Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0210/22005.html    Veröffentlicht: 07.10.2002 09:52    Kurz-URL: https://glm.io/22005

Illegale Bücherkopien im Internet

Der E-Book-Markt lebt - aber wie?

Auf der Frankfurter Buchmesse wird es sich zeigen: Die Anzahl verfügbarer E-Books ist zwar deutlich angestiegen, doch das offizielle Angebot der Verlage bleibt auf niedrigem Niveau. Stattdessen kursieren privat eingescannte Bücher aller Couleur zuhauf in Internet-Tauschbörsen.

Dass Verlage unautorisierte Kopien von E-Books verhindern wollen, ist verständlich: Digitale 1:1-Kopien lassen sich - anders als Fotokopien - quasi zum Nulltarif und ohne Qualitätsverlust herstellen. Doch die Angst davor, dass E-Book-Kopierschutzlösungen geknackt werden könnten, treibt abstruse Blüten: So bringen die Verlage ihre Bestseller erst gar nicht elektronisch auf den Markt, und existierende E-Books sind kaum billiger als gedruckte Werke, berichtet das Computermagazin c't in der Ausgabe 21/02.

Selbst wenn es die Verlage übersehen haben sollten - niemand ist auf ihre elektronischen Vorlagen angewiesen, um E-Books in Eigenregie direkt von den völlig unschützbaren Druckwerken zu erstellen. "Der illegalen Verbreitung im Internet hat diese stringente Haltung allerdings nur Vorschub geleistet", so c't-Experte Dr. Jürgen Rink.

Zu Tausenden finden sich im Internet, besonders in den Tauschbörsen, privat eingescannte E-Books im PDF-, HTML- oder Text-Format. Ohne nachträglicher Texterkennung sind die Bücherdateien teilweise riesig groß, doch einige Enthusiasten scannen die Bücher nicht nur ein, sondern führen nachträglich eine Texterkennung durch, korrigieren die Erkennungsfehler und setzen die Bücher neu. Besonders bei Bestsellern wie der Harry-Potter-Reihe ist dies geschehen. Die Verbreitung dieser urheberrechtlich geschützten Texte ist allerdings ebenso wenig zulässig wie bei Musik.

Noch vor zwei Jahren haben E-Book-Enthusiasten das Ende des Papierbuchs ausgerufen. Stattdessen schlitterte die Branche zunächst in eine Krise. "Vor allem unrealistische Erwartungen führten nach der Dotcom-Euphorie bei vielen Verlagen und IT-Unternehmen zum Ende des E-Book-Ausflugs", erklärte c't-Redakteur Dr. Jürgen Rink die Entwicklung. Inzwischen haben sich E-Books ihre eigene Nische erobert und erfreuen sich dank der zunehmenden Verbreitung von Mobilgeräten mit mehreren Millionen PDAs und Notebooks wachsender Beliebtheit. Spezielle Lesegeräte, die keine anderen Funktionen aufweisen, als die Buchinhalte mehr oder minder komfortabel anzuzeigen, haben so gut wie keine Bedeutung mehr.  (ad)


© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/