Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0305/25307.html    Veröffentlicht: 02.05.2003 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/25307

Spieletest: Primal - Dämonen-Action für PS2

Brillante Grafik- und Sound-Kulisse

Drei Jahre brauchte das Sony-Studio Cambridge, um mit Primal den ersten hauseigenen PS2-Titel fertig zu stellen. Die Zeit haben die Entwickler allerdings gut genutzt - vor allem optisch ist die Dämonen-Hatz ein wirklicher Augenschmaus.

Im Mittelpunkt des Spiels steht die junge Jennifer Tate (kurz "Jen"), die auf Grund eines unglücklichen Zufalls plötzlich die Möglichkeit erhält, in das Paralleluniversum Oblivion einzutreten. Oblivion ist dabei in vier Welten aufgeteilt - zwei gute und zwei böse Imperien. Allerdings droht Gefahr: Der fiese Abaddon bringt die Naturgewalten durcheinander, wirft so die Harmonie der Kräfte aus dem Gleichgewicht und lässt das Chaos regieren.

Screenshot #1
Screenshot #1
Natürlich besteht Jens Aufgabe fortan darin, Abaddon in seine Schranken zu zwingen und das Gleichgewicht der Welten wieder herzustellen. Glücklicherweise ist sie dabei nicht auf sich alleine gestellt - der kleine Gargoyle Scree steht ihr von Beginn an helfend zur Seite. Und natürlich kann Scree einiges, zu dem Jen nicht in der Lage wäre - etwa an Wänden hochkraxeln, schwere Gegenstände tragen oder Statuen bewegen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Jen ist dafür zunächst mehr für die filigranen Aufgaben zuständig und kann unter anderem an schmalen Vorsprüngen balancieren oder durch enge Felsspalten schlüpfen. Im Spiel greift man natürlich beständig auf die unterschiedlichen Charakter-Eigenschaften zurück: Per Druck auf die Select-Taste ist es jederzeit möglich, zwischen Scree und Jen zu wechseln, was bei vielen kleineren Rätseln auch nötig ist. Wenn beispielsweise die Pforte zu einer Burg verschlossen ist, muss Scree die Mauer hinauf klettern, um Jen die Tür von der anderen Seite aus zu öffnen.

Screenshot #3
Screenshot #3
In ihrer menschlichen Gestalt macht Jen als Kämpferin natürlich nicht viel her. Da in ihr aber nicht nur menschliche, sondern auch dämonische Gene schlummern, ist sie in der Lage, verschiedene alternative Formen anzunehmen, um sich so der Monster-Brut in den Weg zu stellen. In jeder der vier Welten greift sie dabei auf andere Mittel zurück: Im Unterwasser-Level etwa ist sie in der Lage zu schwimmen und unter Wasser zu atmen, in anderen Bereichen bekommt sie auf einmal scharfe Krallen oder kann höher springen. Für die Transformationen benötigt sie allerdings Dämonen-Energie, und auch hier kommt wieder Scree ins Spiel - der erweist sich unter anderem durch das Einsammeln von Seelen als hilfsbereiter Energie-Lieferant.

Screenshot #4
Screenshot #4
Nicht nur Jen sieht in jeder Welt anders aus, auch die Umgebungen wechseln ihr Erscheinungsbild. Allen Welten gemeinsam ist dabei die optische Brillanz - Primal sieht über weite Strecken wirklich beeindruckend gut aus. Lichtverhältnisse werden in Echtzeit berechnet, zusätzliche Spezialeffekte wie Regen und Schnee sowie herumwehende Blätter und Stoffe lassen die Level noch lebendiger wirken. Zudem gibt es mehr als drei Stunden hervorragend synchronisierte Videosequenzen und einen Soundtrack-Mix aus bombastischer Klassik und heftigem Rock.

Screenshot #5
Screenshot #5
Das Gameplay steht dem allerdings ein bisschen nach - hier ist eher Hausmannskost angesagt. Die meiste Zeit prügelt sich Jen mit den diversen Feinden, die automatisch anvisiert und dann mit den vier Schultertasten auf unterschiedliche Art und Weise traktiert werden - das Austüfteln bestimmter Taktiken ist eigentlich nie nötig. Und auch die Schwierigkeit der Rätsel ist eher niedrig. Mehr als die typischen Schalter-Aufgaben sind selten zu lösen, Primal richtet sich also vor allem an Action-Einsteiger. Auch die werden sich allerdings wenig erfreut darüber zeigen, dass sie stellenweise minutenlang durch die riesigen Level irren und unnötig Zeit beim Zurücklegen der weiten Strecken verbringen.

Fazit:
Primal hält leider inhaltlich nicht ganz, was das bombastische Äußere verspricht - spätestens nach den ersten zwei, drei Spielstunden wird man sich etwas intelligenter vorgehende Gegner oder raffiniertere Rätsel wünschen. Gute Unterhaltung ist dank der zum Teil grandiosen Präsentation trotzdem sichergestellt - nur hätte aus Primal mit etwas mehr Fein-Tuning noch deutlich mehr werden können.  (tw)


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