Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0309/27353.html    Veröffentlicht: 09.09.2003 13:18    Kurz-URL: https://glm.io/27353

SCO: Open Source verspielt Vertrauen

Ist SGI das nächste Angriffsziel von SCO?

In einem offenen Brief an die Open-Source-Community fährt SCO-Chef Darl McBride schwere Geschütze auf. Der Krieg um Urheberrechte von Software sei derzeit die größte Kontroverse in der Computerindustrie und werde in erster Linie zwischen Herstellern proprietärer Software und der Open-Source-Community geführt, die ihre Glaubwürdigkeit gegenüber der Öffentlichkeit verspiele und sich Urheberrechten gegenüber nicht verpflichtet sehe.

McBride räumt ein, dass SCO mit seiner Klage gegen IBM einige Open-Source-Vertreter verärgert habe. Dabei weise man nur auf Probleme hin, die im aktuellen Entwicklungsmodell von Linux bestehen. Nach Ansicht von McBride ist die Diskussion um Open-Source-Software gesund und förderlich für Open Source.

McBride wirft der Open-Source-Community wiederholte DDoS-Angriffe auf die eigenen Server vor, wobei sich McBride auf Aussagen von Open-Source-Aktivist Eric S. Raymond bezieht. Diese Angriffe könne man nicht tolerieren und fordert Raymond und andere Vertreter der Open-Source-Community auf, SCO bei der Aufklärung dieser kriminellen Handlungen zu helfen, andernfalls falle ein Schatten auf die gesamte Open-Source-Bewegung.

"Es darf keine Situation entstehen, in der Unternehmen befürchten müssen, Opfer von Attacken zu werden, wenn sie eine Geschäft- und Rechtposition vertreten, die die Open-Source-Community verärgert."

McBride geht zudem auf die Analyse von SCO-Beweisen durch Bruce Perens ein. Dieser habe bestätigt, dass Linux Code aus dem UNIX System V enthalte, was nicht sein dürfe. McBride bestätigte, dass der vorgelegte Code von SGI stammt und unerlaubt in Linux integriert wurde, was Gerüchte bestätigt, SGI könne nach IBM das zweite Unternehmen sein, gegen das SCO vorgehen will. Laut McBride arbeitet man aber derzeit an einer Lösung mit SGI, die nach Ansicht von SCO damit gegen ihren Vertrag mit SCO verstoßen haben.

McBride sieht die Tatsache, dass SGI Code aus Unix in Linux integrieren konnte, als Beweis für fundamentale Probleme im Entwicklungsprozess von Linux. "Derzeit gehen wir davon aus, dass mehr als eine Million Code-Zeilen aus geschütztem Code des Unix System V durch dieses Modell in Linux integriert wurden.". McBride fordert, diese grundlegenden Probleme der Linux-Entwicklung offen anzusprechen und zu lösen. Es müsse überprüft werden, ob die genannten Quellen, die Code-Teile zur Verfügung stellen, die entsprechenden Rechte überhaupt besitzen.

"Ich glaube, das Open-Source-Modell ist in einer kritischen Phase seiner Entwicklung. Die Open-Source-Community hat ihre Wurzeln in gegenkulturellen Idealen - der Absicht von 'Hackern' gegen Großunternehmen - aber auf Grund der aktuellen Fortschritte von Linux sei die Community aber nun in der Lage, Software für große amerikanische und globale Unternehmen zu entwickeln", so McBride. Daher müsse die Open-Source-Community nun auch nach deren Regeln spielen und sich an Gesetze halten.

Letztendlich brauche Open Source ein nachhaltiges Geschäftsmodell, will sie über eine Nebenbeschäftigung hinaus zu einem Entwicklungsmodell werden, dem Unternehmen vertrauen. Derzeit würden nur Unternehmen an Linux verdienen, die Hardware und Dienstleistungen verkaufen und die Software ohne Garantien abgeben. Dies spare diesen Unternehmen hohe Kosten und erhöhe ihre Umsätze im Bereich der Dienstleistungen.  (ji)


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