Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0209/21863.html    Veröffentlicht: 26.09.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/21863

Spieletest: Resident Evil - Horror- und Grafikwunder auf GC

Neuauflage des Klassikers für GameCube erhältlich

Wenn in den letzten Monaten Vorab-Videos von angekündigten GameCube-Spielen zu sehen waren, gab es vor allem einen Titel, der reihenweise für erstaunte Gesichter sorgte: Resident Evil, die Neuauflage des Horror-Titels aus dem Jahre 1996. Seit kurzem ist das Spiel nun erhältlich und zeigt vor allem grafisch, zu welchen Höchstleistungen der GameCube fähig ist.

Als das erste Spiel der Serie Mitte der Neunziger für die PlayStation erschien, konnte man natürlich noch nicht ahnen, welche Bedeutung dieser Titel für die Videospielgeschichte haben würde. Mittlerweile gehört Resident Evil zu den populärsten Titeln überhaupt, die Reihe hat ganze Heerscharen von anderen Horror-Programmen inspiriert und wurde im letzten Jahr sogar verfilmt. Nintendo sorgte allgemein für große Überraschung als man bekannt geben konnte, dass das verantwortliche Entwicklungsstudio Capcom die Reihe ab sofort exklusiv für den GameCube weiterentwickelt - ein wichtiger Schritt in die Richtung, Nintendo vom allgemein zum Teil immer noch vorherrschenden "Kinderspiel-Image" wegzubringen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Ende des Jahres erscheint - zumindest in Japan - mit Resident Evil Zero auch die erste Cube-Eigenentwicklung, ab sofort aber kann man sich erst mal an der Umsetzung des Klassikers versuchen. Und die ist alles andere als eine einfache Portierung: Auch wenn die Story prinzipiell identisch ist, wurden unter anderem neue Räume integriert, die Zwischensequenzen verändert und auch die Schock-Effekte modifiziert - auch wer den Titel auf der PlayStation durchgespielt hat, kann sich also nicht sicher sein, an unerwarteter Stelle auf böse Hunde oder andere Gegner zu treffen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Ebenfalls verändert wurde natürlich die Präsentation. Vor allem grafisch ist Resident Evil wohl das beste, was es bisher auf dem GameCube zu sehen gab. Die düsteren Indoor- und Outdoor-Szenen sind fabelhaft modelliert, die Charaktere glaubwürdig animiert, die Zwischensequenzen aus der Spielengine eine Augenweide. Allerdings hat diese Pracht auch ihren Preis: Abgesehen von der Tatsache, dass das Spiel als erster GameCube-Titel auf zwei Mini-DVDs ausgeliefert wird, trüben gelegentliche Ruckler in Zwischensequenzen und bei großem Feindaufkommen das ansonsten positive Bild.

Screenshot #3
Screenshot #3
Das Szenario ist natürlich für eine Grusel-Orgie wie geschaffen: Über Jahre hinweg fanden in einem abgeschiedenen Herrenhaus biogenetische Experimente statt, die von einer angesehenen Organisation durchgeführt wurden. In letzter Zeit jedoch kam es in der Nähe des Herrenhauses immer wieder zu blutigen Vorfällen, die auf den Ausbruch von Tollwut hindeuten. Irgend etwas scheint also schief gelaufen zu sein - und in der Rolle von Jill (was der einfachere Weg ist) oder von Chris muss man sich diesen Problemen nun annehmen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Nicht modifiziert wurde die Steuerung, und wer sich nicht bereits an die etwas eigenwillige und für heutige Verhälnisse auch eher überholte Bedienung gewöhnt hat, könnte hier einige Probleme haben. Vor allem die Tatsache, dass man immer den Control-Stick nach oben drücken muss, um vorwärts zu gehen - egal in welche Richtung man schaut - kann sich zu Beginn doch als recht verwirrend erweisen.

Screenshot #5
Screenshot #5
Ansonsten gibt es aber auch in Sachen Gameplay nur wenig Grund zur Klage: Mit unterschiedlichen Waffen wie Pistolen, Messern und Elektro-Schockern muss man sich der Monster-Brut erwehren, einige kleine und meist nicht besonders schwierige Rätsel lockern das Spiel auf. Ein wenig nervend sind die immer wiederkehrenden Zwischenbilder, wenn man einen neuen Raum betritt, andererseits wird so auch die Spannung geschürt, was sich wohl hinter der nächsten Tür verbirgt. Die sowieso schon gelungene Atmosphäre wird übrigens durch die hervorragende Soundkulisse noch dichter - wird die Musik dramatischer, kann man sich im Geiste schon einmal auf den nächsten Überraschungsangriff einstellen, empfindliche Naturen sollten ein Spielen in abgedunkelten Räumen eher unterlassen.

Noch ein Wort zum Thema Gewalt: Resident Evil hat nicht ohne Grund eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten. Einige Szenen sind recht drastisch, etwa wenn man Zombies den Kopf wegschießen kann. Allerdings wird mit derartigen Szenen nicht übertrieben, die Horror-Stimmung entsteht mehr durch die gruseligen Überraschungseffekte als durch derartige gewalttätige Darstellungen.

Fazit:
Resident Evil ist zunächst einmal ein Remake - aber wohl eines der besten der Videospielgeschichte. Die Ur-Version von 1996 wurde optisch immens aufgebohrt, neue Szenen und Storyelemente wurden integriert, innovative Überraschungen eingebaut. Auch wer den ersten Teil auf der PlayStation bereits durchgespielt hat, wird sich hier zweifellos nicht langweilen. Wer noch nie einen Teil der Reihe gespielt hat, könnte keinen besseren Grund finden, jetzt in die Reihe einzusteigen - so gruselig, stimmungsvoll und optisch überwältigend war noch kein Horror-Spiel zuvor.  (tw)


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