Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0309/27642.html    Veröffentlicht: 26.09.2003 13:31    Kurz-URL: https://glm.io/27642

Umbau extrem: Xbox mit 1,48-GHz-Prozessor

Taiwanesisches Unternehmen FriendTech bringt aufgemotzte Microsoft-Spielekonsole

Umgebaute Xbox-Spielekonsolen sind nichts Besonderes mehr, man verzichtet dabei zwar auf die Herstellergarantie und evtl. auch die Möglichkeit, Online-Spiele über Xbox Live zu spielen, kann dafür aber die Geräte danach auch als Netzwerk-Videoplayer oder als Linux-Rechner einsetzen. Das taiwanesische Unternehmen FriendTech Computer zeigte auf der Computex 2003 seinen Xbox-Umbau "FT-XBX2", bei dem sogar der Prozessor gegen ein deutlich schnelleres Modell ausgetauscht wurde.

Von Hause aus arbeitet in der Xbox ein Pentium-III mit 733 MHz und 128 KByte Level-2-Cache, der auf Grund des verkleinerten Caches auch als Celeron eingestuft werden kann. In FriendTechs FT-XBX2 wurde der Standard-Prozessor durch einen 1,48-GHz-Celeron mit Tualatin-Kern und 256 KByte Level-2-Cache ausgetauscht, der jedoch aus Kompatibilitätsgründen per Schalter auch auf 740 MHz heruntergetaktet werden kann.

FT-XBX2: Umgebaute Xbox aus Taiwan
FT-XBX2: Umgebaute Xbox aus Taiwan
Der 64-MByte-Xbox-Hauptspeicher wurde nicht angetastet, auch hier gibt es jedoch schon Bastler, welche ihn auf 128 MByte erweitern konnten. Dafür wurde eine Vorrichtung am umgespritzten oder neu gegossenen Gehäuse der FT-XBX2 befestigt, mit dessen Hilfe sich das BIOS leicht aktualisieren lassen soll. Zudem gibt es neben dem üblichen AV-Ausgang auch einen S-Video-Ausgang und neben dem Standard-Stereo-Ton-Ausgang zusätzlich einen Dolby-Digital-5.1-Raumklang-Ausgang, der noch einen entsprechenden Verstärker benötigt. Die 8-GByte-Festplatte der Xbox tauscht FriendTech auf Wunsch gegen ein 120-GByte-Modell aus.

Softwareseitig hat FriendTech neben einer anderen Benutzeroberfläche, einem FTP-Client und einigen weiteren Tools auch den Xbox Media Player (XBMP) installiert. Letzterer erlaubt das Abspielen aller wichtigen Audio- und Videoformate, inklusive MP3, Ogg, WMA, WMV, DivX, Xvid, RealVideo und Quicktime. Eine zusätzliche DVD-Wiedergabe-Software soll nicht vonnöten sein, DVDs können also auch ohne Erwerb der separaten Fernbedienung abgespielt werden, natürlich ohne Beschränkung durch Regional-Codes.

Umbau-Xbox mit Turbo-Schalter
Umbau-Xbox mit Turbo-Schalter
Die Hardware-Umbauten mit dem speziellen BIOS und die veränderte, mehr Möglichkeiten bietende Softwareausstattung führen jedoch dazu, dass auf Online-Spiele über Xbox Live verzichtet werden muss. Hier verbleibt nur die Nutzung des vorinstallierten XBConnect, welches netzwerkfähige Spiele nicht nur im Heimnetz, sondern auch über das Internet zwischen mehreren Konsolen möglich macht. Wie der schnellere Prozessor in der FT-XBX2 gekühlt wird und ob ein besserer und vielleicht auch leiserer Lüfter eingesetzt wird, gab FriendTech nicht an.

Für welchen Preis und ab wann die FT-XBX2 zu kaufen sein wird, ist auf der FriendTech-Website noch nicht zu erfahren. Interessanterweise gibt FriendTech an, die XBX2 in den USA zum Patent angemeldet zu haben, was vermutlich Microsofts Rechtsabteilung zum Rotieren bringen wird, insbesondere da die umgebaute Konsole nicht nur käuflich erworbene und selbst programmierte, sondern auch raubkopierte Software wird abspielen können.  (ck)


© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/