Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0211/22934.html    Veröffentlicht: 29.11.2002 14:56    Kurz-URL: https://glm.io/22934

PC-Welt strahlt: Einstweilige Verfügung außer Kraft (Update)

PC-Welt erwägt rechtliche Schritte gegen die c't

Der von Plus, bild.t-Online.de und 4MBO angebotene "Volks-PC" überschreite die zulässigen Strahlenwerte und trage damit das zum Vertrieb nötige CE-Kennzeichen zu Unrecht, das zumindest behauptete das Computer-Magazin PC-Welt. Auf Grund einer einstweiligen Verfügung seitens 4MBO hatte man diese Behauptung nicht weiter verbreiten dürfen, das Hamburger Landgericht hob die Verfügung insofern wieder auf.

Der hinter der PC-Welt stehende IDG-Verlag hatte gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt und war damit am heutigen Freitag, dem 29. November 2002, nach der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg erfolgreich.

Der Computerhersteller 4MBO hatte die Aussage der PC-Welt bestritten und erwirkte mit der einstweiligen Verfügung gegen das Magazin, dass dieses bis auf weiteres diverse Behauptungen über die Strahlenwerte des von 4MBO hergestellten und durch die Handelskette Plus und bild.t-online.de vertriebenen Computers nicht mehr verbreiten durfte. Die PC-Welt hatte sich in ihrem Artikel auf Prüfprotokolle von zwei Labors berufen.

Nach Entstehen des Streitfalles wurden weitere Messungen in Auftrag gegeben. Diese bescheinigen dem "Volks-PCs" ebenfalls überhöhte Strahlungswerte. Insgesamt habe man vor Gericht mit Prüfprotokollen von vier CE-zertifizierten Prüflaboren die eigene Aussage belegt, so PC-Welt. Neben den Messergebnissen von OBL und Fujitsu-Siemens hatte man auch die Prüfberichte zweier weiterer CE-zertifizierter Labors, EMV Testhaus Klein und TÜV Rheinland, vorgelegt. Bei allen vier CE-akkreditierten Labors sei der "Volks-PC" im Störstrahlungstest durchgefallen, so PC-Welt.

Die PC-Welt weist in diesem Zusammenhang auch den von der Konkurrenz-Zeitschrift c't in einem Online-Bericht erhobenen Vorwurf zurück, die PC-Welt habe im Rahmen ihrer Berichterstattung über den "Volks-PC" ein gefälschtes Protokoll veröffentlicht. "Der Hersteller des Volks-PCs 4MBO und die Handelskette Plus haben in den letzten Wochen großen Druck auf die Redaktion ausgeübt. Wir bedauern, dass die c't durch ihre einseitige Berichterstattung diesen Druck noch verstärkt und - gewollt oder ungewollt - mehr den Interessen der Industrie als denen der Anwender gedient hat", so Jürgen Bruckmeier, Chefredakteur der PC-Welt. "Wir behalten uns vor, rechtliche Schritte gegen die Zeitschrift einzuleiten."

Nachtrag vom 3. Dezember 2002:
Vom Heise Zeitschriften Verlag, dem Herausgeber der c't, ist unterdessen zu hören, dass man angedrohte rechtliche Schritte wegen der klaren Beweislage nicht ernst nehme. Die PC-Welt habe die Fakten geleugnet und stelle die Vorgänge nun in dreister und diffamierender Weise auf den Kopf, erklärte der Heise-Geschäftsführer Steven P. Steinkraus dazu auf Heise.de und betonte, dass die c't nicht einseitig berichtet habe, sondern im Gegensatz zur PC-Welt sorgfältig beide Seiten beleuchtete. Zudem habe man auch die Problematik der unklaren Messvorschriften nicht außer Acht gelassen. "Die notwendige Kritik an der sachlich falschen, reißerischen Schlagzeile, mit der PC-Welt die Anwender verunsichert hat, findet in dem Gerichtsbeschluss ihre volle Bestätigung", so Steinkraus. Das Gericht hatte die Verfügung - was diesen Teil angeht - nicht aufgehoben. Vor allem aber hätte die c't - anders als PC-Welt - laut Steinkraus wahrheitsgetreu über die Herkunft der Messdaten berichtet, so dass die PC-Welt nun zugeben müsse, sich in diesem Punkt falsch und journalistisch unsauber verhalten zu haben.  (ji)


© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/