Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0211/22901.html    Veröffentlicht: 28.11.2002 09:31    Kurz-URL: https://glm.io/22901

Virtuelles Museum: 800 Prozent Zoom auf drehbare Exponate

Per Mausklick in die Welt der Sultane

Das Projekt des "Virtuellen Museums", das vom Badischen Landesmuseum und vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe gemeinsam erarbeitet wird, kann erste Ergebnisse vorweisen. Ab sofort vermitteln die ersten digitalisierten und animierten Objekte einen Eindruck von der Ausstellung "Karlsruher Türkenbeute", die dann voraussichtlich ab März 2003 komplett zu besuchen ist.

Bis dahin entsteht eine virtuelle Plattform, in der sich die Besucher im Internet mit der historisch bedeutenden "Karlsruher Türkenbeute" auseinander setzen können. Den größten Teil der im Badischen Landesmuseum präsentierten Schätze des osmanischen Reiches brachte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden aus den Türkenkriegen 1683-1691 mit.

Karlsruher Türkenbeute: Highlights der Sammlung
Karlsruher Türkenbeute: Highlights der Sammlung
150 der insgesamt rund 300 ausgestellten Exponate wurden mit verschiedenen Bildaufnahme-Technologien fotografiert, um sie im Internet interaktiv zugänglich zu machen. Diese Aufnahmetechniken sind zwar nicht neu, doch wird damit zum ersten Mal ein größerer Museumsbestand im Netz präsentiert.

Dabei soll der Internet-User die Objekte durch freies Drehen von allen Seiten anschauen können, aber auch durch Zoomen mit einer Vergrößerung von bis zu 800 Prozent Details entdecken, die er mit bloßem Auge im Museum nicht erkennen kann. Die Grafik- und Filmexperten arbeiten mit extremen Weitwinkelobjektiven und computergesteuerten Kameras, mit denen sich Panoramabilder oder Kamerafahrten um das Objekt produzieren lassen. Die dazu notwendige Software auf Userseite ist Quicktime und Zoomify, die es für Windows und Mac OS 9 & OS X zum Download gibt.

Das virtuelle Museum ist kein digitalisierter Ausstellungsrundgang, es entsteht vielmehr eine Präsentations- wie auch eine Wissens- und Kommunikationsplattform, die es in dieser Form noch nicht gibt. Dabei werden mehrere inhaltliche Zugänge angeboten, u.a. Themenreisen für Erwachsene und eine Rätselreise für Kinder. Der Besucher soll gefordert werden, aktiv zu werden; er kann sich Umfang und Art seiner Informationen individuell zusammenstellen.

Außer den normalen Usern berücksichtigt das Konzept noch drei weitere Zielgruppen: Schüler und Lehrer im Unterricht, die "junge Generation" und Experten, für die sämtliche zu jedem Objekt verfügbaren Informationen ins Netz gestellt werden. Besucher, die sich gleichzeitig im Virtuellen Museum befinden, können in Kontakt miteinander treten und Meinungen austauschen.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg finanziert das Projekt bis März 2003 mit 750.000 Euro. Auch die Besucher im realen Badischen Landesmuseum werden vor Ort das virtuelle Museum über Terminals und PDAs nutzen können, die ab März 2003 bereitstehen sollen.  (ad)


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