Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0308/26751.html    Veröffentlicht: 01.08.2003 10:39    Kurz-URL: https://glm.io/26751

OSDL bezieht Stellung zu SCOs Vorwürfen

Eben Moglen weist im Namen des OSDL die Ansprüche von SCO zurück

Das Open Source Development Lab (OSDL) hat auf SCOs Lizenzforderungen gegenüber Linux-Nutzern reagiert und eine Stellungnahme veröffentlicht. In dem Papier weist Professor Eben Moglen die Vorwürfe seitens SCO zurück und sieht keine Grundlage für die Lizenzforderungen, die das Unternehmen gegenüber Linux-Nutzern erhebt. Das OSDL will mit dieser Stellungnahme Linux-Nutzern die Angst vor möglichen rechtliche Konsequenzen nehmen.

Moglen geht gezielt auf die von SCO erhobene Ansprüche in Bezug auf Linux ein und beleuchtet diese aus rechtlicher Sicht. Zwar darf das Papier nicht als Rechtsberatung verstanden werden, es grenzt aber die in diesem Zusammenhang aufkommenden Kernfragen ein, die Unternehmen und Entwickler mit ihren Anwälten diskutieren sollten.

Moglen weist darauf hin, dass SCO bisher weder Klage gegen Nutzer eingereicht noch Informationen darüber veröffentlicht hat, welcher Code möglicherweise gegen die Rechte von SCO verstößt. So behauptet SCO, dass beispielsweise der SMP-Code in Linux die eigenen Urheberrechte verletze. Dieser stammt in erster Linie aber von Kernel-Entwicklern, die von Red Hat und Intel angestellt sind. SCO habe weder genau gezeigt, welcher Code von diesen Entwicklern angeblich kopiert worden ist, noch habe SCO diese Ansprüche gegenüber deren Arbeitgebern angemeldet.

Stattdessen erhebt SCO Lizenzforderungen von Nutzern. Doch in aller Regel benötigen Nutzer urheberrechtlich geschützter Werke keine Lizenzen, so Moglen. Der US-Copyright-Act gebe Urhebern zwar gewisse exklusive Rechte, beispielsweise um Werke zu kopieren, zu modifizieren oder Abwandlungen zu erstellen und zu verbreiten, nicht aber das exklusive Recht Werke zu nutzen. Niemand benötige eine Lizenz, um eine Zeitung zu lesen, Musik zu hören, beim Lesen der Zeitung jemandem über die Schulter zu schauen oder die Musik vom Nachbarn "mitzuhören".

Software-Nutzer seien dabei oft verunsichert, schließlich wird Software in der Regel mit beiliegenden Verträgen verkauft, denen der Nutzer zustimmen muss, bevor er die Software verwenden darf. Dies habe aber nichts damit zu tun, dass das Urheberrecht eine solche Lizenz erfordere.



Moglen vergleicht SCOs Vorgehen mit einem Verlag, der feststellt, dass ein anderer Verlag ein Plagiat auf den Markt bringt, dass die eigenen Rechte verletzt. Statt nun gegen Autor und Verlag vorzugehen, wendet sich der Verlag aber an die Käufer des betreffenden Buches und bittet diese zur Kasse. Doch so würde ein Verlag nicht vorgehen, denn es entspreche nicht dem Gesetz.

Zwar gestalte sich die Problematik in Bezug auf freie Software etwas anders, schließlich wird diese kopiert, wofür eine Lizenz notwendig sei, so Moglen. Doch diese notwendige Lizenz besitzen die Nutzer der Software mit der GPL bereits. Schließlich hat SCO Linux selbst lange Zeit unter der GPL verbreitet und tut dies noch heute. SCO habe Nutzern die Software zusammen mit der Lizenz übergeben. SCO versuche also laut Moglen, Nutzern einer Software, deren Lizenz explizit das Kopieren, Modifizieren und Weiterverteilen erlaubt, eben das Kopieren, Modifizieren und Verteilen dieser Software zu verbieten. "Wer die entsprechenden Arbeiten von SCO unter einer Lizenz erworben hat, benötige keiner Theorie zufolge eine weitere Lizenz, nur weil SCO sich wünsche, dass die verwendete Lizenz andere Regelungen enthalten hätte", so Moglen.

"Wenn ein Urheber sagt: 'Du hast eine Lizenz von mir, aber ich streite ab, dass diese Lizenz zutrifft; nimm eine andere Lizenz zu einem höheren Preis und ich lasse dich in Ruhe', welchen Grund gibt es, der zweiten Lizenz stärker zu vertrauen als der ersten?", fragt Moglen.

Eben Moglen ist Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Law School der Universität von Columbia sowie Berater der Free Software Foundation und gilt als ausgewiesener Experte für Kartellrecht, Computer und freie Meinungsäußerung.

Das OSDL ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die von namhaften Unternehmen unterstützt wird - darunter Alcatel, Computer Associates, Cisco, Dell, Ericsson, Fujitsu, Hitachi, Hewlett Packard, IBM, Intel, MontaVista, Nokia, RedHat, SuSE, Toshiba, Unilever und VA Software. Zu ihren Kernaufgaben gehört unter anderem, Linux für den Einsatz in Daten-Centern und im Carrier-Bereich zu optimieren. Dazu stellt das OSDL Entwicklern etwa die notwendige Hardware zum Testen zur Verfügung. Das OSDL beschäftigt mit Linus Torvalds und Andrew Morton unter anderem zwei der zentralen Linux-Entwickler.  (ji)


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