Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0309/27588.html    Veröffentlicht: 24.09.2003 14:24    Kurz-URL: https://glm.io/27588

Spieletest: Ghost Recon: Island Thunder für die Xbox

Spielekonsolenausgabe des Taktik-Shooters mit Schwächen

Für die Xbox ist der Taktik-Shooter "Ghost Recon: Island Thunder" erschienen, der auf Kuba im Jahre 2009 spielt: Castro ist tot und die ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten enden in Tumulten, hervorgerufen durch drogenfinanzierte Warlords. Die "Ghosts", ein Elite-Team der amerikanischen Green Berets, wird als Teil einer UN-Friedenstruppe nach Kuba geschickt, um Rebellentruppen sowie ihre Söldner-Führer zu vernichten und die Wahlen für ein freies Kuba zu sichern. So die aberwitzige Hintergrundgeschichte des Spiels.

Das Spiel, von dem es auch eine Adaption für den PC als Add-On für das Ghost-Recon-Grundspiel gibt, umfasst einige Trainingslevel, mit denen man sich mit der Steuerung und den verschiedenen Waffensystemen im Spiel vertraut machen kann.

Danach kann man in eine Einzelspieler-Kampagne einsteigen, die acht durchaus lang dauernde Einzelaufträge beinhaltet. Gegner werden nicht nur in engen Straßenschluchten, sondern auch im dichten nebelverhangenen Gestrüpp des Dschungels oder an zerklüfteten Berghängen aufs Korn genommen. Dies ist zwar etwas wenig, aber zudem kann man im Mehrspielermodus über Xbox Live (inkl. Ranking) oder lokal mit Splitscreen neben einigen Szenarien aus dem Einzelspielerbereich auch noch fünf Wüstengegenden unsicher machen (insgesamt zwölf Mehrspielerkarten) oder sich in Einzelspielermissionen durchschlagen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Im Einzelspielermodus wechselt man zwischen den einzelnen Teammitgliedern, die sich unterschiedlich bewaffnen lassen und verschiedene Stärken und Schwächen aufweisen. Diese werden vorher bei der Spielvorbereitung in einer Auswahl angezeigt. Wahlweise ist es auch möglich, die Auswahl und Bewaffnung dem Spiel zu überlassen, womit man eigentlich auch immer gut fährt. Dabei gibt es zwar weniger Waffenvarianten als in der PC-Variante, aber die Grundtypen wie Pistolen, Maschinenpistolen, Scharfschützen- und Sturmgewehre sowie MGs, Panzerabwehrwaffen und Handgranaten sind weiterhin vorhanden.

Screenshot #2
Screenshot #2
Mit Hilfe einer vergrößerbaren Übersichtskarte lässt sich das Terrain beispielsweise bei einer Erstürmung voll ausnutzen, indem man die einzelnen Mitstreiter darüber dirigieren kann, um so taktische Vorteile zu erlangen. Im Gegensatz zu vielen anderen Shootern muss man bei "Ghost Recon: Island Thunder" wesentlich mehr auf sich aufpassen - ein gut gesetzter Schuss des Gegners und die Karriere als Terroristenjäger ist virtuell erst einmal vorbei. Das gilt auch für die sehr zielsicheren Teammitglieder - sterben sie, kann man auf ihre Hilfe in den Folgemissionen nicht mehr zählen, außer man startet das Spiel neu.

Screenshot #3
Screenshot #3
Mit der künstlichen Intelligenz der Mitstreiter ist es leider nicht besonders weit her: Zwar entdecken sie den Gegner ausreichend schnell, schießen sehr gut und gehen auch in Deckung, dennoch stehen sie sich vor allem in engen Gebäuden oftmals gegenseitig so im Wege, dass sich ein kleiner Stau bildet, was in Kampfsituationen denkbar ungünstig ist.

Die große Verletzlichkeit der Figuren bedeutet, dass man möglichst keine Einzelgängeraktionen planen sollte: Das Spiel erfordert ein vorsichtiges Vorgehen, Planung und Geduld. Auf Grund der gegenüber dem PC etwas beschränkteren Eingabemöglichkeiten über das Gamepad und der damit verbundenen Zielunsicherheit beim Bewegen des Fadenkreuzes ist der Auto-Anvisierungsmodus sehr hilfreich - so muss man nur noch den Feind erspähen, die Waffe ungefähr in seine Richtung halten und der Computer zielt selbstständig, so dass man nur noch im richtigen Moment abdrücken muss.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die Grafik des Spiels entspricht weitestgehend der PC-Variante, auch wenn der Detailgrad geringer ist: Die Aufmachung der tropischen Inselvegetation kann als gelungen bezeichnet werden, auch wenn der dichte Dschungel an sich nicht im Spiel vorkommt - das hätte auf Grund der erforderlichen Hardwareressourcen das Spiel vermutlich zu langsam gemacht. Sehr schön ist auch die hohe Luftfeuchtigkeit, die in Form von Nebelschwaden und Dunst visualisiert worden ist, wenngleich sie teils etwas zu dicht wirkt. Auch die sonstigen Wettereffekte wie Sturm, Regen und die überall stehenden Pfützen sind eindrucksvoll geraten wie auch die dazugehörigen Soundeffekte, die auch Vogelstimmen, Motorengeräusche und vieles mehr umfassen.

Etwas weniger schön ist allerdings der Umstand, dass man in manchen Landschaften den Gegner kaum erkennen kann. Vor lauter Boden- sowie Figurentexturen, Erdfarben, Beleuchtungseffekten und der geringen Auflösung geht es mitunter sehr augenunfreundlich zu. Dieses Manko tritt bei den Leveln, die in Gebäuden und Städten spielen, allerdings nicht auf. Gerade das Gebäudedesign ist wie schon bei der PC-Adaption sehr gelungen.

Screenshot #5
Screenshot #5
Über Xbox Live kann man, sofern man zahlender Abonnent ist, ein zusätzliches Level zu Ghost Recon Island Thunder herunterladen, bei dem es darum geht, eine Raffinerie vor dem Feind zu schützen.

Fazit:
Das Spiel "Tom Clancy's Ghost Recon: Island Thunder" bietet im Gegensatz zu vielen Shootern ein Gameplay, bei dem es nicht nur auf Schnelligkeit, sondern auch auf Taktik und Teamverständnis ankommt. Die Grafik hätte in manchen Leveln durch geringeren Nebeleinsatz etwas weniger verschwommen und durch sparsameren Textureneinsatz geringer "getarnt" sein können, so dass man schon einen guten Fernseher benötigt, um das Spiel spielen zu können. Besonders der Mehrspielermodus, bei dem die teils dilettantische künstliche Intelligenz der eigenen Truppe wegfällt, ist ausgesprochen kurzweilig und unterhaltsam.  (ad)


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