Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0209/21775.html    Veröffentlicht: 23.09.2002 14:10    Kurz-URL: https://glm.io/21775

Spieletest: Frontline Attack - kriegerisches Strategiespiel

Panzergekurve in Earth 3 Engine

Frontline Attack: War over Europe ist ein Echtzeit-Strategiespiel aus dem Hause Eidos und wurde von ZUXXEZ und der polnischen Firma In Images entwickelt. Deren Chefentwickler war auch für Earth 2140, Earth 2150 und The Moon Project verantwortlich. Das Spiel orientiert sich an historischen Kriegsereignissen zwischen 1941 und 1944 und besitzt einen Single- und einen Multiplayermodus.

In beiden Modi kann man die Rollen der alliierten Westmächte, Russlands und Deutschlands übernehmen - das Einzelspielergefecht enthält zwei Kampagnen pro Nation, die jeweils aus sechs Einzelmissionen bestehen.

Screenshot #1
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Im Multiplayer- und dem so genannten Skirmish-Modus gibt es hingegen auch noch wahlweise wie bei diversen anderen Echtzeitspielen einen Ressourcen- und Gebäudeaufbau als weitere strategische Komponente. Nachdem es im Skirmish Modus keine Einheitenbegrenzung gibt, brechen gelegentlich ressourcenfressende monströse Schlachten mit hunderten von Panzern aus, die stunden- wenn nicht gleich tagelang toben können.

Screenshot #2
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Das Spiel kann in Auflösungen von 640 x 480 bis 2048 x 1800 gespielt werden und unterscheidet wie auch die Earth-Reihe einen Tag- und Nachtzyklus, wobei die Fahrzeuge Licht einschalten können, was dem Feind allerdings die Aufklärung erleichtert. Dazu kommen noch Wettereffekte und die Möglichkeit, die Perspektive von schräg oben bis direkt neben die Fahrzeuge beliebig zu wechseln und stufenlos heran- und hinwegzuzoomen. Damit kann man auch bei unübersichtlichen Konstellationen die Übersicht behalten oder sich einfach nur die recht ansprechend gestalteten Einheiten ansehen.

Screenshot #3
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Die Grafik- und Soundeffekte sind durchaus als spektakulär zu bewerten, wenngleich sie unrealitisch viele Explosionen, eine teiweise viel zu hohe Schussfolge und eine kaum als realitisch zu bezeichnende Geräuschkulisse beinhalten. Die unterschiedlichen Bewegungsgeschwindigkeiten der Panzertürme verdienen hingegen ein Lob. Optisch gelungen sind auch die einzelnen Einheiten, während die Landschaftsdarstellung nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

Das Spiel umfasst rund 90 Einheitentypen, von denen rund zwei Drittel zu Fahr- und Flugzeugen und der Rest aus Soldatenvarianten besteht. Die Gebäudevielfalt reicht von einfachen Wohngebäuden, Türmen, Bunkern bis hin zu Fernwaffenbasis. Die Luftstreitkräfte bestehen aus leichten und mittleren Bombern, Aufklärern und Mannschaftstransportern, die Fallschirmjäger absetzen können. Das Nachschubsystem besteht aus Fahrzeugen und stationären Lagern, bei denen sich Nachschubtransporte bedienen können.

Screenshot #4
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Damit man bei großen Karten nicht nur als Taktiker, sondern als Stratege agieren kann, gibt es eine kleine Übersichtskarte am Rand, bei der man zusätzlich Filter aktivieren kann, die Gelände-, Feind,- und Zielinformationen ein- oder ausblenden. Damit das Spiel zwischen freier Perspektivwahl und Minikarte funktioniert und nicht für mehr Desorientierung als Hilfe sorgt, kann man wählen, ob die Übersichtskarte mitdrehen soll oder nicht.

Genretypisch gewinnen die Einheiten im Kampf Erfahrungspunkte, die auf ihre Kampfeskraft positive Auswirkungen haben. Wenn Fahrzeuge nur leicht beschädigt sind, können sie sich aus eigener Kraft zu Reparaturplätzen mit mobilen Instandsetzungseinheiten bewegen, ansonsten muss die fahrende Werkstatt zum Patienten kommen. Für Self-made-Freunde bietet ein Karteneditor die Erstellung von Skirmish- und Multiplayer-Karten an.

Screenshot #5
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Die Missionsziele sehen meist die Einnahme oder das Halten strategisch wichtiger Punkte oder die Vernichtung gegnerischer Einheiten vor. Oft sind mehrere Ziele in einer bestimmten Reihenfolge zur erfolgreichen Beendigung einer Mission erforderlich.

Das Gameplay sorgt leider für einige Enttäuschungen. Wer erfolgreich sein will, muss herausbekommen, welche Feindeinheiten mit welchem eigenen Kriegsgerät am besten und am verlustärmsten vernichtet werden können. Darüber hinaus ist natürlich das richtige Mengenverhältnis kampfentscheidend. Der Zeitfaktor spielt insofern eine wichtige Rolle, als dass diejenige Infanterie, die leerstehende Bunker und Geschütze am schnellsten besetzt, den Kampfwert deutlich steigert. Nun ist es aber so, dass besonders die Infanterie eine Bewegungsgeschwindigkeit erreicht, die schier unmenschlich ist. Die Einheiten flitzen geradezu über die Karten, ungehindert von der Bodenbeschaffenheit.

Frontline Attack: War over Europe ist ab sofort im Handel erhältlich und kostet je nach Einkaufsort zwischen knapp über 40 und knapp über 50 Euro. Preisvergleicher helfen dabei, das günstigste Angebot herauszufinden.

Fazit:
Frontline Attack ist einfach nicht das Spiel, das man erwartet, wenn man nach der Aufmachung geht. Es ist eben kein Spiel mit der Spieltiefe und dem Spielspaß der Sudden-Strike-Reihe im 3D-Gewand. Frontline Attack hat durch die immerhin schon drei Jahre alte Earth-3-Engine gelegentlich Ähnlichkeiten mit den Science-Fiction-Strategiespielen der Reihe, nur dass man jetzt anstelle von futuristischem Kriegsgerät mit sechzig Jahre alten russischen, britischen und deutschen Panzern und anderem Kriegssgefährt durch die Gegend kurvt.  (ad)


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