Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0308/26890.html    Veröffentlicht: 12.08.2003 11:21    Kurz-URL: https://glm.io/26890

Test: cd3o c300 - Netzwerk-MP3-Player fürs (W)LAN

Netzwerk-MP3-Player nur fürs Windows-Netzwerk mit gutem Klang und Sprachausgabe

Mit Netzwerk-MP3-Playern kann man die eigene digitale Musiksammlung nicht nur direkt am Rechner oder über eine daran angeschlossene Stereoanlage, sondern auch in anderen Zimmern und ohne lärmenden Computer genießen. Der seit Kurzem in Deutschland erhältliche "cd3o c300 Netzwerk MP3 Player" bekommt die Musik entweder per kabelgebundenem Ethernet oder drahtlos über WLAN-Datenfunk (802.11b) auch mit WEP-Verschlüsselung.

An Lautsprecher oder Verstärker angeschlossen wird der kompakte cd3o c300 entweder analog oder digital (S/PDIF), letzteres sowohl koaxial als auch optisch. Der im Netzwerk-MP3-Player arbeitende 24-Bit-96-KHz-Delta-Sigma-DAC bietet laut dem noch jungen kalifornischen Hersteller cd3o einem Signal/Rausch-Abstand von -102 dB, einem Störabstand von 101,5 dB (A), einem Dynamikumfang von 93,0 dB (A), einem Klirrfaktor von 0,004 Prozent sowie eine Stereo-Übersprechdämpfung von -90,1 dB und erzielte damit im Test zumindest subjektiv einen klaren und überzeugenden Sound.

cd3o c300
cd3o c300
Der cd3o c300 spielt MP3-Dateien (MPEG 1 oder 2 Layer III) mit bis zu 320 Kbps ab, wobei auch variable Bitraten (VBR) unterstützt werden. Das neuere MP3pro-Format beherrscht das Gerät leider nur im Kompatibilitätsmodus, die Musik wird dann also in mäßiger Qualität wiedergegeben, so dass cd3o selbst das Gerät nicht für den Einsatz mit MP3pro-Dateien empfiehlt. Auch mit dem Windows Media Player 8 erzeugte WMA-Dateien kann der im cd3o c300 arbeitende Chip dekodieren, wobei er Datenraten von maximal 192 Kbps bei konstanter Bitrate (CBR) und maximal 135 bis 215 Kbps bei variabler Bitrate (VBR) verkraftet.

Die mit dem Windows Media Player 9 eingeführte verlustlose Kompression, höhere Bitraten bei VBR und kopiergeschützte Audiodateien werden nicht wiedergegeben. Auch unkomprimierte WAV-Dateien mit bis zu 44,1 kHz und 16-Bit-Stereo werden unterstützt, allerdings können hier Bandbreitenprobleme bei schlechter WLAN-Verbindung schneller zum Tragen kommen. Damit bei kleineren Netzwerkaussetzern der Ton nicht zum Stocken kommt, gibt es einen für 5 bis 10 Sekunden reichenden, kleinen Puffer-Speicher im cd3o c300. Im Test kam es nicht zu Aussetzern, obwohl es eine die Bandbreite schmälernde Wand zwischen Access Point und Player gab.

Die Musik erhält der cd3o c300 über eine zwingend Windows 2000 und XP voraussetzende Software, welche nicht nur dazu dient, einen oder mehrere Netzwerk-MP3-Player zu konfigurieren und fernzusteuern, sondern diesen auch die Musikdaten zu senden. Selber kann sich der MP3-Player nämlich keine Daten aus dem Netz laden, so dass einem Einsatz unter Linux und MacOS solange der Riegel vorgeschoben ist, bis die Software dafür umgesetzt wurde, was jedoch im Moment leider nicht geplant ist. Unter Windows läuft die Software unauffällig als Service im Hintergrund, steht also auch zur Verfügung, wenn gerade kein Nutzer am Rechner angemeldet ist.

Fernbedienung
Fernbedienung
Wenn nicht gerade die Software zur Fernsteuerung genutzt wird, erfolgt die Bedienung des cd3o c300 über die mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung. Über diese können nicht nur mittels Server-Software erstellte Playlisten (im üblichen .M3U-Format) per Knopfdruck wiedergegeben werden, sondern auch einzelne Musikstücke, Interpreten und Alben durchscrollt oder per Buchstabeneingabe recht fix direkt gesucht werden. Wie bei Mobiltelefonen, welche über eine SMS-Texteingabehilfe wie "T9" verfügen, brauchen dabei die mehrfach belegten Zifferntasten nur jeweils einmal pro Buchstabe gedrückt werden und die Server-Software findet schnell die entsprechende Musik bzw. eine Liste der passenden Suchergebnisse.

Der Netzwerk-MP3-Player signalisiert über drei LEDs an der Gehäusefront, ob er eingeschaltet ist, das Netzwerk erkannt wurde und ob Verbindung mit der Streaming-Software besteht. Auf ein Text- oder Grafik-Display zur Darstellung von Musik-Informationen wurde leider komplett verzichtet. Ganz ohne Infos ist man dennoch nicht, denn anstelle von visuellen Hinweisen, gibt es eine vom PC übertragene Sprachausgabe, die - mal mehr, mal weniger verständlich - bei der Navigation durch die eigene Musiksammlung hilft. Voraussetzung dafür, dass die Navigation ohne Probleme vonstatten geht, sind möglichst komplette ID3-Tags (id3v1 und id3v2). Fehlt das ID3-Tag, muss dieses erst mittels beliebiger ID3-Tools nachgefügt werden, damit eine problemlose Auswahl und Wiedergabe der Titel möglich ist. Auf Knopfdruck können vor jedem Lied Interpret und Titel angesagt werden. Da die künstliche, englische Frauenstimme jedoch nicht immer ästhetisch klingt, ist das eine Funktion, auf die man in der Regel gerne verzichtet. Die Aussprache soll sich für einzelne Künstler und Lieder auch durch Herumprobieren per Textdatei verbessern lassen, was jedoch im Test nicht überprüft wurde.

Der in den USA schon seit dem ersten Quartal 2003 erhältliche und derzeit auf 200,- US-Dollar im Preis gesenkte cd3o c300 kann seit Juli 2003 auch in Deutschland beim cd3o-Partner Internetdesign PKP gekauft werden. Dort ist der Netzwerk-MP3-Player für 300,- Euro bzw. dank eines gerade laufenden Einführungsangebots für 290,- Euro zu haben. Mit 259,- Euro bzw. mit Aktionspreis 249,- Euro etwas günstiger ist der c200, der auf die S/PDIF-Ausgänge verzichtet und eine interne, anstatt der externen WLAN-Antenne des c300 setzt. Während der c300 "üblicherweise" 30 bis 100 Meter überbrücken soll, liegt die Reichweite beim c200 laut Hersteller in der Regel zwischen 15 und 30 Meter. Wer auf S/PDIF und WLAN verzichten kann, für den gibt es schließlich noch das kleinste Modell, den cd3o c100, für welches 199,- bzw. momentan 189,- Euro fällig werden. An Versandgebühren fallen jeweils rund 7,- Euro an.

cd3o c300 - Rückansicht
cd3o c300 - Rückansicht
Der deutsche cd3o-Vertriebspartner erklärte bezüglich des deutlichen Preisunterschieds zwischen den in den USA und Europa verkauften cd30-Geräten, dass c3do seine bis Ende August 2003 befristete 50-US-Dollar-Rabattaktion nur für Käufer innerhalb der USA anbiete. So koste ein direkt bei cd3o bestellter c300 249,- US-Dollar zuzüglich 59,13 US-Dollar Versand sowie 49,30 US-Dollar Steuer, was insgesamt 357,43 US-Dollar bzw. umgerechnet 316,34 Euro zzgl. Kreditkartengebühr von 1 bis 3 Prozent ergebe. Dem stünden die 293,95 Euro bei Kauf in Deutschland gegenüber. Dabei sollte man beachten, dass bei Bestellung aus den USA in diesem Fall nur 90 Tage Gewährleistung, bei Kauf über Internetdesign PKP jedoch die hier zu Lande gesetzlich vorgeschriebene zweijährige Gewährleistung gilt.

Fazit:
Für Heimnetzwerke mit Windows-PC und WLAN-Access-Point bietet cd3o mit seinem c300 einen subjektiv sehr gut klingenden und einfach zu bedienenden Netzwerk-MP3-Player, der dank WLAN auch ohne Kabel von einem Windows-2000/XP-Rechner mit Musik versorgt werden kann, wenn mal kein Ethernet-Kabel im Zimmer verfügbar ist. Die für verwöhnte Ohren mitunter unästhetische Sprachausgabe erfüllt ihren Zweck recht gut, macht das fehlende Text-Display allerdings nicht ganz wett. Darüber hinaus wirkt der Preis - zumindest in Europa - etwas zu hoch und macht vor allem die drahtlose Beschallung verschiedener Zimmer noch zu unattraktiv. Für Wohnungen mit unproblematischen Reichweiten erscheint dann der etwas günstigere und ebenfalls WLAN-fähige c200 als interessante Alternative vom selben Hersteller, nur muss dann auf S/PDIF verzichtet werden. In Anbetracht der sauberen Analogwandlung ist das jedoch zu verschmerzen.  (ck)


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