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Spieletest: Salammbo - Extravagantes Adventure für PC

Neuer Titel der Adventure Company

Nach einer Phase mit relativ wenig Neuveröffentlichungen erscheinen in letzter Zeit wieder vermehrt klassische Point&Click-Adventures, wenn auch nicht alle von ihnen wirklich hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden können - man denke etwa an das enttäuschende Mysterium von Zelenhgorm. Der ungewöhnliche Fantasy-Historien-Mix Salammbo weiß allerdings durchaus zu überzeugen.

Salammbo spielt vor dem Hintergrund des ersten punischen Krieges. In Karthago herrscht großer Unmut: Tausende Söldner sind erbost darüber, dass sie trotz ihres mutigen Kampfes gegen die Römer ihren Lohn nicht ausgezahlt bekommen. In der Rolle des Sklaven Spendius hat man allerdings ganz andere Probleme: Zu Beginn des Spiels sitzt man in einem Kerker fest und muss zunächst einmal eine Möglichkeit finden, dort unbeachtet herauszukommen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Schon kurz nach der Flucht trifft man dann die geheimnisvolle Hohepriesterin Salammbo, die Spendius auch gleich einen Auftrag gibt: Er soll den Anführer der Söldner ausfindig machen und ihm ein Liebesgeständnis von Salammbo bringen - natürlich ohne sich dabei von den Wachen erwischen zu lassen. Dies gestaltet sich dann allerdings schwieriger als zunächst angenommen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Salammbo mixt munter historische Versatzstücke mit frei erfundenen Inhalten, basiert lose auf einem Roman von Flaubert und bedient sich zudem einer französischen Comic-Serie aus den achtziger Jahren - auf allzu viel Realismus sollte man also nicht Wert legen, wenn man an der mysteriösen Story Gefallen finden will. Spielerisch gibt sich Salammbo da deutlich traditioneller, in typischer Point&Click-Manier sammelt man Gegenstände ein und benutzt sie an bestimmten Stellen oder löst kleinere Logik- und Geschicklichkeitsrätsel, die zumeist auch Einsteiger nicht überfordern dürften. An verschiedenen Stellen im Spiel kann man allerdings bei einer falschen Entscheidung auch mal ein virtuelles Leben verlieren, glücklicherweise beginnt man dann jedoch wieder an derselben Stelle, an der man kurz zuvor scheiterte.

Screenshot #3
Screenshot #3
Optisch ist Salammbo eine ziemliche Pracht: Zwar wirken die vorberechneten und um 360 Grad frei drehbaren Hintergründe teilweise etwas verwaschen, beeindrucken aber dafür mit stimmungsvollen Farben und zahlreichen, oft auch animierten Details wie etwa vorbeifliegenden Vögeln. Auch die Zwischensequenzen - die man wie alle Spielszenen aus der Ego-Perspektive betrachtet - sind vorberechnet, dafür qualitativ aber auch über jeden Zweifel erhaben. Der dramatische klassische Soundtrack aus der Feder von Dvorak und Mozart untermalt die Geschehnisse zusätzlich sehr stimmungsvoll. Die deutsche Sprachausgabe überzeugt durch sorgfältige Synchronisierung und glaubhafte Sprecher.

Screenshot #4
Screenshot #4
Der Handlungsstrang von Salammbo ist leider streng linear vorgegeben, was das Vorgehen zum Teil etwas eintönig macht. Zudem verliert man in und um Karthago schon mal die Orientierung und klickt sich ein wenig hilflos durch die einzelnen Szenerien - dumm, wenn man dann an einem Weg die falsche Abzweigung nimmt und den Wachen direkt in die Arme rennt.

Fazit:
Eine neue Perle des Adventure-Genres ist Salammbo nicht, dafür ist das Gameplay auf Dauer etwas zu bieder. Angesichts der äußerst gelungenen Präsentation und der faszinierenden Hintergrundgeschichte werden Freunde klassischer Point&Click-Spiele aber trotzdem viel Spaß mit dem optisch und inhaltlich ungewöhnlichen Titel haben.  (tw)


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