Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0308/26773.html    Veröffentlicht: 04.08.2003 11:47    Kurz-URL: https://glm.io/26773

VoIP: Fraunhofer will bevorzugte Sprachdaten-Übertragung

Künftige Netzwerke sollen Sprachdaten-Pakete mit Priorität übertragen

Um Sprachkommunikation per Internet, auch als "Voice over IP" (VoIP) bezeichnet, nicht nur bei optimalen sondern auch bei schwierigen Bandbreitenbedingungen möglichst ohne Aussetzer oder Verzögerungen zu ermöglichen, wollen die Münchner Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik (ESK) und Siemens in Zukunft Sprachpakete bevorzugt behandeln. Sprachdaten, die per Internet-Protokoll unterwegs sind, sollen damit immer "Vorfahrt" vor anderen Datenpaketen haben.

Künftige Datennetze - Next Generation Networks (NGN) - könnten digitale Telefongespräche und Internetdaten gleichzeitig übertragen und damit die Kosten ganz erheblich senken. Innerhalb der Leitung müsse jedoch die Priorität der einzelnen Datenpakete geregelt werden. Andernfalls könnten Teile des Gesprächs im Netz "stecken" bleiben, ein flüssiger Dialog wäre nicht mehr möglich und die Tonqualität könnte unter die einer herkömmlichen analogen Leitung sinken.

Neue Leitungen sind für NGN nicht nötig, wohl aber neue Netzwerk-Hardware, welche die Telefondaten in der richtigen Weise paketieren und mit Priorität versehen würden. "Wir haben eine solche Schnittstelle zwischen Rechner, Telefon und Netz entwickelt", sagt Dr. Helmut Steckenbiller von der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK in München. "Unser Integrated Access Device oder kurz IAD ist etwa so groß wie ein Anrufbeantworter. Der Prototyp besitzt acht analoge Telefonanschlüsse und kann in NGN auch als Telefonanlage genutzt werden. Die Verbindung zu Datennetzen erfolgt über eine Ethernet- und eine USB-Schnittstelle."

Das IAD ist laut Steckenbiller dafür ausgelegt, Daten in beiden Richtungen symmetrisch zu übertragen - sie werden also genauso schnell gesendet wie empfangen. Mit dieser SHDSL-Technik (Symmetric High Bitrate Digital Subsriber Line) erreiche das IAD eine Übertragungsgeschwindigkeit, die doppelt so hoch sein könne wie in derzeit üblichen asymmetrischen DSL-Netzen. Große Datenmengen, wie sie etwa bei Videokonferenzen anfallen, ließen sich so in Echtzeit übertragen.

Die Geräte und das Know-how stehen Steckenbiller zufolge bereits zur Verfügung. Nun seien die Netzbetreiber gefordert, bei einer Leitungsaufrüstung die passende Anschlusstechnik zu erwerben. Letztere habe Siemens gemeinsam mit dem Fraunhofer ESK entwickelt. Allerdings wird die IAD-Nutzung erst dann sinnvoll, wenn überall die nötigen "Gegenstücke" installiert sind.  (ck)


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