Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0212/23068.html    Veröffentlicht: 11.12.2002 10:49    Kurz-URL: https://glm.io/23068

Test: Tungsten T - erster PDA mit neuem PalmOS 5 (Update)

Tungsten T mit 144-MHz-ARM-Prozessor, Bluetooth und transflektivem Farb-Display

Mit dem Tungsten T bringt Palm den ersten verfügbaren PDA mit dem neuen PalmOS 5 auf den Markt, der nun nicht mehr mit einem Dragonball-Prozessor, sondern mit einer ARM-CPU arbeitet. Das macht den Tungsten T zum schnellsten PalmOS-Gerät auf dem Markt, kostet aber auch empfindlich viel Akkuleistung. Zu den weiteren Besonderheiten des PDAs mit Farb-Display zählt ein 5-Wege-Navigationsknopf und ein integriertes Bluetooth-Modul, um drahtlos Kontakt zu anderen Bluetooth-tauglichen Geräten aufzunehmen. Im Test wurden bereits die ersten kleinen Software-Helferlein speziell für den Tungsten T gewürdigt, die zum Teil dringlich benötigte (Komfort-)Funktionen nachliefern.

Tungsten T
Tungsten T
Mit PalmOS 5 halten ARM-Prozessoren Einzug in die PalmOS-Welt, denn das neue PDA-Betriebssystem arbeitet ausschließlich mit dieser Plattform und nutzt nicht mehr die bisherigen Dragonball-CPUs von Motorola. Der Tungsten T kommt mit dem OMAP1510-Prozessor von Texas Instruments auf eine Taktrate von 144 MHz, in dem ein ARM9-Kern sowie ein DSP-Chip für Grafik, Sound und Schnittstellen steckt. Auch wenn die Dragonball-Prozessoren in die Jahre gekommen sind, erfüllen sie die üblichen PDA-Funktionen nach wie vor mit ordentlicher Geschwindigkeit und gehen nur bei rechenintensiven Multimedia-Aufgaben in die Knie. Sony hat seinen MP3- und Video-fähigen Clié-Modellen daher passende Decoder-Chips spendiert, um entsprechende Multimedia-Dateien abspielen zu können. Der Tungsten T schafft das ganz ohne Zusatz-Chips, wie erste Audio-Player beweisen, wie etwa der kostenpflichtige PocketTunes oder die Freeware AeroPlayer zur Wiedergabe von Ogg-Vorbis-Dateien. Der erste MP3-Player lässt noch auf sich warten, wurde aber bereits von Real angekündigt. Zum Lieferumfang zählt solche Software - anders als bei Sony - hingegen nicht.

Als auffälligste Neuerung besitzt der Tungsten T einen Knopfbereich mit Navigationstaste und den üblichen vier Hardware-Buttons über dem Graffiti-Feld, der sich aufschieben lässt und so das Graffiti-Feld zur Nutzung freilegt. Damit fällt der Neuling in geschlossenem Zustand mit 102 x 75 x 15 mm etwas kleiner, aber auch ein wenig dicker aus als ein Palm Vx oder m515. Das solide Metall-Plastik-Gehäuse verleiht dem Gerät eine recht hohe Wertigkeit, auch wenn sich zwangsläufig die Frage aufdrängt, wie der Schiebemechanismus auf Dauer mit Schmutz und Staub klarkommt. Auch wenn der aufgeschobene Knopfbereich bei Nutzung des Graffiti-Feldes nicht stört, muss man sich erst an das Schiebeverfahren gewöhnen. Wer sich partout nicht damit anfreunden kann, findet mit NewPen und Graffiti Anywhere bereits zwei verschiedene kostenlose Tools, die das gesamte Display zum Graffiti-Feld machen und sich nur in der Aktivierung des Display-Graffitis unterscheiden.

Mit geöffneter Klappe
Mit geöffneter Klappe
Vollends überzeugen kann nach mittlerweile drei Anläufen endlich das in einem Palm-PDA verwendete Transflektiv-Display: War das Farb-Display im m505 noch eine große Enttäuschung, entsprach der Transflektiv-Bildschirm im m515 den Gebrauchserwartungen. Das Tungsten-Display räumt nun auch die letzten Kritikpunkte beiseite und erreicht damit das Qualitäts-Niveau der vorbildlichen Sony-Modelle. Das Display mit 65.536 Farben ist sehr gleichmäßig und kräftig ausgeleuchtet, wobei sich die Helligkeit wieder stufenlos regeln lässt, jedoch nur mit geringen Abstufungen. So leuchtet selbst die niedrigste Stufe noch sehr stark, was bei dunkler Umgebung etwas unpraktisch ist. Bei hellem Tageslicht kann man hingegen komplett auf die Beleuchtung verzichten, was wertvollen Akkustrom spart. Der positive Eindruck des Tungsten-Displays wird noch dadurch verstärkt, dass PalmOS 5 die hohen Auflösungen von 320 x 320 Bildpunkten unterstützt, was bisher ausschließlich in den Clié-Modellen von Sony zu finden war. Unverständlich bleibt, warum Palm auch beim Tungsten T das Graffiti-Feld wieder unbeleuchtet lässt, wo der m505 vorgemacht hat, welchen Nutzen dies in dunkler Umgebung bringt.



Kein Ruhmesblatt verdient sich Palm hingegen mit der mitgelieferten Display-Abdeckung, die aus durchsichtigem Hart-Plastik besteht und zum Display-Schutz an der Vorderseite festgeschnappt wird. Zum Lösen des Deckels benötigt man beide Hände und muss den Deckel dann erst irgendwo verstauen oder diesen an der Gehäuserückseite befestigen. Das bleibt weit hinter dem Komfort eines am PDA befestigten Klappdeckels zurück, womit man den mobilen Begleiter mit nur einer Hand in Windeseile öffnen und benutzen kann. Immerhin wurde eine Aussparung für den neuen Navigationsknopf im Deckel vorgesehen, um über diesen auf Daten zugreifen zu können, ohne den PDA vom Deckel befreien zu müssen.

Tungsten T
Tungsten T
Bei der Speicherbestückung geht Palm altbekannte Wege, so dass der Neuling 16 MByte RAM und 8 MByte Flash-ROM für Betriebssystem-Updates besitzt. Allerdings stehen dem Nutzer nicht - wie üblich - die vollen 16 MByte Speicher zur Verfügung, weil 2 MByte reserviert sind und nur 14 MByte verbleiben. Immerhin lässt sich der Speicher über den SD-Card-Steckplatz mittels SD-Karten oder Multimedia-Cards (MMC) erweitern. Leider verzichtet Palm erneut auf einen ordentlichen Dateimanager, so dass man auf die Standard-Aktionen im Programmstarter angewiesen ist, um Dateien auf und von der Karte zu kopieren, zu löschen oder zu verschieben. Durch die Unterstützung des SDIO-Standards lassen sich auch Funktionserweiterungen über SD-Karten realisieren - so wurde in den USA eine Mini-Digitalkamera angekündigt.

Schon beim ersten Hochfahren des Tungsten T begeistert die hohe Geschwindigkeit, denn der Boot-Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Besonders auffällig ist die Geschwindigkeitssteigerung beim Aufruf von Applikationen, was auf einem Dragonball-Gerät schon mal ein bis zwei Sekunden dauern kann, während der Neuling jede Software ohne die geringste Verzögerung auf den Bildschirm bringt. Innerhalb der Applikationen bemerkt man die hohe Rechengeschwindigkeit im Grunde nicht, weil auch die Dragonball-Modelle flink und zügig zu Werke gehen. Bei rechenintensiven Aufgaben wie etwa Routenplanung oder Ähnlichem macht sich die höhere Prozessorleistung hingegen sehr deutlich bemerkbar. Der Benchmark Speedy belegt den Geschwindigkeitsvorsprung gegenüber PalmOS 4.x dann auch überdeutlich: Hielten zwei Top-Modelle aus der Clié-Reihe von Sony bislang mit 52 bis 54 Punkten die Geschwindigkeitskrone, wurden sie vom Tungsten T überdeutlich mit 255 Punkten deklassiert.

Geschlossen mit Cradle
Geschlossen mit Cradle
Für einen möglichst unproblematischen Wechsel von der Dragonball-Plattform zur ARM-Familie erhielt das neue PalmOS 5 eine Emulationsschicht, in der alle PalmOS-Applikationen laufen, die noch nicht an PalmOS 5 angepasst sind. Durch eine nahtlose Integration bemerkt der Anwender keinerlei Unterschied, ob er eine an PalmOS 5 angepasste Software oder eine "alte" Applikation ausführt. PalmSource, die Entwickler von PalmOS, versprechen, dass die meisten sauber geschriebenen, bisherigen Applikationen auch unter PalmOS 5 ohne Schwierigkeiten laufen. Im Test bestätigte sich dieses Bild, was jedoch auch bedeutet, dass sich einige Applikationen derzeit nicht mit dem Tungsten T vertrugen, wie etwa AvantGo, Plucker oder FunSMS. (Nachtrag: Das aktualisierte FunSMS 3.3 soll sich nun mit dem Tungsten T vertragen.) Es fiel auf, dass sich der Neuling insgesamt etwas instabiler als ein PalmOS-4-Gerät verhielt. Dies könnte mit Unverträglichkeiten "alter" Software, aber auch mit Programmfehlern im Betriebssystem zusammenhängen. Zumindest ein schwerwiegender Bug konnte im Test lokalisiert werden: Wenn sich mehr als 345 Dateien im Speicher des PDAs befinden, kommt es zu einem Absturz, sobald Funktionen wie Kopieren, Übertragen oder Löschen aus dem Menü im Programmstarter aufgerufen werden. Eine Stellungnahme über einen möglichen, geplanten Patch war bis Redaktionsschluss von Palm nicht zu bekommen. Mit dem Wechsel der Prozessor-Plattform wurde mit 128-Bit-Verschlüsselung, Sound-Verbesserung, Bluetooth- und WLAN-Unterstützung einiges unter der Haube von PalmOS getan, während auffällige Änderungen an den Standard-PalmOS-Programmen ausbleiben.



Graffiti-Feld
Graffiti-Feld
Die beliebten Hacks, um neue Funktionen in das Betriebssystem zu integrieren, wurden mit PalmOS 5 in Ruhestand geschickt und funktionieren damit nicht mehr. Als Kompensation implementierte PalmSource entsprechende Systemaufrufe, die eine saubere Einbindung solcher Erweiterungen in das Betriebssystem ermöglichen. So steht bereits die Freeware PLZFix in einer Version für PalmOS 5 bereit, die einen uralten Fehler im PalmOS-Adressbuch bereinigt. Denn auch das aktuelle PDA-Betriebssystem zeigt immer noch in Adressen zuerst den Wohnort und anschließend die PLZ an und nicht umgekehrt, wie es etwa in Deutschland üblich ist. Aber auch das beliebte Shareware-Tool McPhling erschien bereits in einer angepassten Version. Mit Hilfe des kostenpflichtigen TealMaster 2.0 lassen sich einige Hacks dennoch unter PalmOS 5 nutzen, wozu die Software die neuen Systemaufrufe verwendet. Daher sollte man hier auch keine Kompatibilitätswunder erwarten, denn viele Hack-Erweiterungen können auch damit nicht unter PalmOS 5 betrieben werden.

Mit dem Tungsten T erhielt erstmals ein so genannter 5-Wege-Navigationsknopf Einzug in die PalmOS-Welt, während solch ein Bedienelement bei WindowsCE-PDAs seit langem gang und gäbe ist. Der Navigationsknopf löst die bislang üblichen Hoch-Runter-Tasten der PalmOS-Geräte ab und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Objekte auf dem Bildschirm nach links und rechts zu bewegen, während sich in der Mitte ein Druckknopf für die Objekt-Auswahl befindet. Dank einer vorbildlichen Einbindung in das PalmOS mutiert das Bedienelement zu einem wahren Multitalent, mit dem man viele Bedienschritte ohne Stift und Graffiti-Feld absolviert. Dies gilt natürlich nur für Programme, die daran angepasst wurden, was viele Drittanbieter bereits erledigt haben oder aber planen.

Tungsten T
Tungsten T
Auch der Programmstarter wurde an den Navigationsknopf angepasst und lässt sich darüber mit einem Cursor steuern, um die gewünschte Applikation auszuwählen und zu starten. Drückt man den Navigationsknopf in der Mitte, öffnet sich das Kategorienmenü für den Wechsel zu einer anderen Programm-Kategorie. Pfiffig, dass man aus jeder Applikation heraus zum Programmstarter springt, indem man den Navigationsknopf einige Sekunden gedrückt hält. Weitere Verbesserungen im Programmstarter blieben leider aus, so dass sich Applikationen auf Speicherkarten immer noch nicht kategorisieren lassen, was hingegen die meisten alternativen, meist kostenpflichtigen Programmstarter beherrschen. An die Navigationstaste wurden zudem viele PalmOS-Standardprogramme angepasst, so dass man damit im Adressbuch, Kalender, den Aufgaben und Merkzetteln seitenweise scrollen, einzelne Einträge selektieren, öffnen und auch wieder schließen kann. Aufgaben werden durch Druck auf den Navigationsknopf abgehakt und im Kalender öffnet man so den Notizbereich eines Eintrags. Schließlich kann man im Kalender auch tageweise respektive wochenweise bei entsprechend gewählter Ansicht vor- und zurückspringen. Eine vorbildliche Einbindung des Navigationsknopfes erhielt auch bereits der beliebte alternative Terminplaner DateBk5.

Im Adressbuch kann man in der Listenansicht bis zu fünf Buchstaben mit dem Navigationsknopf eingeben, um leichter einen Eintrag auszuwählen, ohne den Stift zu zücken. Stark überarbeitet und vereinfacht wurde das Versenden von E-Mails und Kurzmitteilungen sowie der Anruf aus dem Adressbuch heraus. So erscheinen zu einem geöffneten Adresseintrag alle eingetragenen Kommunikationsarten (Anruf, SMS oder E-Mail), die man leicht mit dem Navigationsknopf auswählt und in Verbindung mit einem Handy nutzt. Während bei der Auswahl einer Telefonnummer das Handy sofort beginnt zu wählen, werden auf dem PDA bei Auswahl von E-Mail oder SMS die zugehörigen Applikationen gestartet. Wer auf die Stiftbedienung nicht verzichten möchte, findet mit der neuen Option "Tippwahl" die passende Antwort: Hier genügt es, auf die Telefonnummer, Handy-Nummer oder E-Mail-Adresse in einem geöffneten Kontakt zu tippen, um die betreffende Person anzurufen respektive an diese eine SMS oder E-Mail zu versenden.



Leider lassen sich weder Kategorien noch Menüs nur mit dem Navigationsknopf aufrufen, so dass man in solchen Fällen etwa im Adressbuch, bei den Merkzetteln oder der Aufgabenliste immer wieder zum Stift greifen muss. Sobald das Menü oder die Kategorienübersicht geöffnet ist, lassen sich diese jedoch hervorragend über den Navigationsknopf steuern. Zur Behebung dieser kleinen Unzulänglichkeit steht mit OKey mittlerweile eine passende Freeware bereit.

Dialer von Tungsten T
Dialer von Tungsten T
Als erstes PalmOS-Modell besitzt der Tungsten T neben einer Infrarotschnittstele auch ein integriertes Bluetooth-Modul, um mit entsprechend ausgerüsteten Geräten drahtlos in Kontakt zu treten. Dafür legt Palm auch einen Schwung passender Software bei, die zum Großteil von der mitgelieferten CD nachinstalliert werden muss. Dazu gehört auch die Software TelKonfig, mit der man die Verbindung zwischen dem Tungsten T und zahlreichen Handy-Modellen einschließlich der GPRS-Funktion leicht konfiguriert, was mit dem im Test verwendeten Nokia 7650 reibungslos funktionierte. Darüber ließen sich dann drahtlos E-Mails versenden und empfangen, Kurzmitteilungen versenden oder Webseiten abrufen. Aber auch die Wahl von Telefonnummern aus dem PalmOS-Adressbuch war ein Kinderspiel. Die manuelle Wahl von Telefonnummern übernimmt die Software "Wählen", die auch zehn Kurzwahltasten kennt, um häufig zu wählende Nummern ablegen zu können. Allerdings glänzt die Kurzwahl durch absoluten Komfort-Verzicht, denn alle Eintragungen müssen von Hand erledigt werden, weil keine Verknüpfung mit dem PalmOS-Adressbuch besteht.

Geöffnet in Cradle
Geöffnet in Cradle
Für das Surfen im Internet legt Palm den nachträglich zu installierenden Web-Browser Web Pro bei, der 800 KByte Speicher belegt. Wie auch bei den anderen Web-Browsern für PalmOS formatiert ein vorgeschalteter Proxy die Webseiten für die kleinen Displays um. Web Pro unterstützt Cookies und JavaScript, besitzt eine Lesezeichen-Verwaltung sowie einen Verlauf, kann Webseiten auf dem PDA abspeichern und kennt eine Auto-Vervollständigung.

Beim Öffnen einer URL sowie bei der Festlegung der Startseite hilft Web Pro bei der Eingabe der Internet-Adressen durch vorgegebene Knöpfe, wie "http://", "www" oder ".com" sowie ".html", die zur Eingabe nur angetippt werden müssen. Unverständlicherweise wurde diese nützliche Funktion nicht in die Lesezeichen integriert, so dass hier mehr Handarbeit anfällt. Auch gestaltet sich der Aufruf der Lesezeichen über das Menü recht umständlich, was der Handspring-Browser Blazer mit den übersichtlichen Lesezeichen-Knöpfen wesentlich besser hinbekommt. Für die Darstellung von WAP-Seiten legt Palm einen separaten WAP-Browser bei, der für die Anzeige von WAP-Seiten über 1 MByte Speicher auf dem PDA benötigt.



Auf der Palm-CD liegt auch das E-Mail-Programm VersaMail 2.0, das den Zugriff auf POP3- sowie IMAP-Postfächer erlaubt, acht Mail-Konten verwaltet, Filter kennt und mit Dateianhängen umgehen kann, die allerdings nicht größer als 2 MByte sein dürfen. Zu den unterstützten Anhängen zählen alle PalmOS-Formate sowie HTML-Seiten, aber auch Word-Dokumente, die über einen mitgelieferten Viewer angezeigt werden. Ist ein Bildbetrachter installiert, lassen sich auch empfangene Bilder aus der E-Mail heraus anzeigen. Die Anhänge können dabei auf einer Speicherkarte abgelegt und auch von dieser versendet werden. Beim Datenaustausch zwischen PDA und Desktop-Rechner kann VersaMail auch direkt auf POP3- oder IMAP-Postfächer zugreifen, so dass man dazu keines der direkt unterstützten Mail-Clients Outlook, Outlook Express oder Eudora verwenden muss.

Ein absolutes Trauerspiel hinterließ die von Palm mitgelieferte SMS-Applikation: Wie schon die Vorversion verträgt sich das Programm immer noch nicht mit deutschen Umlauten. Sobald diese in einer Kurzmitteilung verwendet werden, lässt sich eine SMS zwar ohne Probleme versenden, kann aber auf vielen Handy-Modellen nicht angezeigt werden. Eher als kleine Spielerei liegen die beiden Progrämmchen BlueBoard und BlueChat bei, um mit einem anderen Bluetooth-tauglichen PalmOS-PDA zu chatten oder gemeinsam an einer Skizze zu zeichnen.

Sprachnotizen
Sprachnotizen
Ferner erhielt der Tungsten T die Möglichkeit, Sprachnotizen aufzunehmen, wofür sogar ein spezieller Knopf an der linken Gehäuseseite integriert wurde, über den man sofort mit der Aufnahme beginnen kann. In der Nähe findet man auch das angenehm empfindliche Mikrofon, das unterhalb der Kopfhörerbuchse sitzt. Die recht speicherintensiven Sprachnotizen im WAV-Format können auf einer Speicherkarte abgelegt werden und auch von dort wiedergegeben werden, was über den integrierten Lautsprecher oder die Kopfhörerbuchse geschieht. Nach einer Aufnahmezeit von einer Minute schaltet das Display automatisch ab, um Akkustrom zu sparen, woraufhin eine blinkende LED signalisiert, dass der mobile Begleiter noch in Betrieb ist. Außerdem wurde eine Alarm-Funktion für die einzelnen Sprachnotizen integriert, um diese zu einer bestimmten Uhrzeit automatisch zu spielen oder aber daran zu erinnern.

Eine weitere Neuerung findet sich in zahlreichen PalmOS-Applikationen wie etwa dem Adressbuch, dem Kalender, den Merkzetteln, den Aufgaben, den Sprachnotizen und dem Programmstarter. Darin lassen sich einzelne Einträge oder auch ganze Kategorien nun zusätzlich zu Infrarot bequem über Bluetooth, E-Mail oder auch SMS versenden, auch wenn der SMS-Versand wohl nur in wenigen Fällen Sinn ergibt. Die beiliegende Office-Suite Documents To Go 5.0 wurde aktualisiert, an den Navigationsknopf angepasst und besteht aus den Komponenten WordToGo, SheetToGo und SlideShowToGo, um Word- und Excel-Dateien sowie PowerPoint-Präsentationen auf dem PDA übertragen und bearbeiten zu können. Zum Lieferumfang gehört neben der bekannten E-Book-Software Palm Reader auch die Datenbank-Software MobileDB, ein einfaches Bildprogramm sowie ein erweiterter Taschenrechner.



Geöffneter Graffiti-Bereich
Geöffneter Graffiti-Bereich
Auch die Einstellungen wurden komplett überarbeitet, zeigen sich wesentlich aufgeräumter und lassen sich über den Navigationsknopf steuern. Hier legt man auch fest, ob sich der Tungsten T automatisch ein- oder ausschaltet, wenn die Graffiti-Klappe geöffnet oder geschlossen wird. Größere Änderungen gab es bei der Konfiguration der Alarmtöne, die nun aus zwei vordefinierten Sets und einem individuell einstellbaren Set besteht. Hier weist man den fünf Hardware-Knöpfen einschließlich der Aufnahmetaste auch beliebige Programme zu, sofern diese sich im RAM-Speicher befinden. Mit Applikationen, die sich auf einer Speicherkarte befinden, funktioniert das leider immer noch nicht. Abhilfe schafft hier der alternative, kostenpflichtige Programmstarter Launcher X, der dies über Shortcuts realisiert. Über das neue Sternchen-Symbol im Graffiti-Bereich erreicht man nun aus jeder Applikation die Einstellungen, weswegen das bisher an dieser Position zu findende Taschenrechner-Feld verschwand.

Auch an der LED-Alarmfunktion veränderte sich trotz heftiger Kritik nichts. Bei einem Alarm blinkt die LED nur dreimal kurz auf, was man leicht übersieht, wenn man nicht zufällig in diesem Moment auf den mobilen Begleiter schaut. Wenn die LED nach dem Erinnerungsalarm ständig bis zu einer Bestätigung blinken würde, genügte ein kurzer Blick auf den PDA, um die Erinnerung zu bemerken. Als weitere Alarme stehen Klingeltöne und ein recht kräftiger Vibrationsalarm zur Wahl, den man deutlich merkt, wenn der Tungsten T etwa in der Hosen- oder Hemdtasche residiert.

Stift
Stift
Beim Stiftmechanismus ging Palm einen ganz neuen Weg, der durch seine Einfachheit begeistert. Auf Grund der geringen Bauhöhe des Geräts schrumpft natürlich auch der Platz für einen Stiftschacht. Um nicht zwangsläufig einen kurzen Stift beilegen zu müssen, wurde ein Spring-Mechanismus in den gut in der Hand liegenden Metallstift integriert, der diesen um rund 1 cm verlängert und gleichzeitig die Mechanik liefert, um ihn aus dem Stift-Schacht des Tungsten T zu befreien. Außerdem erhielt der Stift eine dünnere Kunststoffspitze, um bei Bedarf bequem den auf der Rückseite des PDAs befindlichen Reset-Knopf auslösen zu können.

Noch auf der PalmSource-Entwicklerkonferenz in Berlin in diesem Jahr hat PalmSource als Entwickler von PalmOS 5 zugesichert, dass sich die Akkulaufzeiten durch den Wechsel auf die ARM-Plattform nicht verringern werden. Dieses hehre Ziel verfehlt der Neuling dann überdeutlich. Erreichte das jüngste PDA-Mitglied m515 aus Palms Stall noch Akku-Laufzeiten von 4 Stunden bei maximaler Beleuchtung, 7 Stunden mit schwachem Licht und 17 Stunden ohne Beleuchtung, muss sich der Lithium-Polymer-Akku im Tungsten T mit deutlich weniger zufrieden geben. Ganz ohne Beleuchtung hält er gerade mal rund 6 Stunden durch und kommt auf 5 Stunden bei niedrigster Helligkeitsstufe. Bei maximaler Helligkeit sackt der Akku-Wert nochmals rapide ab, so dass dem Tungsten T schon nach 3,5 Stunden die Puste ausgeht. Das zeigt, dass die ARM-CPU wesentlich mehr Strom frisst als die Dragonball-Prozessoren, während der zusätzliche Stromverbrauch für die Display-Beleuchtung weniger stark ins Gewicht fällt. Auch stieg der Stromverbrauch durch die Bluetooth-Nutzung nur minimal an, so dass sich die Akku-Laufzeiten bei Bluetooth-Nutzung um etwa 30 Minuten verringern. Somit dürfte sich der Tungsten T bei durchschnittlicher Nutzungsdauer rund eine Woche ohne Steckdose begnügen. Mit dem gestiegenen Strombedarf schwindet auch einer der Vorteile der PalmOS-Plattform gegenüber den WindowsCE-Geräten: eine deutlich längere Akkulaufzeit.



Während Palm mit dem Zire das Versprechen gebrochen hat, alle künftigen Palm-Geräte mit dem Universal Connector auszustatten, wurde es mit dem Tungsten T wieder eingelöst. Allerdings kann es durch den Wechsel auf PalmOS 5 dennoch passieren, dass einiges Zubehör nicht mit dem Neuling funktioniert, weil noch passende Treiber fehlen. So steht für die PDA-Tastatur von Palm derzeit nur ein Beta-Treiber für PalmOS 5 zur Verfügung, der augenscheinlich seine Arbeit ganz gut verrichtet.
Nachtrag vom 12. Dezember 2002, 9.00 Uhr:
Wie Golem.de erfahren hat, soll es mit der Kompatibilität des Universal Connector doch nicht so gut bestellt sein, wie zunächst angenommen. Demnach soll sich Zubehör wie Ladegeräte, Notlader und ähnliches nicht am Universal Connector des Tungsten T befestigen lassen, weil derartiges Zubehör sich sofort wieder von der Schnittstelle löst. So bleibt zu konstanieren, dass Palm hier anscheinend nicht ausreichend auf Kompatibilität geachtet hat. Denn der Tungsten T scheint sich nur mit Universal-Connector-Zubehör zu verstehen, auf das der PDA senkrecht aufgesteckt wird.

Tungsten T
Tungsten T
Begeistert die Geschwindigkeit bei der Programmausführung auf dem Tungsten T schon, so erlebt man einen wahren Geschwindigkeitsrausch bei der Synchronisation mit einem Desktop-PC. Einen schnelleren Datenaustausch hat es zwischen PalmOS-Gerät und Desktop noch nicht gegeben, auch wenn die bisherige Synchronisation alles andere als langsam war. Als Synchronisations-Software liegt dem Tungsten T der Palm Desktop 4.1 in deutscher Sprache samt PocketMirror 3.1 zur Outlook-Synchronisation bei. Leider bietet Palm den aktuellen Palm Desktop derzeit nur in englischer Sprache als Download an. Der Palm Desktop beherrscht zu den üblichen PIM-Funktionen auch die Verwaltung von Sprachnotizen und unterstützt zusätzlich zu Kabel und Infrarot auch den Datenaustausch über Bluetooth.

Zum Lieferumfang des Tungsten T gehört eine USB-Dockingstation, ein Lade-Netzteil, ein knappes gedrucktes Handbuch sowie zwei Software-CDs. Erneut ignoriert Palm damit die langjährige Kritik, dass ein mobiles Gerät nach einer praktikablen Möglichkeit verlangt, unterwegs mit Strom versorgt zu werden. Denn das Lade-Netzteil kann nicht direkt an den PDA angeschlossen werden, so dass auf Reisen die klobige Dockingstation zum Aufladen des Akkus mitgeschleppt werden muss. Palm bietet den Tungsten T zum Listenpreis von 599,- Euro an. Im tagesaktuellen PDA-Preisvergleich auf markt.golem.de bekommt man den Tungsten T bereits zum Preis von 525,- Euro.

Fazit:
Mit dem Tungsten T bringt Palm - wenig überraschend auf Grund des ARM-Prozessors - den bislang schnellsten PalmOS-PDA auf den Markt. Leider hat die hohe Geschwindigkeit auch ihren Preis, den man in Form einer drastisch reduzierten Akku-Laufzeit bezahlen muss, so dass viele PDA-Nutzer mit einem Dragonball-Gerät wohl besser bedient sind. Wer sich an der niedrigeren Akkuleistung nicht stört, erhält mit dem Tungsten T ein gut ausgestattetes, solides Gerät - zu einem entsprechenden Preis. Mit dem Navigationsknopf und der Bluetooth-Integration lässt der Marktführer endlich mal wieder Erfindungsgeist aufblitzen und lässt damit die übrige PalmOS-Konkurrenz hinter sich. Besonders begeistert die gelungene Einbindung des Navigationsknopfes in das Betriebssystem und die narrensichere Bluetooth-Funktion, dem auch gleich passende Applikationen zur Seite stehen, die bis auf die unzureichende SMS-Applikation überzeugen können.

Erstaunt stellt man fest, dass Palm sich weiterhin mit einer unzureichenden mobilen Stromversorgung begnügt, obgleich die Akkuleistung des Tungsten T mit dem Wechsel zur ARM-Plattform rapide eingebrochen ist. Umso wichtiger ist es, den PDA unterwegs auf Reisen auch ohne klobige Dockingstation aufladen zu können. Als kleines Sorgenkind des Tungsten T könnte sich die verschiebbare Knopfleiste entpuppen, weil der Mechanismus förmlich danach giert, Schmutz und Dreck aufzunehmen und die Konstruktion unbrauchbar zu machen.

Auch wenn der Navigationsknopf vorbildlich Einzug in die PalmOS-Welt genommen hat, würde dem Tungsten T ein in vielen anderen PalmOS-Geräten üblich gewordenes Drehrad (Jog-Dial) gut zu Gesicht stehen. Ein solches Drehrad am linken Gehäuserand wäre ein weiterer Komfortsprung beim Lesen von E-Books, Webseiten und Ähnlichem, an das man sich nur allzu schnell gewöhnt und es lieb gewinnt.
Nachtrag vom 12. Dezember 2002, 9.00 Uhr:
Die Erkenntnisse über die unzureichende Kompatibilität des so genannten Universal Connector sorgt für Verunsicherung der Kunden, weil eben manches Zubehör für diese Schnittstelle wohl nicht ohne Schwierigkeiten an den Tungsten T passt, so dass viel Zubehör doch nachgekauft werden muss.  (ip)


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