Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0210/22185.html    Veröffentlicht: 16.10.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/22185

Spieletest: Shadow Of Memories - Der Tod und seine Folgen

Titel jetzt auch für die Xbox erhältlich

Mehr als anderthalb Jahre hat sich Konami Zeit gelassen, um das Spiel Shadow Of Memories von der PlayStation 2 auf die Xbox zu bringen. Dementsprechend kann man jetzt auch mit Microsofts Konsole gespannt die Story verfolgen - oder aber sich über die sehr mäßige technische Umsetzung ärgern.

Der intelligenten Hintergrundgeschichte hat der Zahn der Zeit dabei kaum etwas anhaben können - Shadow Of Memories zählt zweifellos zu den inhaltlich interessantesten Spielen überhaupt. Das beginnt schon damit, dass das virtuelle Alter Ego des Spielers, Eike Kusch, gleich zum Anfang Opfer eines hinterlistigen Überfalls wird und stirbt. Eben dieser Mord ist dann die Ausgangsposition des Spieles: Auf Grund eines mysteriösen Gönners wacht Eike kurz nach dem Mord in einer Art Zwischenwelt auf und erfährt, dass er die Möglichkeit hat, die Vergangenheit zu ändern - und somit seinen Tod zu verhindern.

Screenshot #1
Screenshot #1
Fortan reist man durch die Zeit, um den Geschehnissen eine andere Richtung zu geben. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig, gleich zu Beginn etwa versucht man, zum eigentlichen Zeitpunkt des Mordes möglichst viele Menschen um sich zu versammeln, so dass der Mörder im Getümmel nicht die Möglichkeit hat, unbeobachtet sein Werk auszuführen. Die Handlung ist dabei übrigens nicht linear, je nach Vorgehen bekommt man am Ende des Spieles eines von fünf möglichen Endsequenzen geboten.

Screenshot #2
Screenshot #2
Das Gameplay ist für einen Konsolen-Titel eher untypisch, da hier Adventure-Kost in Reinform geboten wird - kein Springen, Kämpfen, Schießen oder dergleichen, stattdessen müssen zahlreiche Gespräche geführt, Personen aufgesucht und Orte zum richtigen Zeitpunkt erreicht werden. Durchaus möglich also, dass einigen Spielern das ständige Rumgelaufe und Gerede in der Stadt auf Dauer dann doch ein wenig zu eintönig ist.

Screenshot #3
Screenshot #3
Dem Stand der Technik alles andere als angemessen ist leider die Präsentation des Spieles: Nicht nur, dass vor allem die Grafik nicht zeitgemäß wirkt, im direkten Vergleich zur bald zwei Jahre alten PlayStation-2-Fassung sieht sie sogar teils noch schlechter aus, vor allem die Texturen sind oft sehr verwaschen. Bedenkt man, dass das Spiel schon damals auf der PS2 kein Grafikwunder war, fragt man sich, wieso Konami die Entwicklungszeit hier nicht besser genutzt hat.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die spannende und oft etwas unheimliche Atmosphäre ist dank dieses optischen Versäumnisses leider nicht so gut wie sie hätte sein können, zumindest die gute (englische) Sprachausgabe tröstet aber ein wenig darüber hinweg.

Fazit:
In puncto Storyline ist Shadow Of Memories grandios, die Hintergrundgeschichte ist nicht nur äußerst spannend und logisch erzählt, sondern verleitet mit ihren unterschiedlichen Wendungen und vielen Möglichkeiten auch zum mehrfachen Durchspielen des Titels. Leider wird die Präsentation dem Ganzen nicht wirklich gerecht, die Hardware der Xbox wird hier nicht einmal ansatzweise wirklich genutzt - in Anbetracht des mit über 60 Euro nicht gerade niedrigen Preises schon ein wenig enttäuschend.  (tw)


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