. Der Anschluss von solchem Zubehör bleibt dem Tungsten E somit vorbehalten. Zudem liegt dem Gerät auch keine Dockingstation, sondern nur ein USB-Kabel zum Datenaustausch mit dem PC bei. Der 131 Gramm wiegende PDA besitzt einen Lithium-Ionen-Polymer-Akku, der nach Herstellerangaben vier Tage ohne Nachladen auskommt.

Tungsten E
Tungsten E
Zu den weiteren Software-Beigaben zählt die Professional Edition von Documents To Go 6.0 aus dem Hause DataViz. Mit der aktuellen Version der Office-Software lassen sich Word- und Excel-Dateien ohne vorherige Konvertierung auf dem PDA anzeigen und bearbeiten. Für PowerPoint-Daten fällt weiterhin eine Kovertierung an, dann lassen sich entsprechende Daten aber ebenfalls mit dem PDA betrachten. Für die Wiedergabe von MP3-Dateien liegt der RealOne Mobile Player bei, mit Palm Photos lassen sich Bilder anzeigen und verwalten, während der Kinoma Player Videoclips abspielt. Als Weiteres liegen der Web Browser Pro 3.0 zur Anzeige von Webseiten sowie der E-Mail-Client VersaMail in der Version 2.6 bei. Letzterer unterstützt das aktuelle Documents To Go, so dass sich per E-Mail empfangene Word- und Excel-Anhänge bequem öffnen lassen.

Palm will den Tungsten E ab sofort zum Preis von 229,- Euro anbieten. Zum Lieferumfang zählen eine Software-CD, ein Mini-USB-Kabel zum Datenabgleich mit dem PC sowie ein Netzteil zum Aufladen des Akkus.

Fazit:
Tungsten E
Tungsten E
Der Tungsten E macht trotz des niedrigen Preises einen soliden Eindruck, wobei das hervorragend ausgeleuchtete transflektive Farbdisplay auf Anhieb begeistern kann. Bei Sonnenlicht und auch in dunkler Umgebung lassen sich Bildschirm-Informationen gut ablesen. Mit dem 126-MHz-Prozessor gehört der Tungsten E zwar nicht zu den schnellsten PalmOS-PDAs, allerdings agiert er schnell und zuverlässig, so dass es keinen Grund zur Klage gibt. Der Fünf-Wege-Navigator lässt sich gut bedienen, so dass die Einhandsteuerung bequem möglich ist. Sehr erfreut nahmen wir zur Kenntnis, dass Palm endlich der lange geforderten Tastensperre nachgekommen ist und eine entsprechende Funktion in das Betriebssystem integriert hat. Besonderes Lob verdienen natürlich die zum Teil lange überfälligen Verbesserungen an den internen PIM-Applikationen.

Kommentar:
Verwundern tut die Produkteinordnung des Geräts seitens Palm. Palm selbst wollte eigentlich mit der Einführung der Produktlinien Zire und Tungsten eine Schneise zwischen dem Consumer-Markt und dem Profi-Markt schlagen. So sollten die Zire-Geräte vor allem auf die Bedürfnisse der normalen Anwender zugeschnitten sein, während sich die Tungsten-Geräte mit deutlich besserer Ausstattung an Profi-Anwender und den Unternehmensbereich wenden sollten. Diese an sich klare Grenzziehung hat Palm nun mit dem Tungsten E wieder kräftig durcheinander gewirbelt, denn der PDA liegt deutlich unter dem Preis des Zire 71 (preiswertestes Zire-Modell mit Farbdisplay) und müsste allein aus diesem Grunde als Zire-Modell gekennzeichnet sein. Zudem weist der Tungsten E keinen Universal Connector und kein Flash-ROM auf, was bislang als Kennzeichen der Tungsten-Serien angesehen werden konnte.  (ip)


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