Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0306/25908.html    Veröffentlicht: 12.06.2003 12:26    Kurz-URL: https://glm.io/25908

PDA und MP3-Player passen Musik auf die Herzfrequenz an

Fraunhofer IGD entwickelt Erweiterung für Anpassung mobiler Musik ans Laufen

Für viele Jogger gehört die mobile Musik mittlerweile so selbstverständlich zum Training wie ihre Laufschuhe, zumal diverse Studien gezeigt haben, dass Menschen bei Musikbegleitung entspannter, gleichmäßiger und mit tieferer Atmung laufen. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Rostock will mit dem "StepMan" nun das Problem gelöst haben, dass die eigene Lieblingsmusik meist nicht zum eigenen Laufrhythmus passt.

Das seit über einem Jahr entwickelte System ist als Erweiterung für MP3-Player und PDAs gedacht, die ebenfalls Musik abspielen können. Puls- und Blutdruckmesser sowie Beschleunigungssensoren am Jogger liefern ihre Daten an das Gerät. Je nach Geschwindigkeit und körperlicher Belastung passt eine Software das Tempo der Musik stufenlos dem Laufstil an. Die Tonhöhe ändert sich dabei nicht. Umgekehrt kann sich der Nutzer auch ein Trainingsprogramm mit Ruhephasen und Leistungsspitzen erstellen, bei dem man sich beim Laufen an die Geschwindigkeit der Musik anpassen muss.

Im stationären Betrieb soll sich der StepMan bereits bewährt haben, so Gerald Bieber, Leiter des IGD-Bereichs "Mobile Multimedia Technologien". Nun müsse das System noch an die geringere Rechenleistung mobiler Geräte angepasst werden. Darüber hinaus wollen die Forscher in Kooperation mit dem Bereich Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Rostock eine medizinische Anwendung der Technik entwickeln. Durch das Bio-Feedback sollen etwa nervöse Patienten zur Ruhe kommen.

Ein anderer Forschungsaspekt bei der Transformation von Audiosignalen in Echtzeit betreffe die Verständlichkeit von Sprache. Ein Beispiel dafür sei die "Akustische Lupe": Als Hard- oder Softwarelösung können Ansagen von Anrufbeantwortern und Mobilboxen leichter verzögert abgehört werden. Das Forschungsgebiet reicht bis an Sicherheitsaspekte in öffentlichen Gebäuden, da sich laut Bieber etwa die Frage stelle, in welcher Geschwindigkeit Warnhinweise bei einem Brand im Flughafen abgespielt werden müssten, damit sie in der jeweiligen Sprache verständlich sind.

Ab wann der StepMan marktreif ist und ob es bereits Interessenten aus der Wirtschaft gibt, gab man noch nicht an.  (ck)


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