Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0211/22539.html    Veröffentlicht: 07.11.2002 10:55    Kurz-URL: https://glm.io/22539

Halloween VII: Microsoft über die eigene Linux-Strategie

Kritik an Open Source und Linux wird oft zum Bumerang

Microsoft setzt sich in einem internen Papier, das jetzt von Eric S. Raymond unter dem Titel Halloween VII auf opensource.org veröffentlicht wurde, kritisch mit der eigenen Linux-Strategie auseinander. Unterm Strich kommt Microsoft dabei zu dem Schluss, dass das eigene Verhalten bezüglich Linux dem eigenen Unternehmen möglicherweise mehr geschadet als genutzt hat. Die Erkenntnisse basieren auf einer Studie, die von Kathryn Marsman, David Kaefer und Jason Matusow durchgeführt wurde.

Demnach sind weltweit 81 Prozent der von Microsoft Befragten in irgendeiner Weise vertraut im Umgang mit Open-Source-Software (OSS), 77 Prozent im Umgang mit Linux. Dabei ziehen 78 Prozent der Befragten, die Erfahrungen mit OSS haben, OSS vor, bei Linux sind es sogar 86 Prozent. Mit Microsofts "Shared Source Initiative" konnten hingegen nur 39 Prozent etwas anfangen.

Rund 40 Prozent der Befragten nannten dabei geringe Total Cost of Ownership als besten Grund, OSS zu nutzen, ein Drittel nannte als einen der besten Gründe, eine Alternative zu Microsoft zu haben.

"Aussagen, die OSS, Linux oder die GPL kritisieren, haben keinen Effekt", so eine Aussage im Summary der internen Studie. Vor allem Kritik am "viralen Charakter" der GPL schlage mitunter sogar auf Microsoft zurück. Positive Nachrichten zu OSS, Linux und der GPL hingegen hätten Effekt, und das in allen Regionen und quer durch alle Zielgruppen.

Die Auguren empfehlen Microsoft daher, sich in naher Zukunft mit direkter Kritik an OSS und Linux zurückzuhalten und stattdessen stärker auf das Argument geringer Gesamtkosten (TCO) zu setzen. Auch könne eine stärkere Fokussierung auf Shared Source positive Effekte haben.

Die größte Herausforderung bestehe für Microsoft aber bei internationalem Publikum außerhalb der USA, allen voran Frankreich, Deutschland und Japan. So seien die Franzosen sehr vertraut mit OSS und Linux und glauben, dass Linux geringere TCO habe als proprietäre Software. Sie hätten zudem erst wenig über Shared Source gehört, würden in Shared Source aber keinen Mehrwert gegenüber Open Source sehen.

Ähnlich sehe es in Japan und Deutschland aus, wobei in Deutschland Microsofts Shared-Source-Konzept positiver aufgenommen werde.  (ji)


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