Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0302/24144.html    Veröffentlicht: 24.02.2003 10:58    Kurz-URL: https://glm.io/24144

Spieletest: Unreal 2 - Das erwartete Action-Wunderwerk?

Hardware-hungrige und abwechslungsreiche Action

Der erste Unreal-Teil setzte vor gut vier Jahren Maßstäbe - Grafik, Atmosphäre und Gameplay waren derart beeindruckend, dass das Spiel nicht nur sehr schnell zum Bestseller avancierte, sondern auch heute noch zu den besten PC-Spielen überhaupt zählt. Dementsprechend hoch waren natürlich auch die Erwartungen an den zweiten Teil. Nachdem unsere Test-Version - leider mit einiger Verspätung - endlich eingetroffen ist, konnten auch wir uns von den zahlreichen Qualitäten von Unreal 2 überzeugen.

Die Hintergrundgeschichte mischt Altbekanntes mit ein paar neuen Ideen. In der Rolle von John Dalton wird man auf ein Forschungsschiff namens Atlantis entsandt, das eigentlich nur zu relativ unspektakulären Überwachungsdiensten eingesetzt wird. Natürlich kommt aber mal wieder alles ganz anders als geplant, denn ein paar Alien-Artefakte, die für eine ganze Reihe von außerirdischen Völkern von unschätzbarem Wert sind, bieten genug Konfliktstoff für zahlreiche und im ganzen Weltall verstreute Einsatzpunkte.

Screenshot #1
Screenshot #1
Bei der Gestaltung der Missionen haben sich die Entwickler sichtlich Mühe gegeben, möglichst viel Abwechslung zu bieten: Man kämpft nicht nur in Genre-typischen Raumstationen und Forschungslaboren, sondern muss auch mal nachts durch ein tropisches Sumpfgebiet, auf einen verschneiten Mond oder direkt in den Magen einer riesigen Lebensform hinein. Die Außenareale sind dabei sicherlich optisch beeindruckender als die Gänge, Höhlen und Räume, allerdings verbringt man mehr Zeit im Inneren als im Freien.

Screenshot #2
Screenshot #2
Auch an den verschiedensten Gegnern und Lebewesen herrscht kein Mangel: Die flinken und aggressiven Skaarj kennt man bereits aus dem ersten Teil, neu sind die auf allen vieren krabbelnden Izarianer oder die bunten Riesenspinnen, aber auch andere Saurier, Echsen, giftsprühende Pflanzen und fliegende Riesenbakterien wollen erlegt werden. Hilfreich dabei ist das große Waffenarsenal, das für jeden Gegner die passende Antwort zu bieten hat. Neben der schwachen, aber immer geladenen Streupistole gibt es unter anderem eine Schrotflinte, ein Maschinengewehr, einen Granat- und einen Raketenwerfer sowie den besonders beeindruckenden Flammenwerfer.

Screenshot #3
Screenshot #3
Nach jeder Mission kehrt man zur Atlantis zurück und hat Zeit, mit ihrer Crew ein paar Worte zu wechseln, was man unbedingt auch tun sollte: Waffen-Ingenieur Issak versorgt einen mit praktischen Tipps zu sämtlichem Feuergerät, Kommandantin Aida beeindruckt nicht nur mit informativen Missions-Hinweisen, sondern auch mit teilweise recht zynischem Humor, und Kapitän Ne'Ban erinnert mit seiner verschrobenen und wirren Art ein wenig an den Star-Trek-Androiden Data.

Screenshot #4
Screenshot #4
Rätsel gibt es - abgesehen vom üblichen Knöpfe-Drücken - kaum, dennoch ist man nicht nur mit Ballern beschäftigt. Mal müssen elektronische Barrieren errichtet und dazu Pfosten aufgestellt werden, dann wieder kann man ein Team von Gefährten durch simple, per Tastendruck gegebene Befehle zur richtigen Stelle kommandieren. An wenigen Stellen ist auch ein wenig Geschick gefragt, um gefährliche Strahlen durch gekonnte Sprünge zu umgehen.

Screenshot #5
Screenshot #5
Unreal 2 gaukelt einem des Öfteren vor, dass man durch bestimmtes Handeln den Spielverlauf beeinflussen könnte. An einer Stelle findet man etwa ein feindliches Funkgerät und kann über dieses mit dem General der gerade bekämpften Gegner kommunizieren. Welche Antwort man gibt, ist allerdings egal - der General findet in jedem Fall heraus, dass es sich bei Dalton um einen Eindringling handelt.

Das Spiel ist also fast vollkommen linear, was allerdings den Vorteil hat, dass man nur selten an einer bestimmten Stelle im Spiel hängen bleibt, der nächste Schalter oder die gesuchte Tür findet sich fast immer "direkt nebenan". Wirklich einfach ist Unreal 2 dennoch nicht, vor allem die Boss-Gegner fordern einem selbst auf dem einfachsten der drei Schwierigkeitsgrade schon einiges ab. Trotzdem ist die Spieldauer relativ kurz, geübte Spieler können die Endsequenz wohl schon nach weniger als 15 Stunden zu sehen bekommen.

Screenshot #6
Screenshot #6
Unreal 2 verwendet prinzipiell dieselbe Engine, die schon bei Unreal Tournament 2003 zum Zuge kam, allerdings wurde diese in einigen Punkten noch verbessert und modifiziert, so dass Unreal 2 doch deutlich schöner aussieht. Vor allem viele Effekte sind beachtlich: Feuerbälle und Explosionen sind beeindruckend, Wettereffekte wie Schnee, Regen und Nebel werden ebenfalls sehr realistisch dargestellt. Neue Maßstäbe werden hier aber definitiv nicht gesetzt.

Screenshot #7
Screenshot #7
Bei der Synchronisation ist man stellenweise leider etwas ungenau vorgegangen, oft stimmt das gesprochene Wort mit dem dargestellten Text nicht überein, die Stimmen der Synchron-Sprecher klingen darüber hinaus ein wenig unmotiviert, und in den Menüs wundert man sich stellenweise über das gebotene Englisch-Deutsch-Kauderwelsch. Ein weiterer störender Fehler: Relativ häufig im Spiel erhält man die Information "Neues Ziel", wenn man den Missionsplan allerdings aufruft, zeigt der "No current objectives" an.

Unreal 2 ist äußerst Hardware-hungrig. Wer den Titel bei 1.024 x 768 und zumindest mittlerer Detail-Stufe spielen will, sollte über eine GeForce4Ti bzw. Radeon 9500 Pro/9700 und einen mehr als 2 GHz schnellen Prozessor verfügen, begnügt man sich mit 640 x 480 Bildpunkten und geringen Details, reicht auch ein PC mit 1-GHz-Prozessor und GeForce2. Zudem sollte man über 384 MB RAM verfügen, den äußerst langen Ladezeiten wird man auch dann allerdings kaum entrinnen können.

Fazit:
"Enttäuschungen sind immer nur das Ergebnis zu hoher Erwartungen" - vielleicht ist genau das der Grund, dass Unreal 2 nicht vollkommen begeistern kann. Die Grafik ist beeindruckend, die Missionen abwechslungsreich, die Gegner- und Waffenvielfalt beachtlich. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kann Unreal 2 allerdings keine neuen Maßstäbe setzen - das Spiel bietet prinzipiell nur Bekanntes, das aber in sehr schöner Form. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Titel der derzeit beste erhältliche Shooter ist, zumindest bis zur Veröffentlichung von Doom 3 ist Unreal 2 der Genre-Thron also sicher.  (tw)


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