Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0302/24013.html    Veröffentlicht: 17.02.2003 17:41    Kurz-URL: https://glm.io/24013

Xbox-Linux-Projekt bittet Microsoft um Unterstützung

Open-Source-Team schreibt offenen Brief an Microsofts Xbox-Team

In einem recht direkten, nicht ganz ernst gemeinten offenen Brief an Microsofts Xbox-Abteilung haben die Mitglieder des Xbox-Linux-Projekts das Redmonder Unternehmen erneut um Unterstützung gebeten. Um bei negativ denkenden Personen nicht in den Verdacht zu geraten, neben dem Betriebssystem-Markt auch im Spielekonsolen-Bereich ein Monopol aufzubauen, sollte Microsoft laut dem offenen Brief doch die freie Nutzung der Xbox fördern.

Konkret geht es in dem offenen Brief darum, dass sich das Xbox-Linux-Team dazu bereit erklären würde, etwa nach dem Unterzeichnen einer Vertraulichkeitserklärung Informationen darüber zu erhalten, wie man den Xbox-Linux-Bootloader signieren und damit auch ohne Austausch des normalen Xbox-BIOS zum Laufen bringen könnte. Allerdings schließt das Xbox-Linux-Team gleich aus, Verträge zu unterzeichnen, die das Reverse Engineering der Xbox untersagen würden.

Alternativ könnte Microsoft aber auch den Bootloader für das ambitionierte Linux-Projekt signieren, schlägt man in dem offenen Brief vor. Da man ein Open-Source-Projekt mit geringen finanziellen Mittel betreibe, sollte die Signierung doch mit geringem Aufwand und nur für ein paar hundert Dollar möglich sein. Damit würde dann das Problem auch gelöst und Microsoft könnte am Ende sogar selbst die vom MP3.com- und Lindows-Gründer Michael Robertson ausgelobte Belohnung einstreichen. Wer es schafft, das Xbox Linux auf einer nicht modifizierten Xbox zum Laufen zu bringen, kann dabei bis zu 100.000,- US-Dollar Belohnung erhalten.

Einen Erfolg des offenen Briefes wird man selbst nicht erwarten, denn im Gegensatz zu Sonys PlayStation 2, für die es ein Linux-Entwicklerkit mit Festplatte und Eingabegeräten zu kaufen gibt, wird Microsoft eher sehr wenig daran liegen, Linux auf der Xbox zu sehen. Zudem werden die dadurch mehr verkauften Xbox-Konsolen nicht unbedingt in mehr verkauften Spielen münden, womit die Hersteller von Spielekonsolen ihre Entwicklungs- und Produktionskosten zum Teil einstreichen.

Dennoch gewinnt die ganze Plattform dadurch an Interesse, etwa durch verschiedene private Projekte, welche die Xbox zum MP3- und DivX-fähigen Medienwiedergabegerät oder mit angeschlossener USB-MPEG2-Encodern zum Digitalvideorekorder umstricken wollen. Schade nur, dass die großen Hersteller sich für solche Projekte bisher nicht erwärmen konnten - allen eigenen Bekundungen zum Trotz, das Zusammenwachsen von PC und Heimelektronik zu unterstützen.

Dass das Interesse groß ist, die auf einem 733-MHz-PC-Prozessor basierende Xbox für andere Zwecke als nur zum Spielen zu nutzen, beweisen die Zahl der Downloads etwa der kostenlosen Mandrake-basierten Xbox-Linux-Distribution. Seit Oktober 2002 soll diese über 83.000-mal heruntergeladen worden sein, obwohl es sich um einen 350-MByte-Download handelt, zu dessen Betrieb eine umgebaute Xbox mit Modchip bzw. einem alternativen Xbox-BIOS nötig ist.

"Wir warten auf Antwort, welche nächsten Schritte wir unternehmen sollen, um diese wirklich innovative, von Microsoft-abgesegnete Xbox-Linux-Distribution zu veröffentlichen", verbleiben die Xbox-Linux-Team-Mitglieder Michael Steil, Milosch Meriac und Andy Green abschließend in dem offenen Brief an Microsoft.  (ck)


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