Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0308/26999.html    Veröffentlicht: 19.08.2003 09:47    Kurz-URL: https://glm.io/26999

FSF: SCO verliert den Verstand

Eben Moglen geht mit SCO-Anwalt Mark Heise hart ins Gericht

Eben Moglen, Justiziar der Free Software Foundation und Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia Law School, greift Mark Heise, Anwalt von SCO im Verfahren gegen IBM, scharf an. Dieser hatte gegenüber dem Wall Street Journal behauptet, die von der Free Software Foundation herausgegebene GNU General Public License, unter der auch Linux steht, sei ungültig, da sie gegen US-Bundesrecht verstoße.

IBM stützt im Streit mit SCO seine Gegenklage gegen SCO unter anderem auf die GPL und wirft SCO vor, gegen diese zu verstoßen. Die von Mark Heise ins Gefecht geführten Argumente gegen die GPL bezeichnet Moglen als dreisten, unprofessionellen Nonsens.

Heise hatte gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, die GPL verstoße gegen US-Bundesrecht, da sie Nutzern erlaube, eine unlimitierte Zahl von Kopien anzufertigen. Hingegen erlaube das Gesetz Nutzern aber maximal die Anfertigung einer Sicherheitskopie. Für Moglen ein leichtsinniges Argument. Es sei eine Verletzung der beruflichen Verpflichtung von Heise oder jedem anderen Rechtsanwalt, damit vor Gericht zu ziehen.

Wäre Heise mit seiner Argumentation im Recht, würde dies bedeuten, dass nicht nur die GPL ungültig ist, sondern auch jede andere Lizenz für freie Software wie beispielsweise die BSD, Apache oder X11-Lizenz. Aber auch Microsofts Shared-Source-Lizenz wäre dann ungültig und selbst Microsofts Methoden zur Verteilung seines Betriebssystems Windows, das vorinstalliert mit PCs ausgeliefert wird, würden nach Heises Argumentation gegen das Gesetz verstoßen, so Moglen.

Moglen führt Heises Argument auf eine falsche Interpretation des Paragrafen 117 des US-Copyright-Act zurück, stellt aber klar, dass es für Heises Auslegung absolut keine Anhaltspunkte gebe - weder im Gesetzestext noch in der Rechtsprechung.

Heises Aussage sei letztendlich eine gute Nachricht für Entwickler und Nutzer freier Software, zeige sie doch, dass SCO keine Verteidigung gegen die GPL habe. Es sei reiner Blödsinn, mit dem SCO seinen Investoren versuchen vorzumachen, man könne dem unvermeidlichen Tag der Abrechnung entkommen. Dies ist nicht der Beginn einer ernsthaften Bedrohung für die GPL, sondern mit dem Tag, an dem SCO den Verstand verloren hat, vielmehr eine Bestätigung für die Stärke der GPL und ihre Bedeutung zum Schutz der Freiheit.  (ji)


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