Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0305/25316.html    Veröffentlicht: 05.05.2003 09:22    Kurz-URL: https://glm.io/25316

E-Plus-Chef: UMTS-Start im Sommer fahrlässig

Bergheim übt Kritik an Konkurrenten

Der Chef von Deutschlands drittgrößtem Mobilfunkanbieter E-Plus übt heftige Kritik an seinen Konkurrenten. Uwe Bergheim glaubt, dass die Pläne anderer Netzbetreiber, bereits im Sommer mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS starten zu wollen, zu ehrgeizig sind.

"Ich halte es nach wie vor für fahrlässig, wenn wir jetzt auch bei UMTS weiterhin nur Ankündigungen machen und knappe Zeitpläne in die Welt setzen, die hinterher Tausende von enttäuschten Kunden zurücklassen", sagte Bergheim im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel. "Das ist falsch. Wir werden uns nicht daran beteiligen. Wir werden erst liefern, wenn das Produkt den Erwartungen der Kunden entspricht."

Ob der Start in das mobile Multimedia-Zeitalter fünf Wochen früher oder später beginne, interessiere im Zweifel niemanden. Ein schlechter Start hingegen schade der gesamten Industrie. "Wichtig ist, dass wir eine Technologie anbieten, die integer ist, und dass wir die Dienste auch wirklich funktionsfähig präsentieren. Das war in der Vergangenheit oft nicht der Fall", sagte Bergheim.

E-Plus hat den kommerziellen Start seines UMTS-Netzes erst für Anfang 2004 angekündigt. Bergheim sieht in dem späteren Start keinen Nachteil für sein Unternehmen. "Auf der Basis der Kenntnisse, die wir haben, ist ein Start im Herbst schwierig. Wir haben schließlich alle die gleichen Hersteller. Es seien nicht nur in der Netztechnik noch einige Probleme zu lösen, zweifelhaft sei auch, ob die notwendigen UMTS-Handys in breiter Auswahl rechtzeitig zur Verfügung stehen. Wir haben immer wieder erlebt, dass die Geräte nicht zu dem Zeitpunkt da sind, zu dem sie angekündigt wurden", sagte Bergheim. "Und hier haben wir die komplexeste aller Technologien vor uns. Warum sollte es jetzt, wo die Aufgabe am schwierigsten ist, zum ersten Mal in dieser Industrie pünktlich klappen?"

Auch in der Frage, wann sich UMTS auf dem Markt durchsetzt, ist Bergheim zurückhaltender als andere. "Drei bis fünf Jahre wird es wohl dauern. Ich glaube nicht, dass wir vor diesem Zeitpunkt eine breite UMTS-Verwendung sehen werden."

Spekulationen, E-Plus werde mit dem kleineren Konkurrenten O2 zusammengehen, erteilte Bergheim erneut eine Absage: "Wir wollen aus eigener Kraft wachsen." Er führe keine Gespräche mit O2. "Und es finden auch auf der Ebene von KPN keine Gespräche statt", fügte Bergheim hinzu.  (ad)


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