Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0305/25582.html    Veröffentlicht: 20.05.2003 14:50    Kurz-URL: https://glm.io/25582

Linux-Verband erwägt Ausschluss von SCO

"SCOs Drohbriefe sind in jedem Fall inakzeptabel"

Der Vorstand des LIVE Linux-Verband e.V. hat jetzt in einem Schreiben die Geschäftsleitung der SCO Group aufgefordert, die für alle Verbandsmitglieder geltende Satzung zu beachten. Hintergrund sind Drohungen seitens SCO gegen Linux-Distributoren und Kunden.

Der LIVE Linux-Verband weist dabei nicht nur auf den Vereinszweck, "die Erhaltung der freien Verfügbarkeit des Betriebssystems Linux", hin, sondern auch auf die Selbstverpflichtung aller Mitglieder, "sich für die freie Verfügbarkeit von Linux als Basisbetriebssystem einzusetzen".

Man räume der SCO Group zwar das Recht ein, alle ihre Rechte jederzeit und mit selbst gewählten Mitteln zu wahren. Auch wolle man sich normalerweise nicht in Auseinandersetzungen zwischen Verbandsmitgliedern einmischen, sollten aber Verbandsinteressen direkt betroffen sein, könne sich dies ändern.

Allerdings sieht es der Vorstand des LIVE als unerlässlich an, dass alle Behauptungen über angebliche Verletzungen von Rechten der SCO Group sofort und nachvollziehbar bewiesen werden. Auch SCOs Vorgehen, Linux-Anwender anzuschreiben und ihnen ohne die Darlegung von Beweisen Rechtsverletzungen vorzuwerfen, hält der Verband für problematisch. "Diese Drohbriefe sind in jedem Fall inakzeptabel", so der Verband.

Als Konsequenz dessen fordert der Vorstand des Linux-Verbandes die SCO Group auf, kurzfristig darzulegen und durch eindeutige Beweise zu untermauern, in welchen Punkten im Betriebssystem Linux (Kern, System-Programme oder Anwendungen) die SCO Group ihre Rechte verletzt sieht. Auf einer Sitzung am 5. Juni 2003 will der Vorstand des LIVE die Stellungnahme der SCO Group bewerten. Auch ein möglicher Ausschluss der SCO Group GmbH soll bei dieser Sitzung auf der Agenda stehen, da entsprechende Anträge einiger Mitglieder des Linux-Verbandes vorliegen.

Nach einer ersten Bewertung des Justiziars des Linux-Verbandes, Rechtsanwalt Jürgen Siepmann, ist die Durchsetzung der Forderungen der SCO Group nicht sehr wahrscheinlich, da die SCO Group bis vor wenigen Wochen selbst ein eigenes Linux-Derivat entwickelt und vertrieben hat und damit dieses Produkt rechtlich verbindlich als freie Software im Sinne der GPL freigegeben hat.  (ji)


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