Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0210/22231.html    Veröffentlicht: 21.10.2002 09:10    Kurz-URL: https://glm.io/22231

Die deutsche Spam-Connection - nazigesteuert?

c't zur dubiosen Herkunft deutschsprachiger Bulkmails

Aufdringliche Werbung per E-Mail - im Netzjargon wird sie allgemein als "Spam" bezeichnet - wird immer mehr zur Plage im Internet. Die Redaktion des Computermagazins c't ist der Herkunft deutschsprachiger Spam-Mails nachgegangen und dabei auf Verbindungen zur Neonazi-Szene gestoßen. In der aktuellen Ausgabe 22/02 berichtet c't detailliert über die Recherche.

Die direkten Urheber von Spam sind oft nur sehr schwer zu ermitteln, denn Absenderangaben bei E-Mail lassen sich sehr einfach fälschen. Dass so viele Spammer ihre Identität verschleiern, hat einen handfesten Grund: Spam ist unerwünschten Werbefaxen gleichgestellt und praktisch verboten. Vielfach müssen die Absender auch befürchten, wegen Betrugs belangt zu werden, weil sie mit falschen Angaben Einwahlprogramme für teure 0190-Nummern verbreiten.

Ein wichtiger Anlaufpunkt für deutsche Spam-Versender ist nach c't-Informationen eine Website namens "Bulkmailerclub", zu der man nur gegen Zahlung eines monatlichen Mitgliedsbeitrags in Höhe von 299,- Euro Zutritt erhält. Für dieses Geld bekommen die Spammer unter anderem Informationen, Software und vor allem Millionen E-Mail-Adressen.

Außerdem erhalten die Mitglieder viele Ratschläge im "Bulkmailerclub": Zur Bundestagswahl ermahnte der dortige Foren-Administrator sie dazu, ihre Stimme "national" abzugeben. Immer wieder empfahl er so genannte "Partnerprogramme" eines bestimmten Unternehmens, hinter dem nach c't-Informationen ein rechtskräftig verurteilter Neonazi aus Bayern steckt. Von dort führte eine Spur zu dem US-Amerikaner Gary Lauck, einem international bekannten Rechtsradikalen. In den meisten Fällen ging es um den Vertrieb von Pornografie mit Hilfe von 0190-Einwahlprogrammen. "Es scheint so, als fließe ein erheblicher Teil des dadurch erzielten Profits in die Kassen brauner Seilschaften", meinte c't-Redakteur Holger Bleich.  (ad)


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