Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0309/27634.html    Veröffentlicht: 26.09.2003 09:22    Kurz-URL: https://glm.io/27634

Musikindustrie verklagt grundlos 65-jährige Großmutter

Keine Entschuldigung, keine Wiedergutmachung

Nach einem Bericht der Electronic Frontier Foundation wurde die 65-jährige Amerikanerin Sarah Ward von der Musikindustrie mit der Begründung verklagt, sie habe in KaZaA illegal Musik getauscht. Sie gehörte damit zu den 261 Personen, die von der Industrie wegen Urheberrechtsverletzungen in P2P-Netzen verklagt wurden.

Das Problem war allerdings, dass Frau Ward einen Macintosh besitzt - auf dem die KaZaA Filesharing Software nicht läuft. Zudem verneinte sie, dass sie irgendeine andere Art von Filesharingsoftware verwendet hatte und nicht, wie es in der Klagebegründung hieß, Rock und Hip Hop, sondern Klassik und Folk bevorzuge.

Die sieben Label verklagten die Frau nur auf Grund von Screenshots des KaZaA Networks und holten sich die Informationen zu dem Nutzer über eine umstrittene Verfügung gegenüber Comcast, dem Internet Service Provider (ISP) von Ward. Der gab die Informationen heraus, ohne Ward zu informieren.

Nach Angaben der Leiterin der Rechtsabteilung der Electronic Frontier Foundation (EFF), Cindy Cohn, habe die Musikindustrie in diesem Fall eine völlig unschuldige Person verklagt, sie gezwungen, einen Rechtsbeistand zu beauftragen, sie zu vertreten und dann erst erkannt, dass sie überhaupt keine Beweise gegen sie hatten.

Ward kommentierte, dass sie besorgt und beunruhigt um andere sei, die vielleicht nicht die Möglichkeiten hätten, sich zu verteidigen. Und sie sei als Lehrerin und Großmutter besorgt, dass es Leute gäbe, die es dann nicht einmal für nötig hielten, sich für dieses Verhalten zu entschuldigen oder gar einen Schadensersatz zu zahlen.

Die sieben klagenden Label waren Sony Music Entertainment, BMG Music, Virgin Records America, Interscope Records, Atlantic Recording Corporation, Warner Brothers Records und Arista Records.  (ad)


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