Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0211/22751.html    Veröffentlicht: 20.11.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/22751

Spieletest: Anno 1503 - Mega-Seller mit Macken

Kontrovers diskutierter Strategiespiel-Nachfolger

Beachtliche Verkaufszahlen auf der einen, großer Unmut unter den Käufern auf der anderen Seite - Anno 1503 sorgt seit seinem Erscheinen Ende Oktober für Schlagzeilen. Der Rummel um das Spiel ist dabei durchaus begründet: Dem faszinierenden Gameplay stehen einige grobe Design-Schnitzer gegenüber.

Eigentlich wollten wir mit dem Test des Spieles warten, bis sämtliche von Sunflowers versprochenen Nachbesserungen vorgenommen wurden. Bisher ist allerdings weiterhin nur der erste Beta-Patch erhältlich, der zwar einige der groben technischen Probleme behebt, viele Features und Versprechungen aber weiterhin nicht einlöst - so muss man unter anderem weiterhin auf den Multiplayer-Modus verzichten. Dafür korrigiert der erste Patch den Schwierigkeitsgrad der Endlos-Spiele und der ersten Szenen der Kampagne nach unten, angesichts der unzähligen Spieler, die frustriert gleich zu Beginn die Segel strichen, ein unbedingt notwendiger Schritt.

Screenshot #1
Screenshot #1
Aber auch so bleibt Anno 1503 ein Spiel, das nicht wirklich für Anfänger geeignet ist. Egal, ob man die Story-technisch etwas einfallslose Kampagne oder das weitaus motivierendere, in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gebotene Endlosspiel wählt, immer braucht es einige Zeit, bis man die komplexen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Wertschöpfungsketten innerhalb einer Stadt wirklich durchschaut hat und eine florierende Mittelalter-Metropole errichten kann. Das Tutorial hilft zwar bei den ersten Schritten, bleibt aber auch einige für den Spielablauf wichtige Infos schuldig.

Screenshot #2
Screenshot #2
Trotz aller berechtigter Kritik hat Anno 1503 aber natürlich auch alles das in verbesserter Form zu bieten, was schon den Vorgänger Anno 1602 zu einem der populärsten und beliebtesten Strategie-Titel aller Zeiten gemacht hat. So ist Anno 1503 unter anderem deutlich schöner als der Vorgänger - die 2D-Landschaften sind so detailliert wie nie zuvor, die insgesamt fünf Klimazonen bieten viel optische Abwechslung, zahlreiche unterschiedliche Gebäudetypen machen das Stadtbild zudem wirklich sehenswert.

Screenshot #3
Screenshot #3
Die angesprochenen, komplexeren Wertschöpfungsketten geben dem Spieler zudem einen deutlich größeren Handlungsspielraum. Knapp 50 Rohstoffe gilt es zu verwalten. Da nicht alles auf dem eigenen Kontinent vorhanden ist, muss natürlich wieder Handel getrieben oder aber auch eine Eroberungsflotte seeklar gemacht werden. Auf den Meeren darf man sich dann auch noch mit Piraten rumschlagen, die einem das Leben schwer machen, die sich aber durch Schutzgeldzahlungen besänftigen lassen. Die verschiedenen Eingeborenenvölker, auf die man trifft, entpuppen sich hingegen größtenteils als angenehme Handelspartner, die unter anderem Schmuck und andere Kostbarkeiten liefern.

Screenshot #4
Screenshot #4
Der eingebaute Militärteil wird überzeugte Kriegsstrategen kaum befriedigen können - trotz insgesamt 14 verschiedenen Einheiten-Typen sorgt vor allem die recht niedrige Einheiten-KI für viel Frust vor dem Monitor. Und auch beim Errichten neuer Gebäude hat man zum Teil so seine liebe Not, das Platzieren von Häusern artet oft zu einer Geduldsarbeit aus. Die Arbeit lohnt allerdings, denn wer einmal erfolgreich aus einem zunächst kleinen Dorf eine riesige Stadt errichtet hat, wird sich an dem Anblick kaum satt sehen können.

Screenshot #5
Screenshot #5
Neben den Industrie- und Agrarbetrieben bestimmen unzählige Wohnhäuser, Theater, Wirtshäuser oder auch Schulen und Universitäten das Bild. Wer Letztere errichtet hat, kann sich zudem auch der Forschung widmen und so diverse Dinge erfinden. Auf den ebenfalls vorhandenen Märkten scheffelt man das nötige Geld, um sich neue Anschaffungen leisten zu können.

Fazit:
Anno 1503 stellt keine spielerische Revolution dar - die Vorzüge, die den Vorgänger zu einem Süchtigmacher par excellence avancieren ließen, wurden hier konsequent weitergedacht. Wer über viel Freizeit verfügt, kann also somit einmal mehr unzählige Stunden mit dem Titel verbringen. Schade bleibt allerdings die recht hohe technische und spielerische Fehlerquote der Verkaufsversion - bleibt zu hoffen, dass der Beta-Patch bald durch den finalen Patch ersetzt wird und so nicht mehr viele kleine Probleme den Spielspaß trüben.  (tw)


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