Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0209/21809.html    Veröffentlicht: 24.09.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/21809

Spieletest: Mafia - So schön kann das Gangster-Leben sein

Hochklassiges PC-Spiel von Illusion Softworks

Die Mafia und ihre Machenschaften beschäftigen Film- und Romanautoren schon lange, jetzt hat sich auch ein PC-Spiel der nicht ganz unproblematischen Thematik angenommen. Herausgekommen ist dabei nicht weniger als eines der atmosphärischsten und spannendsten Computerspiele des Jahres.

Schon das Intro und die ins Spiel einführenden Videosequenzen haben cineastische Qualität und nehmen einen von Beginn an gefangen. Erzählt wird die Geschichte von Tommy, einem Mafiosi, der die Nase voll hat vom Gangster-Leben und - auch zum Schutze seiner Familie - aus der Organisation aussteigen will. Dafür benötigt er natürlich Rückendeckung durch die Polizei, anderenfalls werden es ihm seine Kollegen kaum gestatten, ihnen den Rücken zuzukehren. Und für diesen Schutz will die Polizei im Gegenzug Informationen - Informationen, mit denen sie einen Ring von Mafiosi ausheben kann.

Screenshot #1
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Das Spiel erzählt fortan die Lebensgeschichte von Tommy in einer Rückblende. Zu Beginn ist man noch ein ganz argloser Taxi-Fahrer, der rein zufällig das erste Mal mit Gangstern in Kontakt tritt, ihnen aber gleich bei diesem ersten Aufeinandertreffen das Leben rettet. Don Salieri, Chef eines Mafia-Clans, bietet Tommy als Dank daraufhin die Mitgliedschaft in seiner Organisation an, und da die wirtschaftliche Lage (man befindet sich in der Weltwirtschaftskrise der 20er- und 30er-Jahre) alles andere als rosig ist, dauert es nicht allzu lange, bis Tommy zustimmt. Es folgt der Aufstieg, immer größer werdender Reichtum und auch die Bekanntschaft mit einer schönen Frau - wenn man sich denn erfolgreich durch die zwanzig verschiedenen Missionen kämpft.

Einfach ist dies beileibe nicht. Darf man zunächst noch relativ sorglos mit dem Taxi die weiten und grafisch beeindruckenden Straßen der Fantasie-Stadt Lost Heaven durchkreuzen, stehen bald weitaus ernstere Aufträge an. Mal muss vor den Schergen eines feindlichen Mafia-Bosses geflohen, dann der eigene Chef beschützt werden. Auch Auftragsmorde sind auszuführen oder mal Autos zu zerstören, und waghalsige Autorennen sowie Schießerein während der Fahrt gehören ebenfalls zum Missionenumfang.

Screenshot #3
Screenshot #3
Das Autofahren ist sowieso eine der Hauptbeschäftigungen in Mafia, egal ob man noch relativ gemächlich durch die Stadt kreuzt oder durch gekonnte Fahrmanöver versucht, die Polizei oder andere unangenehme Gesellen abzuhängen. Lost Heaven ist dabei so groß, dass man sich auch gerne mal verfährt - gerade zu Beginn verliert man in der riesigen Metropole trotz Kompasses öfter mal die Orientierung. Der Oldtimer-Fuhrpark, der einem zur Verfügung steht, wächst von Mission zu Mission, vom einfachen Wägelchen, das es kaum schafft, die kleinsten Steigungen zu erklimmen bis zur Luxus-Karosserie der damaligen Zeit ist beinahe alles integriert. Hat man gelernt, einen bestimmten Wagentyp zu knacken, kann man dies übrigens jederzeit tun - läuft man etwa in der Stadt herum und entdeckt ein frei herumstehendes Auto, hat man es sich bald mit ein paar Handgriffen zu Eigen gemacht.

Screenshot #4
Screenshot #4
Ist man zu Fuß unterwegs, lassen die Kämpfe nicht lange auf sich warten - mal begegnet man seinen Widersachern mit einem Baseball-Schläger, später dann auch mit immer größer und schlagkräftiger werdenden Feuerwaffen. In der Stadt sollte man allerdings möglichst umsichtig mit dem Waffenarsenal umherlaufen, trägt man sein Maschinengewehr etwa frei zur Schau, dauert es nicht lange, bis man von der Polizei aufgegriffen wird. Ähnliches gilt auch für die Autofahrten, verzichtet man etwa auf den zuschaltbaren Geschwindigkeitsbegrenzer und hält sich nicht an das Tempo-Limit, bekommt man recht schnell von den Ordnungshütern einen Strafzettel verpasst.

Der Schwierigkeitsgrad von Mafia steigt gerade zum Ende hin stark an, was noch zusätzlich dadurch bewirkt wird, dass nur am Ende einer Mission gespeichert werden kann - bei den oftmals zeitintensiven Aufträgen kann Frust auf Grund eines Ablebens kurz vor Schluss also nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Die spannende, allerdings vollkommen lineare Story, die abwechslungsreichen Missionen und die grandiose Präsentation entschädigen dafür aber allemal. Auch die Steuerung gibt keinen Grund zur Klage - mit Tastatur und Maus hat man nicht nur die Oldtimer gut im Griff, sondern ist auch zu Fuß und bei der Ausführung sämtlicher Aktionen wie etwa der Bedienung von Waffen gut gerüstet.

Fazit:
Mafia erzeugt eine derart filmähnliche Atmosphäre wie schon lange kein Spiel mehr zuvor: Die Hintergrundgeschichte ist nicht nur spannend, sondern wird durch die zahlreichen Zwischensequenzen auch hervorragend erzählt. Aber auch das Gameplay begeistert: Alleine die Autofahrten durch die lebendige Stadt können einen bereits über Stunden hinweg beschäftigen, die weiteren abwechslungsreichen Aufträge sind fordernd und faszinierend zugleich. Kurzum: Mafia gehört zweifellos zu den wichtigsten und besten PC-Titeln dieses Jahres.  (tw)


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